KW 24: Wirtschaft kritisiert geplantes Gesetz des Justizministeriums, Frauenanteil in Familienfirmen gering, Produktfälschungen in der Krise stark angestiegen

 

 

AUS POLITIK UND WIRTSCHAFT

Wirtschaft kritisiert geplantes Gesetz des Justizministeriums: Die deutsche Wirtschaft, darunter der Arbeitgeberverband BDA, der Handelsverband HDE, der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und der Verband „Die Familienunternehmer“, übt harsche Kritik an den vom Justizministerium geplanten höheren Strafen für kriminelle Unternehmen. In einem gemeinsamen Schreiben wird eine „unangemessene Belastung“ der Unternehmen in der Corona-Krise bemängelt. Der Gesetzesentwurf sieht für Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 100 Millionen Euro Strafen von bis zu zehn Prozent des jährlichen Umsatzes für Betrug, Korruption oder Umweltdelikte vor. Bislang lagen die Strafen bei maximal zehn Millionen Euro. Die Verbände kritisieren „grundlegende Mängel“ des Gesetzentwurfes. So sei beispielsweise nicht klar, welche „angemessenen Compliance-Maßnahmen“ verlangt würden, um Sanktionen zu verhindern. „Der Entwurf darf so nicht zum Gesetz werden“, forderte Reinhold von Eben-Worlée, der Präsident des Verbands Die Familienunternehmer.
handelsblatt.com

Handel befürchtet Millionenkosten durch Mehrwertsteuer-Umstellung: Ab dem 1. Juli wird die Mehrwertsteuer um drei Prozent für sechs Monate gesenkt. Dies soll die Nachfrage der Verbraucher ankurbeln. Die Branche sieht jedoch zunächst Kosten in zweistelliger Millionenhöhe auf sich zukommen. Der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland, Stefan Genth, merkte an, dass die Umstellung der Schilder und Kassensysteme Kosten generieren wird, auf denen der Einzelhandel im Zweifel sitzenbleiben könnte. Rechtlich wäre es zwar möglich, dass die Beschilderung und Etikettierung die bisherigen Preise anzeigt und erst an der Kasse der neue Preis angezeigt wird, allerdings müsste die Branche erst testen, ob es für dieses Modell eine Akzeptanz in der Bevölkerung gäbe. Indes haben die großen Supermarktketten verkündet, die Mehrwertsteuersenkung an die Kunden weitergeben zu wollen, allerdings gäbe es noch Ungewissheit darüber, wie die konkrete Umsetzung innerhalb von drei Wochen ablaufen solle. Experten befürchten, dass vielerorts die Kunden nicht von der Senkung profitieren würden.
spiegel.de, manager-magazin.de

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Präzision aus Tradition: Das Uhrenwerk Weimar stellt seit 1950 Präzisionstechnik und Feinmechanik für Zeitmesser her. 2017 feierte die Thüringer Traditionsmarke Wiedergeburt. Mit den Armbanduhr-Modellen „Henry van de Velde“, „Luftbrücke Berlin“ und „Royal Union“ wurde ein neues Kapitel aufgeschlagen. Erleben Sie 2020 mit der ersten Automatikuhr „Palaemon“, was an Design und Technik aus Weimar möglich ist. Mehr Infos zum Uhrenwerk Weimar und seinen Modellen findet man unter www.uhrenwerk-weimar.de oder per Mail unter palaemon@weimar.watch

Frauenanteil in Familienfirmen gering: Eine Studie der Allbright-Stiftung belegt, dass die großen deutschen Familienfirmen im Gegensatz zu den Dax-Konzernen weniger Chancen für Frauen bieten. „Bei der Karriere von Frauen haben sie einen blinden Fleck“, sagt Wiebke Ankersen, Mitgeschäftsführerin der Allbright-Stiftung. Der Frauenanteil in den Geschäftsführungen der 100 größten Familienunternehmen liegt demnach bei nur sieben Prozent. Der Anteil bei den Dax-Unternehmen liegt im Vergleich dazu bei 15 Prozent. Ankersen betont, dass Unternehmen von Frauen in Führungspositionen profitieren würden: „Die Performance steigt zweistellig und die Innovationskraft nimmt um zehn Prozent zu, wenn ein signifikanter Anteil des Managements weiblich ist“. Grund für den geringen Anteil könnte unter anderem die vergleichsweise starre Struktur vieler familiengeführter Unternehmen sein.
handelsblatt.com

Messewirtschaft fordert Öffnungen bis September: Maurits von der Sluis, der Präsident der Vereinigung führender europäischer Messeplätze EMECA, fordert einen baldigen Fahrplan für die Öffnung der Messeplätze in Europa: „Wir waren die Ersten, die zur Schließung gezwungen wurden, und sind vielleicht die letzte Branche, die wieder öffnen darf“. In den ersten beiden Quartalen des Jahres betrage der entstandene Schaden für die europäische Wirtschaft bis zu 125 Milliarden Euro. Spätestens bis zum 1. September sollten die europäischen Messeplätze wieder öffnen dürfen, wünscht sich die Brance. Herbert Marner, Finanzvorstand der Koelnmesse, betonte, dass sich Hygienevorschriften bei Messen deutlich leichter einhalten ließen, als bei Fußballspielen oder anderen Großveranstaltungen.
manager-magazin.de

Maut-Index im Plus: Der erste deutsche Konjunkturindikator, der Lkw-Maut-Fahrleistungsindex, steigt seit Beginn der Corona-Krise wieder an. Er liegt im Juni bei einem Plus von 6,1 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Der Index zeigt, welche Strecken von Lkw in Deutschland zurückgelegt werden. Anders als andere Indikatoren steht dieser Index weitaus früher, nämlich bereits neun Tage nach einem abgelaufenen Monat, zur Verfügung. Besonders in der Zeit der Corona-Pandemie kann der Index damit wichtige Hinweise auf die Entwicklung der Gesamtkonjunktur liefern. Tatsächlich stimmt der Maut-Index einer Studie zufolge oft mit anderen Indizes wie dem Produktionsindex oder dem BIP überein.
wiwo.de

Kurzmeldungen
Diversifizierung: „In der Corona-Krise hilft uns unsere Internationalisierung“marktundmittelstand.de
Brasilianische KMU fallen in der Corona-Krise zwischen Stuhl und Bank nzz.ch
Superheldin im Wartestand – wie die Jobbörse für Mütter wieder durchstarten will handelsblatt.com
Mit Zeitarbeit personelle Engpässe überwinden mittelstand-nachrichten.de

RAT UND TAT

Viessmann will mit „Maschinenraum“ Digitalisierung vorantreiben: Vielen mittelständischen Unternehmen fehlen die Kapazitäten aber auch die Motivation, um die Digitalisierung voranzutreiben. Der Heizungsbauer Viessmann hat deshalb in Kooperation mit anderen KMU die Initiative „Maschinenraum“ gegründet. „In jedem Unternehmen schlummern Ideen und Kreativität. Das wird aber oftmals erst im Gespräch mit anderen deutlich“, sagt Max Viessmann, der Co-Chef des Unternehmens. Derzeit befinden sich 14 Unternehmen in der Initiative, darunter der Baustoffhersteller Knauf und der Logistikdienstleister Fiege. Maschinenraum-Geschäftsführer Tobias Rappers sagt: „Die Vision ist der Aufbau eines geteilten innovativen Ökosystems“. Dank der Initiative könnten Unternehmen „Erfahrungen und Herangehensweisen“ austauschen. Da sich die Themen und Probleme der Unternehmen oft ähneln würden, könnten die KMU Risiken bei Digitalisierungsprojekten durch Kooperation minimieren.
welt.de

Krise als Chance für Erneuerungen: Viele deutsche Unternehmen haben die Krise einigermaßen unbeschadet überstanden. Einige Firmen zählen laut einer Studie der Boston Consulting Group (BCG) sogar zu Gewinnern der Krise, darunter besonders solche aus der Biopharma-Industrie und der Medizintechnik sowie Hersteller von Konsumgütern. Die Studie verglich die Auswirkungen der aktuellen Krise mit denen der Finanzkrise von 2009. Die Boston Consulting Group zeigt so auf, welche Schritte Unternehmen treffen müssen, um gestärkt aus der Krise zu gehen. Besonders wichtig seien Sofortmaßnahmen wie Liquiditätssicherung und Kostensenkung. „Die Firmen in Asien haben schon wieder voll auf Angriff geschaltet, teilweise unterstützt von der Politik“, sagt auch Cornelius Bauer, Deutschlandchef von McKinsey. Nun komme es darauf an, die Lücken auf den Märkten in Europa wieder zu schließen. Die Krise könnte dann als Möglichkeit der Verbesserung genutzt werden. „Ich bin überzeugt, dass die Unternehmen ihr Geschäftsmodell viel klarer und fokussierter fassen werden. Das wird zu einer Welle von Teilverkäufen und Übernahmen führen“, so Bauer weiter.
handelsblatt.com

Worauf es bei der Digitalisierung im Mittelstand ankommt: Die Studie „Digitale Vorreiter im Mittelstand – die Quellen der Digitalen Dividende“ des Berater-Netzwerks Mind Digital, der Rheinischen Fachhochschule Köln und der Digitalberatung Convidera hat untersucht, was ein digital erfolgreiches Mittelstandsunternehmen ausmacht. Die sogenannten „digitalen Vorreiter“ würden dabei insbesondere auf externe Digitalisierungsteams setzen, die dabei helfen, das Kerngeschäft und digitale Innovationen zusammenzuführen. Laut der Studie könnten hochinnovative Unternehmen auch einen deutlichen wirtschaftlichen Erfolg aufweisen. Am wichtigsten für die mittelständischen Unternehmen sind laut Studie derzeit digitale Marktplätze, Kunden- und Buchungsportale, sowie die Optimierung von Prozessen.
inar.de

Produktfälschungen in der Krise stark angestiegen: Das Start-up Sentryc hat sich darauf spezialisiert, Produktplagiate im Internet zu identifizieren. Laut Gründerin Nicole Hofmann sei die Zahl von Plagiaten im Zuge der Corona-Krise stark angestiegen. Betroffen sind davon nicht nur bekannte Modemarken oder Uhrenhersteller. „In Deutschland sind gerade auch viele Maschinenbauer mit ihren teils hochspezialisierten Teilen betroffen“, so Hofmann. Wie stark der Schaden durch Produktplagiate ist, zeigt auch eine Studie des Verbands der deutschen Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA). Demnach beträgt der jährliche Schaden durch Produktpiraterie in Deutschland derzeit 7,6 Milliarden Euro. Eine Erhebung von Sentryc unter den 30 wirtschaftsstärksten Unternehmen sieht den Garten- und Motorgerätehersteller Stihl als am stärksten von potenziellen Fälschungen betroffenes Unternehmen. Andere stark betroffene Unternehmen auf der Liste sind Osram, Siemens und Miele.
wiwo.de

AUS GESPROCHEN

Wir müssen Bürokratie abbauen und überflüssigen Ballast abwerfen, damit die Unternehmen mehr Spielräume haben

Thomas Bareiß, der Mittelstandsbeauftragte der Bundesregierung, glaubt, dass mittelständische Unternehmen von der Corona-Krise durch einen Innovationsschub profitieren könnten.
zeit.de

AUS DER REIHE

Erste Bar-Betreiber fordern erneute Schließungen: Die Lockerungen der Corona-Ausgangsbeschränkungen sollen Gastronomen helfen, nicht in die Insolvenz zu rutschen. Allerdings begegnen sie einer Reihe von Problemen – häufig fehlt es in den Räumen an Platz, um die Distanzregelungen einzuhalten, Kunden verhalten sich zudem zögerlich und kaufen Getränke bei Kiosks für den Außenkonsum. Erste Bar-Betreiber fordern daher wieder neue Schließungen, um den Wettbewerbsdruck zu verringern.
spiegel.de