KW 31: Wer schnitt Volkswagen-Gespräche mit? Daimler kürzt Arbeitszeiten, Bilanzbetrug begann laut Wirecard-Exvorstand bereits 2008

AUS POLITIK UND WIRTSCHAFT

Wer schnitt Volkswagen-Gespräche mit? Das Magazin Business Insider erhielt 50 Stunden an Audiomitschnitten von Besprechungen bei Volkswagen. In den Tonaufnahmen geht es um den Streit mit dem bosnischen Autozulieferer Prevent. Nach nahezu vierzigjähriger Partnerschaft beendete VW die Zusammenarbeit 2018. Seitdem sind beide Parteien gerichtlich gegeneinander vorgegangen. Besonders brisant: Auf den Tonbändern sind Absprachen zwischen Volkswagen, BMW und Daimler im Zusammenhang mit dem Zulieferer Grammer zu hören. Diesen wollte Prevent übernehmen. Der niedersächsische Autokonzern wollte diesen Schritt verhindern – gemeinsam mit den Mitbewerbern sollte dafür eine Lösung gefunden werden. Schlussendlich kaufte sich das chinesische Unternehmen Ningbo Jifeng bei Grammer ein – Volkswagen gehört zu den größten Kunden der Firma. Der Volkswagenkonzern zeigt sich erschüttert von den Audiomitschnitten: „Wenn interne und vertrauliche Sitzungen illegal dokumentiert und solche Informationen unberechtigt an die Öffentlichkeit gelangen, schockiert uns das zutiefst“, erklärte ein Sprecher. Innerhalb des Konzerns werden Untersuchungen nach dem Spitzel angestellt.
businessinsider.de, spiegel.de, sueddeutsche.de, handelsblatt.com

Daimler kürzt Arbeitszeiten: Im zweiten Quartal verbuchte Daimler herbe Verluste: der Umsatz stürzte um 30 Prozent ab. Um die Kosten zu drücken, hat sich der Autobauer dazu entschieden, Arbeitszeiten zu Kürzen und Mitarbeiterprämien auszusetzen. In der Verwaltung sowie in produktionsnahen Abteilungen wie der Logistik wird ab Oktober zwei Stunden pro Woche weniger gearbeitet. Zunächst gilt der Beschluss für ein Jahr. Zwar müssen Produktionsmitarbeiter keine Arbeitszeitkürzungen hinnehmen, allerdings sie von Streichungen der Mitarbeiterprämien für das laufende Jahr betroffen. Auch das tarifliche Zusatzgeld entfällt. Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht ist zuversichtlich, dass Entlassungen mit diesen Maßnahmen verhindert werden können: „Beschäftigung bei Daimler bleibt bis 2030 gesichert, und betriebsbedingte Kündigungen bleiben ausgeschlossen.“ Daimler-Chef Ola Källenius soll allerdings bereits weitere Kürzungen geplant haben.
spiegel.de, manager-magazin.de

ANZEIGE

Erreichen Sie Ihre Zielgruppe mit modernen Videoformaten – ohne großen Aufwand. Nutzen Sie unser Studio im Herzen von Berlin-Mitte. Wir bieten ein technisches Rundum-Paket, erfahrene Produzenten und eine hochwertiges Regie-Equipemnt. Ob Diskussionsrunde, Social-Media-Posts oder Livestreams – wir stellen Ihnen unser Studio, unsere Expertise und unser Team von der ersten Idee bis zu Postproduktion zu attraktiven Konditionen zur Verfügung: Mehr Informationen auf: novalis.studio

Ifo-Geschäftsklimaindex steigt wieder: Das Ifo-Institut meldet eine Verbesserung der wirtschaftlichen Stimmung unter deutschen Unternehmern. Beim Geschäftsklimaindex konnten die Experten zum dritten Mal infolge eine Steigerung festhalten – durch die Corona-Krise war der Geschäftsklimaindex massiv abgestürzt und liegt weiterhin unter dem gängigen Durchschnitt. Der Index liegt im Juli bei 90,5 Punkten – über vier Punkte höher als im Vormonat. Im dritten Quartal soll dasdas BIP um 6,9 Prozent wachsenselbst in den von der Pandemie hart getroffen Ländern wie Spanien und Italien werde mehr produziert. Der chinesische Markt würde sich unermüdlich verbessern. Die Ökonomen befragen für den Ifo-Index 9000 Unternehmen – durch alle Branchen hinweg ist die Bewertung der gegenwärtigen Lage sowie der Ausblick auf die Zukunft positiver. Es ist allerdings nicht gesetzt, dass die gute Stimmung anhält. Insolvenz werden im Herbst erwartet – eine zweite Infektionswelle kann die Dynamik in den Unternehmen verändern.
tagesspiegel.de, faz.net

Bilanzbetrug begann laut Wirecard-Exvorstand bereits 2008: Ein ehemaliger Wirecard-Vostand berichtet, er habe bereits 2008 Zweifel an den Geschäftszahlen des insolventen Unternehmens gehabt – und hätte diese auch dem Aufsichtsrat gemeldet. Der Manager erklärte dem „Handelsblatt“, dass es der Unternehmensleitung allerdings nur um eine gute „Story für die Kapitalmärkte“ gegangen sei, um die nächsten Kredite und Kapitalerhöhungen zu erreiche. Die Zweifel an der Bilanz wurden daher nicht ernstgenommen. Das „Handelsblatt“ schildert zudem eine Reihe von Drohpraktitken gegen frühere Mitarbeiter. Das Unternehmen soll ehemalige Betriebsangehörige eingeschüchtert und ausspioniert haben.
handelsblatt.com, tagesspiegel.de

ANZEIGE

Uhrenwerk Weimar – eine international angesehene Marke, deren Ursprung sich bis in das Jahr 1950 zurückverfolgen lässt, kehrt zurück. Inspiriert von Henry van de Velde und dem Bauhaus entsteht das neue “Uhrenwerk Weimar” in der Tradition einer Verbindung aus Kultur und Kompetenz, die in Weimar erfunden wurde, aber heute auf der ganzen Welt zuhause ist. Gemeinsam mit dem Antwerpener Designer Ronald Steffen wurden drei Armbanduhren-Modelle entwickelt: “Henry van de Velde”, “Luftbrücke Berlin” und “Royal Union”.

Verfahren wegen Untreue gegen VW-Manager eröffnet: Am Landgericht Braunschweig wurde das Hauptverfahren gegen drei ehemalige und einen gegenwärtigen Volkswagen-Manager wegen Untreue eröffnet. Der Vorwurf: sie sollen überhöhte Gehälter und Boni abgenickt haben. Der Volkswagen-Konzern soll dadurch zwischen 2011 und 2016 zusätzliche Kosten in Höhe von fünf Millionen Euro gehabt haben. Eine „ungerechtfertigte Vergütung“ soll laut Anklage an Betriebsratschef Bernd Osterloh geflossen sein – er soll über drei Millionen Euro im entsprechenden Zeitraum erhalten haben. Der Volkswagen-Konzern verwies indes darauf, dass die Anklage lediglich gegen Einzelpersonen und nicht den Konzern erhoben worden sei. Die gesetzliche Lage für Gehaltskorridore von Führungspersonen ist in vielen Unternehmen nicht geklärt und gilt als reformbedürftig.
zeit.de, sueddeutsche.de

Skandalkonzern Steinhoff bietet Klägern 850 Millionen Euro manager-magazin.de
Curevac bewarb sich selbst um Einstieg des Staats spiegel.de
Oliver Samwer rasiert seine Start-up-Fabrik manager-magazin.de
Kann Wasserstoff die Autoindustrie retten? n-tv.de
Krauss-Maffei will katarischen Scheichs Flugabwehrpanzer verkaufen handelsblatt.com
Deutsche Bahn steuert auf Milliardenverlust zu manager-magazin.de

RAT UND TAT

Jeder zweite Startup nutzt Künstliche Intelligenz: Laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom nutzt rund jedes zweite Startup (47 Prozent) Künstliche Intelligenz. Insbesondere beim Cloud Computing und der Datenanalyse sei KI beliebt. Bitkom-Präsident Achim Berg unterstreicht, dass KI eine Schlüsseltechnologie sei, von der Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit in Zukunft abhängen würde. Neben Startups, die bereits KI nutzen, plant über ein Drittel (35 Prozent) die Technologie künftig einzusetzen. Virtual Reality und Blockchain sind hingegen weniger stark vertreten – lediglich jedes zehnte Jungunternehmen nutzen diese Technologien. Auch Robotik und 3D-Druck sind unter den Startups unbeliebt. Für Unternehmen birgt Künstliche Intelligenz eine großes Potenzial – sie macht Prozesse effizienter, hilft bei der Wartung von Geräten und analysiert Schwierigkeiten. Damit können Mittelständler ihre Wettbewerbsfähigkeit ausbauen.
bigdata-insider.de

Karriereplattform LinkedIn entwickelt Marketing-Ratgeber: Das Karrienetzwerk LinkedIn hat einen Ratgeber für die Erholung nach der Corona-Krise entwickelt. In dem kurzen E-Book ist eine Übersicht mit Tipps für Themen wie Markenaufbau, Change Management und Kommunikationsplanung zu finden. LinkedIn zielt dabei insbesondere auf KMUs ab, die unter der Corona-Krise besonders gelitten haben und keine Ressourcen für das Einkaufen von Beratern haben. Es ist kostenlos auf englischer Sprache verfügbar.
onlinemarketing.de

IT-Sicherheitslücken werden zu Einfallstoren für Cyber-Kriminelle: Lediglich 11 Prozent der Unternehmen, die mit mit dem Internet der Dinge arbeiten, haben ihre Systeme umfänglich gesichert. In der Landwirtschaft gibt ein Viertel der Mittelständler an große Defizite bei der Datensicherheit zu haben. Dabei steigt die Anzahl der Angriffe von Cyber-Kriminellen auf Unternehmen. Sie können Manipulationen in Geräten vornehmen, Daten klauen oder das System eines Unternehmens lahmlegen und Lösegeld fordern. Für den Mittelstand wird es zunehmend wichtiger sich vor IT-Attacken zu schützen, da es kleine und mittlere Unternehmen sind, die in das Visier von Hackern geraten. Sie wissen, dass KMUs oft schlechter ausgestattet sind als Konzerne.
infopoint-security.de, it-business.de, cash-online.de

AUS GESPROCHEN

Wir können den Sozialstaat nicht dauerhaft stärker ausbauen, als unsere Wirtschaft wächst

Der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Ingo Kramer, hat davor gemahnt, den Sozialstaat aufzublähen.
faz.net

AUS DER REIHE

Deutsche horten Bargeld: Laut Bundesbank horten die Deutschen im Schnitt 1364 Euro und haben 107 Euro im Portemonnaie. Insbesondere Ältere, Besserverdienende und Selbstständige haben größere Mengen an Bargeld im Haus oder in Schließfächern. Als Hauptgrund geben sie dabei die Niedrigzinspolitik an – direkt danach folgt ein pragmatischer Grund: man bevorzugt Zahlungen in Bar. Dass Jüngere weniger Geld in der Tasche haben, liege schlicht daran, dass sie weniger besitzen.
spiegel.de