KW 26: Wirecards Ex-Chef Markus Braun kommt gegen Kaution frei, Ausbildungsprämie für KMUs, Sunexpress wird eingestellt

AUS POLITIK UND WIRTSCHAFT

Wirecards Ex-Chef Markus Braun kommt gegen Kaution frei: Im Fall Wirecard überschlagen sich die Ereignisse: das Unternehmen, dem Bilanzfälschung vorgeworfen wird, gab an, dass sich 1,9 Milliarden Euro bei zwei philippinischen Banken befinden sollen. Die philippinische Zentralbank verkündete allerdings, dass Wirecard kein Kunde bei den angegeben Banken sei. Die Unterschriften auf den Dokumenten, die eine Geschäftsverbindung bestätigen sollten, seien gefälscht. Daraufhin wurde Markus Braun, der kurzfristig als Wirecard-Chef zurücktrat, in Untersuchungshaft genommen. Die Behörden befürchteten, dass der Österreicher sich in sein Heimatland absetzen könnte und somit die Ermittlungen behindern würde. Braun kam am Dienstag gegen Kaution frei, muss sich jedoch wöchentlich in München melden.
sueddeutsche.de, welt.de

Ausbildungsprämie für KMUs: Die Bundesregierung will kleinen und mittleren Unternehmen eine Prämie von bis zu 3000 Euro für jeden abgeschlossenere Ausbildungsvertrag zahlen. Kleine und mittlere Unternehmen bis 249 Mitarbeitern, die von der Coronakrise stark betroffen sind, können die Prämie anfordern. Die Unternehmen, die nachweisen können im ersten Halbjahr des Jahres in mindestens einem Monat Kurzarbeit eingeführt zu haben oder deren Umsätze im April oder Mai um mindestens 60 Prozent eingebrochen sind, fallen in diese Kategorie. Für Unternehmen, die das durchschnittliche Ausbildungsniveau der vergangenen drei Jahre halten, gibt es 2000 Euro pro Azubi, für Unternehmen, die die Quote erhöhen, können 3000 Euro beantragt werden. Damit will die Bundesregierung einen Mangel an Ausbildungsplätzen verhindern.
spiegel.de

Sunexpress wird eingestellt: Die deutsch-türkische Fluggesellschaft SunExpress stellt ab dem 26. Juni den Flugbetrieb ein. Die Flüge werden von der Lufthansa, Eurowings sowie der Türkisch Airlines ausgeführt. 1200 Arbeitsplätze fallen in Deutschland weg. Wegen der Coronakrise waren die 20 Flugzeuge fast durchgängig am Boden. Nun entschied die Muttergesellschaft Lufthansa das Ende des Ferienfliegers. Man bemühe sich Lösungen für die Arbeitnehmer zu finden, heißt es seitens des Konzerns. Dafür werden Gespräche mit den Sozialpartnern geführt.
airliners.de, spiegel.de

Zwei Drittel der Karstadt-Sport-Geschäfte werden schließen: Die angeschlagene Kaufhaus-Kette Galeria Karstadt Kaufhof wird nicht nur mehrere Dutzend der eigenen Häuser schließen, sondern 20 der 30 Geschäfte der Tochter Karstadt Sport. In Köln, München, Hamburg, Dortmund, Essen und Düsseldorf werden die Filialen geschlossen. 700 Arbeitsplätze sind von der Schließung betroffen. Regionalpolitiker bitten indes um Unterstützung – sie sehen die Gefahr, dass Innenstädte veröden. Die Gewerkschaft Ver.di verweist auf die Beschäftigungsgarantie, die den Arbeitnehmern bei der Fusion von Galeria Kaufhof und Karstadt gegeben wurde. Sie wolle um die Arbeitsplätze kämpfen.
tagesschau.de, spiegel.de

VW Nutzfahrzeuge baut 5000 Stellen ab: Bis 2029 sollen 5000 Arbeitsplätze bei Volkswagen Nutzfahrzeuge abgebaut werden. Günstigere Modelle für Gewerbekunden sollen in Polen produziert werden. Betriebsbedingte Kündigungen sollen nicht stattfinden, der Personalstamm würde durch die natürliche Fluktuation abgebaut werden. Gegenwärtig arbeiten 15.000 Personen am niedersächsischen Standort Hannover. Thomas Sedran, Chef von Volkswagen Nutzfahrzeuge, erklärte, es sei nicht mehr möglich, in Deutschland Fahrzeuge für 20.000 Euro zu bauen, ohne draufzulegen. In Deutschland sollen künftig Premiumvans und der elektrische ID Buzz produziert werden.
faz.net, handelsblatt.com

Kurzmeldungen

Lufthansa-Großaktionär Thiele stimmt für die Rettung faz.net
Tengelmann wächst kräftig – dank Obi spiegel.de
Glyphosat-Einigung kostet Bayer Milliarden Euro n-tv.de
Ein verführerischer Deal für die Telekom manager-magazin.de

RAT UND TAT

Steuervorteile finden bei geringer Nutzung des Firmenwagens: Steuerberater Rainer Lüschen empfiehlt Menschen, die wegen der Coronakrise weniger mit dem Firmenwagen fahren von der 0,03-Prozent-Regel zur 0,002-Prozent-Regel zu wechseln. Voraussetzung ist, dass ein Fahrzeug formal als Firmenwagen anerkannt ist. Dies ist der Fall, sobald das Fahrzeug über die Gehaltsabrechnung versteuert wird. Der Steuerberater erklärt dazu: „Mit einem Lohnsteuerermäßigungsantrag, den man schon Anfang des Jahres beim Finanzamt stellt, mindert die Entfernungspauschale die Steuerbelastung schon während des Jahres. Bei weniger als 180 Fahrten pro Jahr oder monatlich unter 15 Fahrten kann sich der Wechsel von der 0,03-Prozent-Methode zur 0,002-Prozent-Methode lohnen.“
marktundmittelstand.de

Was Unternehmen in der Krise tun können: Für Unternehmen, die in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten sind, bieten sich in der Regel drei Optionen an: Die Konsolidierung – einem Zusammenschluss mit einem anderen Unternehmen -, der (Not-)Verkauf sowie die Beteiligung. In letzterem Modell kein ein Investor frisches Geld in das Unternehmen bringen. Die Schritte müssen gut geplant sein, um weitere finanzielle Probleme zu verhindert und Arbeitsplätze zu sichern. Auch in der Frage einer potenziellen Unternehmensnachfolge lohnt es sich Zeit und Ressourcen zu investieren, um zum bestmöglichen Ergebnis zu kommen.
innovationen.handelsblatt.com

Expertentipp zu Zukäufen in der Krise: Fusionen und Zukäufe sind durch die Coronakrise vielerorts vorerst auf Eis gelegt. Dabei kann es Situationen geben, in denen sich M&A-Aktivitäten lohnen. Der Experte Michael Euchner, Partner bei der Unternehmensberatung Ebner Stolz, empfiehlt im Magazin „Markt und Mittelstand“ folgende Überlegung: „Zukäufe sind dann sinnvoll, wenn das Unternehmen dadurch entweder seine bisherigen Geschäftsfelder stärkt oder sich neue Bereiche erschließt, die das Geschäftsmodell sinnvoll ergänzen. Ein Beispiel für Ersteres ist etwa, wenn es einem Unternehmen durch den Zukauf gelingt, sich den Zugang zu neuen Kunden oder Märkten zu erschließen. Ein kunststoffverarbeitendes Unternehmen, das eine Lackiererei kauft und dadurch seine Waren selber lackieren kann, ist ein Beispiel für eine möglicherweise sinnvolle Erweiterung des Geschäftsmodells durch eine Übernahme.“
marktundmittelstand.de

AUS GESPROCHEN

Die Metall- und Elektroindustrie sowie der Stahl befinden sich noch im Abwärtsstrudel.

IG-Metall-Chef Jörg Hofmann befürchtet, dass bis zu 150.000 Arbeitsplätze durch die Coronakrise wegfallen könnten.
automobilwoche.de

AUS DER REIHE

EU erreicht eigene Klimaschutzziele nicht: Obwohl die EU-Kommission sich mit einem Green Deal den Klimaschutz auf die Kappe geschrieben hat, ist die bisherige Bilanz in puncto Klimaschutz ernüchternd. In den vergangenen fünf Jahren sei der CO2-Ausstoß zwar gesunken, die EU würde laut Eurostat allerdings ihre eigenen Klimaschutzziele nicht erreichen.
spiegel.de