KW 02: China macht Druck auf deutsche Unternehmen, Handelsüberschuss durch Unternehmenssteuerbetrug?, IT-Sicherheit in der Wirtschaft erhöhen

Liebe Mittelständler,

Die Bürokratie treibt seit dem 1.1.2020 seltsame Blüten: diesmal in Form von Bons, die nach einem Beschluss der schwarz-roten Bundesregierung (früher „GroKo“ genannt) nach jedem Bezahlvorgang an den Kassen von Bäckereien, Spätis, Kiosken, Kantinen, Büdchen und ähnlichen Einrichtungen ausgehändigt werden müssen. Angela Merkel und Olaf Scholz haben diese Papierschnipsel als „alternativlos“ bezeichnet, um Steuerbetrug vorzubeugen, der in Deutschland nicht etwa von internationalen Konzernen, sondern natürlich maßgeblich von Imbissbetreibern betrieben wird. Der Generalverdacht richtet sich also gegen uns alle. Interessanterweise ruft dies eine völlig neue Form des zivilen Ungehorsams hervor. Kassierer halten Boxen bereit, in die die Kunden den Bon gleich nach Erhalt verärgert entsorgen können. Sie überbieten sich mit Vorschlägen, wohin man die gesammelten Papierschnitzel schicken könne: an die SPD-Parteizentrale, das Bundesfinanzministerium oder einzelne Finanzämter. Dorthin kann man auch Anträge auf Ausnahmeregelungen senden, zum Beispiel gebündelt über die E-Mail-Adresse keine@bonpflicht.net. In jedem Falle lässt sich auch Lieschen Müller nicht mehr alles gefallen, was sich die Regierenden so an Schikanen einfallen lassen. Und das macht ja wieder Hoffnung.

Ihr Thomas Philipp Reiter

AUS POLITIK UND WIRTSCHAFT

China macht Druck auf deutsche Unternehmen: In der Debatte um die Einbeziehung Huaweis in die 5G-Technologie in Deutschland macht China Druck. Der für Wirtschaft zuständige Diplomat in der chinesischen Botschaft in Berlin, Wang Weidong, warnte in einem Interview mit der „Global Times“ vor negativen Konsequenzen für deutsche Unternehmen in China. Sollte der Deutsche Bundestag Gesetze erlassen, die den chinesischen Netzwerkausrüster Huawei vom Aufbau des neuen 5G-Netzes ausschließen, dann werde Chinas Führung nicht untätig bleiben. Konkret wurde Weidong nicht. Er sprach lediglich von einem schlechten Vorzeichen für die deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen. Auch für die bilateralen Beziehungen zwischen beiden Staaten bedeute ein Ausschluss Huaweis ein Rückschritt, sagte der chinesische Diplomat in dem Interview.
tagesschau.de

Handelsüberschuss durch Unternehmenssteuerbetrug?: Die Streitigkeiten um Zölle zwischen den USA und der EU entsponnen sich an europäischen Handelsbilanzüberschüssen. Nun haben Forscher des Instituts für Weltwirtschaft (IfW Kiel) und des Ifo-Instituts in München der EU einen Handelsüberschuss mit sich selbst nachgewiesen. Und zwar in der beträchtlichen Höhe von 307 Milliarden Euro. Die Forscher vermuten dahinter einen Umsatzsteuerbetrug. Umsätze, die als Exporte ausgewiesen sind, sind von der Umsatzsteuer befreit. Werden diese Umsätze aber gar nicht im Ausland erzielt, sondern im Inland, fehlen sie in der Importstatistik des angeblichen Handelspartners und bleiben damit unversteuert. Nach Schätzung der Autoren sind dem europäischen Fiskus so allein im Jahr 2018 rund 30 Milliarden Euro verloren gegangen. Sie empfehlen einen digitalen, automatisierten Datenabgleich von Importen und Exporten innerhalb der EU, um Bilanzfehler künftig zu verringern und Betrug zu erschweren. Auch die Bilanzqualität der einzelnen Staaten müsse verbessert werden. Die zuverlässigsten Daten liefern den Forschern zufolge die Niederlande, Deutschland liegt im vorderen Mittelfeld. Zypern, Irland, Luxemburg und Schweden weisen die größten Abweichungen auf.
spiegel.de

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Präzision aus Tradition: Das Uhrenwerk Weimar stellt seit 1950 Präzisionstechnik und Feinmechanik für Zeitmesser her. 2017 feierte die Thüringer Traditionsmarke Wiedergeburt. Mit den Armbanduhr-Modellen „Henry van de Velde“, „Luftbrücke Berlin“ und „Royal Union“ wurde ein neues Kapitel aufgeschlagen. Erleben Sie 2020 mit der ersten Automatikuhr „Palaemon“, was an Design und Technik aus Weimar möglich ist. Mehr Infos zum Uhrenwerk Weimar und seinen Modellen findet man unter www.uhrenwerk-weimar.de oder per Mail unter palaemon@weimar.watch

IT-Sicherheit in der Wirtschaft erhöhen: Zu Beginn des Jahres startet die Transferstelle der Initiative „IT-Sicherheit in der Wirtschaft“, die insbesondere KMU bei der Umsetzung von IT-Sicherheitsmaßnahmen unterstützen soll. „Der Mittelstand ist ein Garant für Wachstum, Innovation und Beschäftigung in Deutschland. Gerade kleine und mittelständische Unternehmen sind aber immer häufiger Opfer von Cyberangriffen“, erklärte Wirtschaftsminister Peter Altmaier. Mit der Einrichtung der Transferstelle versucht das Bundeswirtschaftsministerium Unternehmen im Kampf gegen Cyberkriminalität besser zu unterstützen und setzt so eine weitere Maßnahme im Rahmen der Mittelstandsstrategie um.
mittelstandinbayern.de

Industriespionage aus Vietnam an: Hacker aus Vietnam sind vermehrt in der Industriespionage tätig. Ihr Ziel: internationale Unternehmen ausspionieren und geistiges Eigentum stehlen. So berichtete das amerikanische Medienunternehmen Bloomberg im Dezember von Hackerangriffen auf die Autohersteller Toyota und Hyundai, hinter denen die Hanoier Regierung vermutet wird. Auch der deutsche Autobauer BMW wurde nach Berichten bereits Opfer. Die IT-Experten von BMW hätten die Eindringlinge allerdings bemerkt und sie über Monate hinweg beobachtet, bevor sie Ende November die befallenen Rechner vom Netz genommen hätten. Laut dem Bayerischen Rundfunk sollen keine sensiblen Daten ausspioniert worden sein. Die Regierung in Vietnam unterhält seit 2018 nach chinesischem Vorbild eine 10.000 Personen starke Cyberarmee.
taz.de

Bäcker wehren sich gegen Bonpflicht: Einzelhändler müssen seit dem 1. Januar für jeden Verkaufsvorgang einen Kassenbon auszudrucken; ärgerlich vor allem für Bäcker, die viele kleine Transaktionen und damit viele kleine Kassenbons haben. Der Aufruf einer Bäckerei aus Baden-Württemberg sorgt derweil für Aufsehen: Die Kunden sollen die Bons aufbewahren und diese beim Abendspaziergang einfach in den Briefkasten des örtlichen Finanzamtes werfen; die könnten sich dann mit dem Müll beschäftigen, den sie in Auftrag gegeben haben. Mittlerweile findet diese Idee vielerorts Nachahmer.
faz.net

Modefirma Olymp positioniert sich neu Das Familienunternehmen Olymp ist nach wie vor der Europas größte Hemdenmarke. Doch die Zeiten zweistelligen Wachstums sind vorüber. Krawatte und Hemd werden nicht mehr in jeder Chefetage vorausgesetzt. Und der Wettbewerb mit der Konkurrenz wird auch härter. Chef Mark Bezner hat sich darum entschlossen sein Unternehmen stärker in der Freizeitmode aufzustellen. Dafür hat er einen prominenten Werbepartner gefunden: Hollywood-Schauspieler Gerald Butler. Er soll zeigen, dass Olymp auch den neuen legeren Chic kann.
handelsblatt.com

Helaba-Tochter wettet auf Mittelstand mit Kauf von M&A-Berater welt.de
Hamburg: Grüne versprechen Wirtschaft Dialog statt Regulierung welt.de
Aiwanger: „Schauen optimistisch auf den Arbeitsmarkt in 2020“ mittelstandinbayern.de
CSU-Klausur: Dobrindt will digitale Investitionen steuerlich fördern traunsteiner-tagblatt.de
Studie: Russland bietet für Familienunternehmen die besten Investitionsbedingungen handelsblatt.com
Wie sich Mittelständler für den Brexit rüsten wiwo.de

RAT UND TAT

Homeoffice: Eine Frage der Unternehmenskultur: Die Hans-Böckler-Stiftung hat sich dem Thema Homeoffice in einer umfangreichen Studie genährt. Dem Ergebnis zufolge scheitert Homeoffice in den meisten Fällen nicht an den technischen Voraussetzungen, sondern an der Unternehmenskultur. Und das obwohl viele Mitarbeiter diese Form der Arbeit gerne für sich in Anspruch nehmen würden. Eine Diskrepanz gibt es hierbei zwischen den Geschlechtern, da Frauen sich seltener trauen, Homeoffice einzufordern als Männer. Doch auch ein Recht auf Homeoffice hat seine Tücken. Unternehmer fürchten unter anderem um die Bindung zwischen Arbeitnehmern und ihrer Tätigkeit.
new-work-journal.de

Zahl der Chefinnen im Mittelstand steigt wieder: Erstmals seit vier Jahren ist die Zahl der Frauen auf den Chefsesseln in kleinen und mittelständischen Unternehmen wieder angestiegen. Zuvor war sie seit 2013 kontinuierlich gesunken. Das geht aus dem aktuellen KfW-Mittelstandspanel hervor. Demnach wurden 2018 etwa 613.000 der 3,81 Millionen Mittelständler von Frauen geführt, was einem Anteil von 16,1 Prozent entspricht. Im Vergleich dazu liegt der Frauenanteil in den Vorständen von Großunternehmen trotz der gesetzlichen Frauenquote bei nur 9,6 Prozent. Der Anstieg ist auf darauf zurückzuführen, dass Frauen wieder vermehrt den Sprung in die Gründung von Unternehmen gewagt haben.
wallstreet-online.de

Was Mittelständler bei IoT beachten müssen: Kleine und mittelständische Betriebe sind bei Fragen der vernetzten Produktion erheblichen Herausforderungen ausgesetzt. Zeit zu verzagen haben sie jedoch nicht, denn es gilt, den Anschluss nicht zu verpassen. Wichtig für die Unternehmer ist, sich nicht aus der Not heraus an den erstbesten großen Anbieter für IT-Lösungen zu wenden. Denn dann droht eine Abhängigkeit, die nur schwer zu beheben ist. Achten sollten sie vor allem auf Interoperabilität. Ihre Software sollte möglichst viele Schnittstellen zu denen von anderen Anwendern haben. Denn sonst bleibt die erhoffte Effizienz im Zweifel aus.
bigdata-insider.de

AUS GESPROCHEN

„Die schwarze Null, und das schreibt sogar der ökonomische Sachverständigenrat, hat keinerlei ökonomische Fundierung.“
Sebastian Dullien, Leiter des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung, fordert mehr politische Bereitschaft zu Investitionen.
derstandard.at

AUS DER REIHE

Fachkräftemangel durch Outsourcing in Venetien: Venetien ist berühmt für seinen Prosecco und für seine Schuhe. Seit dem 13. Jahrhundert lässt sich die Produktion von Schuhen nachweisen. Heute sind vor allem viele Produzenten von Sport- und Outdoorschuhen hier beheimatet. Doch die haben ein Problem. Eines, das hausgemacht ist. Wegen der Kosten, aber auch wegen des Personalmangels haben viele Unternehmen ihre Produktion nach Osteuropa und in die Türkei verlegt. Das rächt sich heute. Denn damit ist auch viel Fachwissen verloren gegangen. Der Personalmangel gehört trotz der hohen Arbeitslosigkeit in Italien zu den drückendsten Problemen der Region. Laut der Handelskammer fehlen 8.000 Nachwuchskräfte. Nun soll darum vermehrt in die Ausbildung investiert werden.
nzz.ch