KW 28: Überbrückungshilfe für Mittelständler, Rezession stärker als erwartet, Facebook lobt Mittelstandskampagne aus

AUS POLITIK UND WIRTSCHAFT

Überbrückungshilfe für Mittelständler: Die Bundesregierung hat weitere Corona-Hilfen für Unternehmen beschlossen. Für drei Monate, bis Ende August 2020, können angeschlagene Unternehmen und Selbstständige Zuschüsse für Fixkosten wie Miete und Versicherungen erhalten. Ziel ist es, kleinen und mittelständischen Unternehmen zu helfen. Antragsberechtigt sind auch Solo-Selbstständige, Freiberufler und gemeinnützige Organisationen. Voraussetzung für den Zuschuss, der je Unternehmen bis zu 150.000 Euro betragen kann, ist, dass die jeweiligen Unternehmen Nachweise über coronabedingte Umsatzeinbrüche erbringen können. Konkret in den April und Mai 2020 um durchschnittlich mindestens 60 Prozent im Vergleich zu April und Mai 2019. Die Ausschüttung der nicht rückzahlungspflichtigen Hilfe könne bereits im Juli beginnen. Voraussichtlich in der zweiten Augusthälfte soll über eine eventuelle Verlängerungen er Hilfen beraten werden.
tagesschau.de

Rezession stärker als erwartet: Durch die Corona-Pandemie droht die größte Wirtschaftskrise in der Geschichte der Europäischen Union. Die neueste Prognose der Europäischen Kommission macht deutlich, dass die Rezession sogar noch stärker ausfallen könnte, als bisher angenommen. Demnach könnte die Wirtschaftsleistung in der Eurozone um 8,7 Prozent einbrechen, in der Europäischen Union als Ganzes um 8,3 Prozent, so die Brüsseler Behörde am Dienstag. Es gibt aber Anzeichen, dass die Talfahrt bald beendet sein und es bald wieder aufwärts gehen könnte. Eine absolut zuverlässige Prognose lässt sich allerdings nicht treffen, da sich kaum belastbare Aussagen zu Dauer und Entwicklung der Pandemie treffen lassen.
tagesspiegel.de, faz.net, n-tv.de

Facebook lobt Mittelstandskampagne aus: Während rund 1.000 Konzerne weltweit in dieser Woche zum Boykott der amerikanischen Plattform aufriefen, wagt Facebook die Flucht nach vorn und nimmt kleine und mittelständische Unternehmen ins Visier. Rund 100 Millionen Dollar hat die US-Firma zur Unterstützung dieser ausgelobt, zur Weiterbildung und als Werbegutschein. Denn: Die überwiegende Mehrheit der 160 Millionen Firmen, die Facebook oder eins seiner Tochterunternehmen Whatsapp oder Instagram nutzen, zählt zu den kleinen und mittelständischen Unternehmen. Die Kampagne „Wir lieben Mittelstand“ soll KMUs mit branchenspezifischen Trainings, aber auch Werbeförderungen unterstützen. Wie viel der 100 Millionen Dollar an deutsche Firmen gehen könnte, ist derzeit noch nicht bekannt.
wuv.de

Bundestag beschließt Grundrente: Vergangene Woche hat der Bundestag die Grundrente für Geringverdiener, die mindestens 33 Jahre Beiträge in die Rentenversicherung eingezahlt haben, beschlossen. Sie könnten nun einen bedarfsabhängigen Zuschlag von bis zu 400 Euro erhalten. Die Rente, die ab 2021 ausbezahlt werden soll, soll und 1,3 Millionen Menschen, davon 70 Prozent Frauen, helfen.
Die Mittel für die Grundrente wollte Finanzminister Olaf Scholz (SPD) eigentlich über die geplante Finanztransaktionssteuer finanzieren. Doch da diese nicht in Sicht ist, wird die Rente nun aus dem Bundeshaushalt finanziert. Die Kosten dürften sich auf schätzungsweise 1,3 Milliarden Euro bis 1,6 Milliarden Euro belaufen.
tagesschau.de, wiwo.de

Edeka will einige Real-Filialen übernehmen: In der vergangenen Woche wurde nach mehrjähriger Verhandlung der Verkauf der Supermarktkette Real an die russische SCP-Gruppe finalisiert. Zunächst war vereinbart worden, dass Edeka 52 Standorte übernehmen soll. Nun kündigten einzelne Regionalgesellschaften des Unternehmens Interesse an 18 weiteren Filialen an. Die russische Investorengruppe SCP plant, den Großteil der 279 Real-Märkte sowie den Onlineshop weiterzuverkaufen. Rund 140 Filialen sollen an Kaufland und Rewe gehen. Die Übergabe der jeweiligen Märkte soll noch im vierten Quartal 2020 stattfinden. Schon kurz nach der Übernahme kündigte Real den Verkauf von acht deutschen Filialen an. Der Weiterbetrieb dieser Märkte sei nicht mehr wirtschaftlich, weshalb dort der Betrieb 2021 eingestellt werden soll. Von den Schließungen sind etwa 700 Mitarbeiter betroffen.
businessinsider.de

Schuhproduzent Lloyd schließt letztes Werk in Deutschland: Nach mehr als 130 Jahren schließt das Bremer Traditionsunternehmen Lloyd sein letztes Werk in Deutschland und verlagert seine Produktion vollends nach Indien und Rumänien. Das Unternehmen konnte der Coronakrise nicht mehr trotzen, weshalb die letzte deutsche Fertigungsstelle im niedersächsischen Sulingen. Durch die Krise und die Schließung der Geschäfte sei die weltweite Nachfrage ausgeblieben, weshalb das Unternehmen mit einem Umsatzrückgang von 30 Prozent rechnet.
spiegel.de

Das sind die Top 20 der deutschen Familienunternehmen manager-magazin.de
Sparkurs bei der Lufthansa tagesschau.de
OECD Bericht: Arbeitslosigkeit steigt stark faz.net

RAT UND TAT

Geschäftsmodelle im Mittelstand noch wenig digital: Corona fungiert mehr und mehr als Beschleuniger der digitalen Transformation. Oft hätten hierbei Mittelständler mit wenig digitalen Geschäftsmodellen das Nachsehen. Wer seine Produkte nur offline anbot, kam in den vergangenen Wochen schnell an seine Grenzen beziehungsweise an den Rande der Existenznot. Nun widmet sich eine Untersuchung der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) dem Digitalisierungsgrad des Mittelstandes. Rund 750 mittelständische Unternehmen haben sich an der Onlinebefragung beteiligt. Im Zentrum: Fragen zur Ausprägungen von Geschäftsmodellen beziehungsweise der digitalen Erweiterung der Geschäftsmodelle. Das Ergebnis der Befragung zeigt, dass hier immer noch das physische Produkt im Mittelpunkt des Geschäftsmodells steht. Der Digitalisierungsgrad der befragten Unternehmen wurde für verschiedene Bereiche wie „Produkte“, „IT-Services“, „Vertrieb“ oder „Monetarisierung“ und mit einem durchschnittlichen Wert von 2,28 von maximal möglichen 4,0 wird deutlich: Noch ist das Optimum lange nicht erreicht.
industry-of-things.de

Tipps für Technikeinsatz im Unternehmen: Technikeinsatz muss heute zielführend, effizient und auch benutzerfreundlich sein. Gerade in den vergangenen Wochen der Corona-Pandemie hat sich gezeigt, dass sich Aufbau einer internen Serverstruktur mit individuellen Zugängen für die Mitarbeiter bewährt hat. So steht dem Home Office nicht im Wege. Selbstverständlich gilt es, entsprechende Sicherheitslösungen für diese Server zu nutzen, um sensible und interne Daten zu schützen. Ebensowichtig hierfür ist die regelmäßige Aktualisierung der jeweiligen Betriebssoftware, um gegen Cyber-Angriffe gewappnet zu sein.
mittelstand-nachrichten.de

AUS GESPROCHEN

Die Politik kann nicht jeder Branche einen Sonderwunsch erfüllen – das bekommt man seriös nicht hin.
Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer in Bezug auf Konjunkturpakete für die Autobranche
rnd.de

AUS DER REIHE

2.0000 leere Stühle: Um gegen den geplanten Stellenabbau beim Hamburger Airbus-Werk zu protestieren, haben Gewerkschaftsvertreter im Rahmen des europaweiten Aktionstages gegen den Stellenabbau beim Flugzeugbauer Airbus 2.000 leere Stühle vor dem Eingang des Werks in Finkenwerder gestellt. Der Bezirksleiter der IG Stall Küste, Daniel Friedrich nannte den geplanten Stellenabbau „überzogen“ und ein Risiko für die Zukunft des Unternehmens.
welt.de