KW 49: Europas Wirtschaftsverbände formieren sich gegen von der Leyen, FDP will Steuern um 200 Milliarden senken, Brun-Hagen Hennerkes verlässt die Stiftung Familienunternehmen

Die sich immer weiter zuspitzende Zinspolitik der Europäischen Zentralbank stellt auch den Mittelstand vor enorme Herausforderungen, was die Anlagemöglichkeiten liquider Mittel betrifft. In der Folge schichten viele Unternehmen ihr Vermögen um oder investieren vermehrt in den eigenen Betrieb. Bereits zum zehnten Mal steht das Anlageverhalten deutscher Unternehmen im Mittelpunkt einer aktuellen Umfrage der Commerzbank. Wie aus der Studie hervorgeht, bezeichnen 86% der befragten Unternehmen ihre Anlagestrategie als liquiditäts- bzw. sicherheitsorientiert. Chancen- bzw. risikoaffin sind dagegen nur rund 10%. Bereits für 14% der Unternehmen spielt das Kriterium „Nachhaltigkeit“ bei Anlageprodukten eine Rolle. Während im Vorjahr noch längerfristige Anlagen im Fokus standen, legt aktuell knapp die Hälfte der Unternehmen (48%) kurzfristig mit einem Zeithorizont von bis zu einem Jahr an. Mittelfristige (1 bis 3 Jahre) bzw. langfristige (länger als 3 Jahre) Anlagen werden von jeweils etwa einem Fünftel favorisiert. Die mit 41% am meisten genutzte Anlageform ist das Termingeld. Währungsanlagen oder Fonds spielen mit je 13% eine untergeordnete Rolle. Legen Unternehmen in Fonds an, bevorzugen sie gemischte Fonds (56%) und Aktienfonds (51%). Die breite Mehrheit der Befragten (76%) legt selbst an, während ein knappes Viertel eine professionelle Vermögensverwaltung oder ein gemanagtes Mandat nutzt. Die Unsicherheit im deutschen Mittelstand schreit nach Begleitung, Beratung und Führung durch den dichten Nebel. Doch gute Lotsen sind rar.

Ihr
Thomas Philipp Reiter


AUS POLITIK UND MITTELSTAND

Europas Wirtschaftsverbände formieren sich gegen von der Leyen: Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), sein italienisches Pendant Confindustria sowie der französische Arbeitgeberverband Medef treffen sich erstmals, um eine einheitliche Linie gegenüber der neuen EU-Kommission zu erarbeiten. Alle drei Verbände haben hohe Erwartungen an Ursula von der Leyen. Der BDI-Geschäftsführer Joachim Lang hatte zuletzt an von der Leyen appelliert, zügig eine moderne EU-Industriestrategie vorzulegen. Bereits in den ersten 100 Amtstagen müsse die Stärkung der Industrie in Europa bei den angekündigten klima-, umwelt- und digitalpolitischen Initiativen forciert werden. Sie erwarten von der EU-Kommission eine aktive Einmischung in die Industriepolitik der Euro-Zone in Zeiten einer schwierigen gesamtwirtschaftlichen Lage. Auch die Stärkung europäischer Unternehmen ist ihnen ein wichtiges Anliegen. So fordern sie eine Reform des Kartellrechts, um Fusionen leichter zu ermöglichen.
welt.de

FDP will Steuern um 200 Milliarden senken: Die FDP will die Mehreinnahmen an Steuern bis 2024 zur Hälfte an die Bürger zurückzahlen. Nach Zahlen des Bundesfinanzamtes werden sich die jährlichen Mehreinnahmen gegenüber dem Jahr 2019 auf 394,6 Milliarden Euro addieren. Parteichef Christian Lindner schlug darum Steuersenkungen im Umfang von 200 Milliarden Euro in den nächsten fünf Jahren vor. Ab dem 1. Januar soll der Solidaritätszuschlag vollständig abgeschafft und der Körperschaftsteuersatz ab 2021 von 15 Prozent auf 10 Prozent gesenkt werden. Ferner sollen die Möglichkeiten für Abschreibungen ausgedehnt werden. Die schwarze Null soll dabei nicht angetastet werden. FDP-Finanzexperte Christian Dürr sagte: „Gerade jetzt, wo Deutschland mit einem Fuß in der Rezession steht, müssen wir dem Mittelstand mehr Luft zum Atmen geben.“
welt.de

Brun-Hagen Hennerkes verlässt die Stiftung Familienunternehmen: 2002 gründete der Anwalt Brun-Hagen Hennerkes die Stiftung Familienunternehmen. Auch außerhalb des Mittelstands hat er sie zu einer wichtigen Stimme im politisch-wirtschaftlichen Diskurs gemacht. Sein Ziel war immer, Familienunternehmen mehr Gehör und Anerkennung zu verschaffen. Dafür arbeitete er auch mit wissenschaftlichen Institutionen zusammen. In 17 Jahren erschienen 74 Studien, die die Kraft der Familienunternehmen beleuchteten. Auch als Lobbystimme trat Hennerkes immer wieder in Erscheinung. So vertrat er die Familienunternehmen bei der erfolgreich abgewehrten Neuordnung der Erbschaftssteuer. Nun hört Hennerkes als Vorstandsvorsitzender auf. Seine Nachfolger werden der bisherige Geschäftsführer Stefan Heidbreder, Rainer Kirchdörfer aus seiner Kanzlei Hennerkes, Kirchdörfer, Lorz und Ulrich Stoll von Festo.
handelsblatt.com

Massive Stellenstreichungen bei Daimler Nach Audi und BMW hat nun auch Daimler umfangreiche Stellenstreichungen verkündet. Bis 2022 sollen insgesamt 10.000 Stellen weltweit wegfallen. Vor allem will Daimler freiwerdende Stellen nicht nachbesetzen. Zudem soll die Altersteilzeit ausgeweitet und Mitarbeitern in der Verwaltung in Deutschland Abfindungen angeboten werden. Betriebsbedingte Kündigungen sind an den deutschen Standorten bis Ende 2029 ausgeschlossen. Bereits vor einigen Wochen hatte Vorstandschef Ola Källenius angekündigt, konzernweit etwa 1,4 Milliarden Euro Personalkosten einsparen und jede zehnte Management-Stelle streichen zu wollen.
zeit.de

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Der Einfluss von Medien auf Gerichtsverfahren: Mitteständler sehen sich immer wieder in juristische Auseinandersetzungen verwickelt. Wichtig dann: Auch im Gerichtssaal der Öffentlichkeit bestehen, damit der gute Ruf keine Kratzer bekommt. Die Krisen-PR-Agentur CONSILIUM hat nun mit der Uni Mainz untersucht, wie Gerichtsverfahren von Medienberichten beeinflusst werden und was sie mit der Öffentlichkeit machen. Das Ergebnis: Überraschend deutlich. Was sich daraus für die Medienarbeit von Mittelständlern ableiten lässt:
consilium.media

Google: Was die beiden Google-Gründer und der deutsche Mittelstand gemeinsam haben lead-digital.de
Gesundheitsmanagement: Deutschlands gesündeste Arbeitgeber 2019 stehen fest innovations-report.de
Gehalt: So hoch sind die Gehälter mittelständischer Geschäftsführer marktundmittelstand.de


RAT UND TAT

Vielfalt zahlt sich aus: Tijen Onaran ist Gründerin der internationalen Initiative Global Digital Women (GDW), die sich für die Sichtbarkeit und die Vernetzung von Frauen in Digitalberufen engagiert. Zusammen mit der Europa-Universität Flensburg hat ihre NGO eine Studie verfasst, die nach der Diversität in den Unternehmen fragt. Im Interview erklärt Onaran, dass Anspruch und Wirklichkeit dabei weit auseinander klaffen. Vielen Unternehmen sei Vielfalt zwar wichtig, allerdings tun sie zu wenig für die Umsetzung. Dabei seien Teams, die geschlechtlich, kulturell, religiös vielfältig aufgestellt sind, meist erfolgreicher, da sie mehrere Perspektiven in Einklang bringen.
augsburger-allgemeine.de

Einfache Lohnabrechnung für KMUs: Das aus Frankreich kommende Startup Payfit startet gerade in Deutschland durch. Denn beide Länder haben eines gemeinsam: ein sehr kompliziertes Steuer- und Sozialversicherungsrecht. Und Payfit bietet die passende Software für kleine und mittelständische Unternehmen an, um Lohn- und Gehaltsabrechnungen einfach und korrekt abwickeln lassen. Dafür hat das Unternehmen eine eigene Programmiersprache namens JetLang entwickelt, um schneller neue Märkte erschließen zu können. Rechtsexperten überwachen und melden Gesetzesänderungen sofort. Diese können in das Tool integriert werden. Auch in Deutschland haben sich Startups diesem Marktsegment bereits angenommen. 2015 gründete sich das Münchner Startup Personio, das ebenfalls eine Software für das Personalwesen entwickelt hat, mit der sich das Onboarding von Mitarbeitern, Abwesenheiten und Zeiterfassung verwalten sowie Lohn- und Gehaltsabrechnungen erstellen lassen. Personio-Gründer Hanno Renner schätzt den Markt allein in Europa einschließlich Lohnbuchhaltung auf bis zu 30 Milliarden Euro.
handelsblatt.com

Klimabewegung ohne Mittelstand: Am Freitag traf sich die Initiative „Entrepreneurs for Future“ vor dem Reichstag. Mittelständler wie Elobau, aber auch Startups wie der Kondomhersteller Einhorn oder das Vergleichsportal Idealo wollen sich für mehr Klimaschutz auch in der Wirtschaft stark machen. Mittlerweile haben sich rund 4200 Unternehmen mit mehr als 240.000 Mitarbeitern hinter der Initiative versammelt. Nach eigenen Angaben repräsentieren sie 32 Milliarden Euro Umsatz. Gemessen an der Gesamtzahl der Unternehmen im Land ist das jedoch wenig. In Berlin demonstrierte gerade einmal ein Promille des deutschen Mittelstands. Insgesamt scheint dieser die Klimabewegung eher zu verschlafen. Das belegt auch eine repräsentative Umfrage der DZ Bank. Obwohl bereits zwei Drittel von ihnen ihre Unternehmen als unmittelbar betroffen vom Klimawandel bezeichnen, reagiert nur jedes fünfte Unternehmen mit eigenen Maßnahmen. Die meisten spüren offenbar noch nicht genug Handlungsdruck.
handelsblatt.com

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AUS GESPROCHEN

„Wir haben unsere Hierarchie-Pyramide in den letzten Jahren komplett auf den Kopf gestellt. Im Mittelpunkt steht für die Führungskräfte die Frage, wie sie die Facharbeiter an den Maschinen dabei unterstützen können, ihre Aufgaben täglich besser zu erledigen. Dies muss auch für die Digitalisierung gelten. Sie ist kein Selbstzweck, sondern muss Werkzeug sein bei der Erschließung von Optimierungsmöglichkeiten und Erhöhung des Kundennutzens.”

Lars Reeder, Geschäftsführer der Hein + Oetting Feinwerktechnik GmbH, erklärt beispielhaft, wie sein Unternehmen die Digitalisierung angeht.
produktion.de


AUS DER REIHE

24/7 am Ende: Japan ist bekannt für seine immerwährend geöffneten Läden. Sich nachts um vier Uhr eine Notfallkrawatte oder spontan bei Wolkenbruch Regenschirme zu kaufen, ist problemlos möglich. Wichtig wurden sie vor allem nach dem Tsunami in Fukushima. Sie waren die ersten, die in der Region wieder öffneten und die Menschen mit dem Wichtigsten versorgten. Doch die Läden könnten bald eine Sperrstunde einführen müssen. Schuld daran ist die überaltete Gesellschaft. Immer weniger Menschen finden sich, die bereit sind, sich in einem kleinen Shop die Nacht um die Ohren zu schlagen. Denn die Bezahlung ist auch nicht besonders gut. Meist liegt sie knapp über dem japanischen Mindestlohn. Das Problem der Filialleiter: Sie sind durch die größten Ketten Seven-Eleven, FamilyMart und Lawson an die Daueröffnung gezwungen. Auch wenn sie keine Mitarbeiter finden und selbst 24 Stunden wach bleiben müssen.
sueddeutsche.de

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