KW 30: Mittelstand warnt vor negativen Folgen des Lieferkettengesetzes, Kritik an Corona-Hilfen für Selbstständige, Mehrheit schätzt Mehrwertsteuersenkung negativ ein

AUS POLITIK UND WIRTSCHAFT

Mittelstand warnt vor negativen Folgen des Lieferkettengesetzes: Das von der Bundesregierung geplante Lieferkettengesetz zur Einhaltung von Menschenrechten in internationalen Lieferketten stößt weiterhin auf Kritik. Die Bundesregierung „erweise den Ländern und Regionen einen Bärendienst, die sie mit dem Lieferkettengesetz schützen will“, so Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft, in der vergangenen Woche der Funke Mediengruppe. Eine Regulierung der Lieferbeziehungen mit Afrika würde deutschen Mittelständlern Investitionen dort erschweren oder könnte diese gänzlich verhindern. Das würde anderen, internationalen Firmen, die es „mit der Einhaltung bestimmter Standards nicht so genau nehmen“ in die Hände spielen und der Mittelstand hätte das Nachsehen. Eine detaillierte Überwachung der internationalen Lieferketten sei mittelständischen Unternehmen in der Praxis kaum möglich, so Ohoven. Eine solche Regelung berge zudem die Gefahr, dass globale Wertschöpfungsketten unterbrochen würden, was ausgerechnet den Ländern, denen dieses Gesetz helfen soll, zusätzlich schaden könnte.
Auch der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, äußerte sich in der vergangenen Woche kritisch zum Thema. Grundsätzlich sei ein solch nationales Gesetz für faire Lieferketten richtig, jedoch müsse dabei die Verhältnismäßigkeit im Auge behalten werden: „Was kann und sollte ein Unternehmen wissen, und was kann es nicht wissen und auch nicht kontrollieren?“
Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) wollen bereits nächsten Monat ein Eckpunktepapier für ein Gesetz zur Bekämpfung ausbeuterischer Arbeitsverhältnisse im Ausland vorlegen.
rnd.de

Kritik an Corona-Hilfen für Selbstständige: Verbände kritisieren die Überbrückungshilfen, die die Bundesregierung für Selbstständige in der Corona-Krise ausgelobt hat, kritisch. Die Beantragung sei „extrem bürokratisch“ und einige Regelungen, wie die Nicht-Anerkennung von Lebenshaltungskosten, nahezu realitätsfern. Der Sprecher des Verbands der Gründer und Selbstständigen, Andreas Lutz, kritisiert, dass schon die Corona-Soforthilfen für Soloselbstständige unzulänglich waren, da damals nur bestimmte Kosten wie beispielsweise die Büromiete, die bei Soloselbstständigen häufig nicht anfällt, da sie von zuhause aus arbeiten, berücksichtigte. Die neuen Corona-Überbrückungshilfen seien „noch weniger hilfreich“, so Lutz. Die Beantragung ist nur über einen Steuerberater möglich. Für Selbstständige, die ihre Steuer sonst selbst machen, ist ein Antrag daher erst einmal mit erneuten Kosten verbunden.
Wolfgang Ewer, Präsident des Bundesverbands der Freien Berufe (BFB) spricht von zweierlei „gravierenden Webfehlern:“ Es werden aktuell keine Verluste berücksichtigt, die erst zeitversetzt einsetzen und Kosten zur Deckung des Lebensunterhalts werden auch beim neuen Hilfsprogramm nicht berücksichtigt. Dies laufe dem Alltag vieler Soloselbstständigen oder solcher mit wenigen Mitarbeitern entgegen, da diese häufig „aus den laufenden Einnahmen ihren Lebensunterhalt decken.“ Zudem sei die Wohnung für viele Selbstständige Arbeitsort, eine Differenzierung zwischen betrieblichen und privaten Ausgaben kaum möglich.
Vor zwei Wochen hatte der Bund weitere Überbrückungshilfen mit einem Gesamtvolumen von 25 Milliarden Euro ausgelobt.
sueddeutsche.de

Strenesse stellt Betrieb zum Jahresende ein: Der krisengeplagte Modehersteller Strenesse schließt. Das Unternehmen aus dem schwäbischen Nördlingen begründete die Entscheidung mit den Folgen der Coronakrise. Schon 2019 hatte die Modefirma Insolvenz angemeldet – zum zweiten Mal. Zwar hätten Anfang dieses Jahres die Restrukturierungsmaßnahmen langsam Wirkung gezeigt, doch die Coronakrise habe der Firma dann zu sehr zugesetzt. Strenesse kündigte an, zum Jahresende nach 65 Jahren den Betrieb einzustellen. Von der Schließung sind 56 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen.
wiwo.de

Mehrheit schätzt Mehrwertsteuersenkung negativ ein Seit Anfang des Monats gilt in Deutschland der reduzierte Mehrwertsteuersatz. Doch der Mittelstand reagiert darauf verhalten. Während Branchen die Textilbranche und das Bauhandwerk mit positiven Auswirkungen rechnet, schätzen zwei Drittel der Befragten laut einer Umfrage des Mittelstandverbunds ZGV die vorübergehende Absenkung als negativ ein und beklagen zusätzlichen Aufwand und Kosten. Durch die Kurzfristigkeit war der Aufwand – etwa das Anpassen der Kassensysteme oder das Umpreisen der Ware – groß gewesen, die Auswirkungen dürften auf sich warten lassen. Zum neuen Jahr müsse dann noch einmal derselbe Aufwand betrieben werden, wenn der Steuersatz wieder angepasst werden müsse. Ein Gegenvorschlag kommt von der FDP: Statt einer kurzzeitigen Einzelmaßnahme wäre an einer Einkommensteuerreform für kleine und mittlere Einkommen gelegen, so der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Christian Dürr.
deutsche-handwerks-zeitung.de

Förderprogramm für mehr Innovation im Mittelstand Das Bundeswirtschaftsministerium hat ein 200 Millionen Euro schweres Investitionsprogramm namens „Digital jetzt – Investitionsförderung für KMU“ ausgelobt. Kleine und mittelständische Unternehmen könnten beim digitalen Wandel nun besser unterstütz werden. Bis zu 70 Prozent der Ausgaben für digitale Innovationen könnten über Zuschüsse finanziert werden. Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft lobt, das nun auch mittelständische Unternehmen, die in digitale Technologien oder Mitarbeiterschulungen investieren wollen, Fördermittel erhalten können.
finanznachrichten.de

Kurzmeldungen
Genossenschaftliche Banken erwarten steilen Anstieg der Unternehmensinsolvenzen faz.net
Mittelstand lehnt Recht auf Homeoffice ab finanzen.net
Helden des Mittelstands 2020 story.wiwo.de
Ökonom: Kippings Vorstoß zur Vier-Tage-Woche ‚gefährlicher Unsinn‘ deutschlandfunk.de

RAT UND TAT

Mitarbeiter-Apps können die Kommunikation verbessern: Einige werden es noch kennen: Das „schwarze Brett“ als Informationsfläche. In Unternehmen wird es genutzt, um über Veränderungen oder Neuerungen zu informieren. Aber gerade in der jüngsten Zeit zeigt sich: Es kann ratsam sein, auch digitale, ortsunabhängige Informationswege für alle Mitarbeiter zu schaffen. So könnten alle das „schwarze Brett“ immer mit dabei haben. Vorreiter? Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) nutzen schon einige Zeit eine App und loben ihre „unschätzbaren Vorteile“ für Mitarbeiter. Am besten ist es natürlich, wenn Mitarbeiter selbst entscheiden dürfen, wie sehr sie sich einbringen und über die App interagieren können. Doch Apps bieten eine schöne und einfach Möglichkeit, die interne Unternehmenskommunikation zu optimieren.
kompetenzzentrum-kommunikation.de

Erfolgsfaktoren für IIoT im Unternehmen: Gemeinsam mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) hat eine Firma acht Faktoren formuliert, wie mit dem industriellen Internet der Dinge (IIoT) die Wertschöpfungskette bzw. ganze Geschäftsmodelle digitalisiert werden können. Häufig sind gerade KMUs von der vermeintlichen Komplexität der Einführung von IIoT-Anwendungen abgeschreckt. Aber das ist nicht nötig, wenn einige Kernfaktoren beachtet werden, kann die digitale Transformation interessierten Unternehmen sehr gut gelingen. Zu diesen Faktoren gehört (selbstverständlich) ein gutes Grundverständnis der Materie, aber auch die Bereitschaft, IIoT- in die Unternehmensstrategie zu integrieren, eine hohe Umsetzungsgeschwindkeit der Transformation, genügend Ressourcen, Prozessanalyse und einige mehr.
digital-engineering-magazin.de

Online-Umfrage zur IT-Sicherheit in KMU: Im Rahmen der Initiative „IT-Sicherheit in der Wirtschaft“ hat das Bundeswirtschaftsministerium zwei Forschungsinstitute mit der Durchführung einer Studie zum Thema „IT-Dienstleister als Akteure zur Stärkung der IT-Sicherheit bei KMU in Deutschland“ beauftragt. Es soll herausgefunden werden, welche Anforderungen kleine und mittlere Unternehmen auf der Suche nach IT-Dienstleistern haben. Die Dienstleister wurden bereits befragt. Nun geht es daran, KMU mit bis zu 499 Mitarbeitern zur Thematik zu Wort kommen zu lassen. Die Umfrage läuft noch bis 15. August 2020.
handwerksblatt.de

AUS GESPROCHEN

Wir müssen alles dafür tun, so viele Unternehmen zu retten wie möglich. Der Mittelstand und seine gewachsenen Strukturen dürfen durch die Krise keinesfalls zerstört werden.
Thomas Bareiß, Mittelstandsbeauftragter der Bundesregierung möchte so viele Unternehmen wie möglich aus der Coronakrise retten.
marktundmittelstand.de

AUS DER REIHE

Arbeitnehmer empfinden Home Office grundsätzlich positiv: Unternehmen sind gegen ein Recht auf Home Office, aber die vergangenen Monate haben gezeigt: Flächendeckendes Home Office ist möglich – und tut den Mitarbeitern gut. Eine nun publizierte Studie der Krankenversicherung DAK-Gesundheit zeigt, dass Mitarbeiter die Heimarbeit mögen. Sie empfinden weniger Stress und eine gesteigerte Zufriedenheit mit der Arbeit. Auch geben die Befragten an, dass sie zuhause produktiver als im Büro seien. Positiv empfunden wird auch die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die gewonnene Zeit durch fehlendes Pendeln zur Arbeit. Jedoch: Jeder Zweite gab an, eine Trennung zwischen Privat- und Berufsleben zu vermissen.
deutschlandfunk.de, tagesschau.de