KW 22: Altmaier plant neues Mittelstands-Paket, Lufthansa lehnt erstes Rettungspaket ab, Union fordert vorzeitiges Ende des Solis

Liebe Mittelständler,

300 Reisebusse waren am Mittwoch vormittag in Berlin unterwegs laut um Hilfe hupend. Die Busunternehmer fühlen sich im Stich gelassen; wollen staatliche Zuschüsse und eine bundesweit einheitliche Freigabe des Reisebusverkehrs. Mich nerven eigentlich Demonstrationen im Regierungsviertel; vor Corona habe ich zu viele unzufriedene Demonstrationen gesehen, bei die von mehr Polizisten eskortiert wurden als der Zug Teilnehmer hatte. Ich spreche den Leuten weder ihr Anliegen ab – sicher haben sie gute Gründe und erst Recht finde ich das Demonstrationsrecht wichtig. Es ist wie Spargel, irgendwann hängt er einem zum Halse raus, auch wenn es an sich ein köstliches Gemüse ist. Heute demonstrieren in Berlin – abgesehen von den alubehüteten – vor allem Branchen, die durch die Epidemie drohen in Schieflage zu geraten. Und die heute angehupte Politik soll entscheiden, wem geholfen wird und wem nicht.

Ihr Egon Huschitt

AUS POLITIK UND WIRTSCHAFT

Altmaier plant neues Mittelstands-Paket: Wirtschaftsminister Peter Altmaier hat ein neues Unterstützungspaket angekündigt, das auf den Mittelstand abzielen soll. Für Unternehmen, die in wirtschaftliche Not geraten sind, sollen neue Überbrückungskredite mit einem Volumen von 25 Milliarden Euro den nötigen Puffer geben – 50.000 Euro können zwischen Juni und Dezember ausgezahlt werden. Über das Paket berät Scholz gegenwärtig mit seinem Kollegen aus dem Finanzministerium, Olaf Scholz. Das Wirtschaftsministerium beobachtet, dass trotz der Lockerungen der Kontaktbeschränkungen der vergangenen Wochen für viele Betriebe keine Normalität einkehrt und der Betrieb eingeschränkt abläuft. Um die Existenzen zu retten, wolle man schnell handeln, erklärte eine Sprecherin: „Deshalb sind diese Vorschläge zeitkritisch, und wir arbeiten mit Hochdruck an einer Finalisierung der Abstimmungen zwischen den Ressorts“, so die Sprecherin. Um die Hilfen zu erhalten, müssen die Unternehmen nachweisen, dass sie zwischen April und Mai einen Umsatzverlust von mindestens 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erlitten.
handelsblatt.com

Lufthansa lehnt erstes Rettungspaket ab: Der Aufsichtsrat der Lufthansa hat das neun Milliarden Euro schwere Rettungspaket vorerst abgelehnt. Das Gremium urteilte, dass die Konditionen des Stabilisierungspakets eine Schwächung der Drehkreuze in München und Frankfurt bedeuten würden, welche langfristig mit massiven wirtschaftlichen Einbußen verbunden wären. Die Lufthansa hatte erst am Montag nach wochenlangen Verhandlungen mit dem Bund einen Entwurf für das Unterstützungspaket entwickelt. In den vorangegangen Wochen war man sich über die Richtung und die Bedingungen nicht einig. Dabei sollte der Staat zu 20 Prozent in den Konzern einsteigen. Erwartet wurden zudem strenge Auflagen und Prüfungen von der Europäischen Kommission. Konkurrent Ryanair griff Lufthansa für den Willen Staatshilfen in Anspruch zu nehmen scharf an – das Vorgehen sei nach Auffassung des Ryanair-Chefs Michael O’Leary illegal.
faz.net

Union fordert vorzeitiges Ende des Solis: Die Arbeitsgemeinschaft Wirtschaft der Unions-Fraktion im Bundestag spricht sich wegen der Belastungen durch die Corona-bedingte Rezession für die vorzeitige Abschaffung des Solidaritätszuschlags aus. Anstatt bis 2021 zu warten, solle die Abgabe bereits zum 1. Juli wegfallen. Die SPD hatte dies bereits im Januar gefordert. Von den Forderungen der SPD unterscheidet sich der Plan der Union jedoch darin, dass dieser die vollständige Abschaffung des Solidaritätszuschlags vorsieht. Die Sozialdemokraten hingegen möchten den Soli für die oberen 10 Prozent der Einkommenspyramide beibehalten. Für die Union sei es allerdings wichtiger die gesamte Wirtschaft angesichts der hohen wirtschaftlichen Belastungen zu stärken. Der Wirtschaftsweise Lars Feld kalkulierte, dass in der Bevölkerung 20 Milliarden Euro mehr verfügbar wäre, wenn der Soli abgeschafft würde.
zeit.de

Spaltungsbericht von Siemens Energy und der Siemens AG zeigt Richtung an: Die Siemens AG möchte ihre neue Energiespalte Siemens Energy im Herbst zwar mit roten Zahlen, aber ohne Schulden an die Aktionäre übergeben. Dafür werden 2,1 Milliarden Euro in das neue Unternehmen, das im September an die Börse gehen soll, zugeschossen. Aus dem Spaltungsbericht zwischen beiden Unternehmen geht hervor, dass Siemens Energy im ersten Halbjahr 2020 deutliche Verluste verbüßt hat. Darüber hinaus soll die Siemens AG zunächst 35 Prozent am Energieunternehmen halten – dieses Engagement soll sich jedoch im Zeitraum von 12 bis 18 Monaten deutlich reduzieren. Der scheidende Siemens-Chef Joe Kaeser soll in den Aufsichtsrat von Siemens Energy wechseln. Er sieht die Spaltung als notwendig an, um im internationalen Wettbewerb mithalten zu können. Im 20-köpfigen Aufsichtsrat sollen neben drei Siemens-Köpfen auch der frühere SPD-Politiker Sigmar Gabriel und die VDA-Geschäftsführerin, Hildegard Müller, sitzen.
manager-magazin.de, handelsblatt.com

Volkswagen muss Schadensersatz zahlen: Der niedersächsische Autobauer Volkswagen wurde vom Bundesgerichtshof in Karlsruhe zur Zahlung von Schadensersatz wegen des Dieselskandals Verurteilte. Aus Karlsruhe kamen trotz der tausenden Vergleiche, die Volkswagen mit Kunden einging, scharfe Töne: das Verhalten des Konzerns sei sittenwidrig. Zudem handle es sich um Betrug bei der Verletzung der Mindestanforderungen im Rechts- und Geschäftsverkehr.  Der Vorstand habe wissentlich und in vollem Bewusstsein während des Dieselskandals gehandelt. Das BGH-Urteil wird als wegweisend bewertet. Gegenwärtig laufen noch 60.000 Prozesse mit Volkswagen-Kunden, die sich hintergangen fühlen.
sueddeutsche.de

Kurzmeldungen

Baumärkte bleiben trotzt guter Zahlen vorsichtig tagesspiegel.de
Touristikbranche demonstriert in Berlin tagesspiegel.de
Trump droht damit, soziale Medien wie Twitter zu schließen faz.net
Frankreich verliert ein Fünftel seiner Wirtschaftskraft faz.net
Volkswagen plant Milliardenzukäufe in China n-tv.de
So wollen sich Renault und Nissan neu aufstellen handelsblatt.com

RAT UND TAT

Wie die Businesstransformation gelingen kann: Unternehmen müssen sich ständigem Wandel aussetzen und sind dabei selbst in Verantwortung mit diesem Wandel Schritt zu halten. Ken Stillwell, CFO sowie Chief Administrative Officer and SVP bei Pegasystems, begleitet Unternehmen beim Wandel und sieht fünf Schritte als unabdingbar: 1. die Situationsanalyse, 2. die Gewährleistung von Agilität, 3. die Sicherstellung des Engagements der Mitarbeiter, damit sie sich mitgenommen fühlen, 4. der Wechsel zwischen Aktivität und Pause und 5. das Zulassen von Fehlern. Wesentlich ist es dabei flexibel zu bleiben und den Prozess dynamisch zu betrachten – die Ergebnisse sind in der Regel anders als erwartet.
datacenter-insider.de

Ängste von Mitarbeitern ernst nehmen: In Unternehmen gibt es häufig Konflikte zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern – unausgesprochene Ängste oder Druck stecken oft dahinter. Um das Betriebsklima nicht zu gefährden und ein produktives Arbeiten zu ermöglichen, sollten die Ängste angesprochen und wenn möglich beseitigt werden. Der Experte Joachim Simon rät davon ab, die Emotionen der Mitarbeiter mit Killerphrasen wie „Regen Sie sich nicht so auf“ Kleinzureden. Im Vordergrund sollt das Ermitteln der tatsächlichen Beweggründe für die angespannte Lage sein. Chefs müssen dabei auch die Reflexion zulassen – ihr erster Eindruck kann sich manchmal als falsch entpuppen.
impulse.de

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Präzision aus Tradition: Das Uhrenwerk Weimar stellt seit 1950 Präzisionstechnik und Feinmechanik für Zeitmesser her. 2017 feierte die Thüringer Traditionsmarke Wiedergeburt. Mit den Armbanduhr-Modellen „Henry van de Velde“, „Luftbrücke Berlin“ und „Royal Union“ wurde ein neues Kapitel aufgeschlagen. Erleben Sie 2020 mit der ersten Automatikuhr „Palaemon“, was an Design und Technik aus Weimar möglich ist. Mehr Infos zum Uhrenwerk Weimar und seinen Modellen findet man unter www.uhrenwerk-weimar.de oder per Mail unter palaemon@weimar.watch

Keine Angst vor Social Media: Kommunikationsexperte Elmar Giglinger kritisiert, dass zu viele deutsche Unternehmen noch große Berührungsängste mit sozialen Medien, dem Kontakt mit Influencern und dem Aufbau eines digitalen Netzwerks haben. Er bemängelt, dass es keine positive Fehlerkultur gäbe, in der man „einfach machen“ könne – Unternehmen verschenken dabei großes Potenzial. Es heißt nicht, dass sie auf alles Plattformen präsent sein müssen, allerdings eine kluge Strategie für die Stärkung ihrer Marke austesten sollten.
b4bschwaben.de

Krisenbewältigung bedarf Reflexion: Der 5-Sterne-Redner Boris Thomas hat eine klare Philosophie für das Scheitern und die Krisenbewältigung. Er ermuntert Menschen oder Unternehmen in Krisen dazu, das tatsächliche Problem anzuerkennen – es sei wesentlich, dass Reflexion vor der Handlung komme. In der Bewältigungsphase sollte man sich zudem auf seine Wurzeln berufen und auf das besinnen, was einst der Antrieb war. Nicht zuletzt rät der Redner davon ab, in Krisen zu verschwinden – Präsenz ist auch in schwierigen Zeiten unheimlich wichtig. In Krisenzeiten fühlt es sich zwar leichter an, den Kopf in den Sand zu stecken, aber die Offenheit für Lösungen sollte bewahrt werden.
b4bschwaben.de

AUS GESPROCHEN

Ich gehe aber davon aus, dass sich der Arbeitsmarkt mittelfristig wieder erholt und wir auch einen ähnlichen Beschäftigungsstand erreichen wie vor der Krise.

Der Präsident der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, ist vorsichtig optimistisch bezüglich der Arbeitsmarktprognosen.
tagesspiegel.de

AUS DER REIHE

Panne bei Eurowings: Eurowings wollte den Flugbetrieb wiederaufnehmen und Reisende zu ihren Feriendestinationen bringen. Beim Anflug auf den Lufthafen Sardinien musste eine Maschine jedoch zurückkehren – der Grund: der Flughafen war für internationale Flüge noch gar nicht offen. Der Ärger hielt sich jedoch in Grenzen, da nur zwei Fluggäste an Bord saßen.
spiegel.de