KW 48: Volkswagen verteidigt Standort in Westchina, Sanierungsprogramm bei Audi, neue Spitze beim VDA, Landwirte protestieren in Berlin

Liebe Mittelständler,
ist Ihr Produktangebot grün und nachhaltig genug? Diese Frage kann zukünftig von existenzieller Bedeutung für Ihr Unternehmen sein. Denn wenn Sie beim Green-Check durchfallen, bekommen Sie vielleicht zukünftig keinen Firmenkredit mehr oder nur noch unter erheblichen Zinsaufschlägen. Unter dem Schlagwort „Sustainable Finance“ machen Grüne und NGOs mit diesem Ziel Druck auf Regulierer und die Europäische Zentralbank (EZB). Deren neue Chefin, Christine Lagarde, ist zwar erst wenige Wochen im Amt, machte aber schon Andeutungen, die nicht nur Notenbanker in Aufruhr versetzt. Lagarde hatte in einer Anhörung vor dem Europäischen Parlament vor ihrer Bestellung zur EZB-Chefin angedeutet, dass das Anleihenkaufprogramm der Euro-Notenbank künftig „grüner“ werden könnte. Die EZB ist gerade dabei, ihr zwischenzeitig eingestelltes Anleihenkaufprogramm wieder hochzufahren. 20 Mrd. Euro pro Monat sollen bis auf Weiteres in den Ankauf von Staats- und Unternehmensanleihen fließen. Die Rede ist von einem „Green QE“ (QE steht dabei für Quantitative Easing, also für eine expansive Geldpolitik).
Das Problem dabei: Eine solche Bevorzugung bestimmter Elemente im Ankaufsprogramm würde klar dem EZB-Mandat widersprechen. Dieses verpflichtet die Euro-Notenbank, für Preisstabilität (definiert als Inflationsrate in der Nähe von zwei Prozent) zu sorgen und dabei strikt „Marktneutralität“ zu wahren. In der Praxis heißt das, dass das von der EZB erworbene Anleihenportfolio ungefähr den Gesamtmarkt abbilden muss. Und der besteht eben nur zu einem (freilich wachsenden) Teil aus „Green Bonds“. Der „Sustainable Finance“-Beirat der Bundesregierung, in dem auch die volkswirtschaftlichen Koryphäen des NABU und WWF vertreten sind, fordert jedoch viel Weitergehendes: dass nämlich die Zinspolitik der EU zukünftig politisch in Richtung Grün gesteuert wird. Und das wird eben auch Einfluss darauf haben, was Mittelständler zukünftig noch finanzieren und produzieren können und was nicht. Für Widerstand in Berlin und Brüssel ist es noch nicht zu spät. Aber fast.

Ihr
Thomas Philipp Reiter


AUS POLITIK UND MITTELSTAND

Volkswagen verteidigt Werk in Westchina: Nachdem Enthüllungen über Internierungslager und Zwangsarbeit der Volksgruppe der Uiguren öffentlich wurden, hagelte es Kritik auf Volkswagen. Der Autobauer betreibt ein Werk in der Hauptstadt der Provinz Xinjiang in einem Joint Venture mit dem chinesischen Unternehmen Saic. Volkswagen sieht die Präsenz in Urumqi unproblematisch. Man wolle ein Treiber für die wirtschaftliche Entwicklung in der Region für alle Volksgruppen sein. Die Arbeiter hätten alle direkte Verträge mit dem Joint Venture, Zwangsarbeit gäbe es nicht. Volkswagen verteidigte die Entscheidung, sich 2013 in der Uiguren-Provinz niederzulassen – dabei hätten rein wirtschaftliche Kalkulationen den Ausschlag gegeben. Die Süddeutsche Zeitung berichtete jedoch, dass das Joint Venture einen Vertrag „mit einer paramilitärischen Truppe, die eine treibende Kraft hinter den Internierungen sein soll“ unterzeichnet habe.
n-tv.de

Abbau von 9.500 Stellen – straffes Sanierungsprogramm bei Audi: Der Autobauer Audi streicht bis 2025 9.500 Stellen an den Standorten Ingolstadt und Neckarsulm. Dabei handelt es sich um jede sechste Stelle in Deutschland. Der Abbau soll sozialverträglich gestaltet werden, wurde mit dem Betriebsrat vereinbart. Die Beschäftigungsgarantie für Stammbeschäftigte soll bis 2029 verlängert werden. Audi betont, der Abbau soll entlang der „demografischen Linie“ vollzogen werden. Die VW-Tochter leidet an den Folgen des Diesel-Skandals sowie der kostenintensiven Umstellung auf Elektroantrieb. Im Gegenzug sollen deshalb 2.000 neue Stellen für die Bereiche Digitalisierung und Elektromobilität entstehen. Mit dem Sanierungsprogramm kommen auch Personalwechsel: Vorstandsvorsitzender Bram Schot wird zum April vom früheren BMW-Vorstand Markus Duesman ersetzt werden. Auch die Vorstände für die Bereiche Finanzen, Einkauf und Personal sollen ersetzt werden.
manager-magazin.de, spiegel.de

Tausende Landwirte protestieren in Berlin: Am Dienstag versammelten sich Bauern aus ganz Deutschland zu einem großen Protest. Viele von ihnen fürchten Umweltschutzrichtlinien, die ihre Geschäfte schwächen könnten. Zum einen geht es um geplante Umsetzungen von Nitrat-Richtlinien. Die Nitrat-Werte im Grundwasser sind in landwirtschaftlich starken Regionen häufig deutlich überschritten, was mit der Nutzung von Gülle als Dünger zusammenhängt. Gerade kleine und mittelständische Betriebe greifen darauf aus Kostengründen zurück. Ferner sind die Landwirte wegen des Glyphosat-Verbots besorgt, das ab 2023 verboten werden soll. Das Pflanzenschutzmittel steht unter Verdacht krebserregend zu sein. Allerdings loben Bauern es als effektiv und kostengünstig. Zusätzlich richten sich die Landwirte gegen Billigimporte aus osteuropäischen Ländern, die die Preise nach unten drücken. Die Landwirte erklärten, dass sie sich wie die „Prügelknaben der Nation“ fühlen und fordern daher mehr Unterstützung.
tagesspiegel.de

Hildegard Müller führt VDA: Nach Faz-Informationen soll die frühere CDU-Politikerin Hildegard Müller die neue Spitze des Verbands der Deutschen Automobilindustrie (VDA) werden. Müller war zuletzt als Vorständin beim Energiekonzerns Innogy tätig. Als Anwärter für den VDA-Chefposten war Günther Oettinger ebenfalls im Rennen. Details sind bisher noch nicht bekannt, sollen jedoch in den kommenden Tagen vom Verband vermeldet werden. Müller soll zum Januar 2020 ihr Amt antreten und den bisherigen VDA-Präsidenten Bernhard Mattes ablösen.
faz.net

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Der deutsche Einzelhandel steckt in der Krise. Die komplette Handels-Landschaft steht vor riesigen Herausforderungen und nicht alle werden es schaffen, sich diesen Herausforderungen zeitnah und im erforderlichen Umfang zu stellen. Ein einfacher Webauftritt mit Landing Page und Kontaktdaten ist heutzutage für ein Unternehmen im Handel völlig unzureichend. Umfassende Multichannel-Lösungen werden benötigt, damit der Kunde seine Wunsch-Kombination aus Einkauf stationär und online individuell variieren kann. Passgenaue Lösungen in disruptiven Zeiten gibt es hier:
www.agentur-fuer-interimmanager.de

Stiftung Verantwortungseigentum: Der deutsche Mittelstand will sich unverkäuflich machen handelsblatt.com
Innovation: Das sind die digitalen Pioniere im Mittelstand wiwo.de
Preisdruck: Machen billige Brötchen die Bäckereien kaputt? faz.net


RAT UND TAT

Wie Sparen mit ETFs gelingen kann: In Zeiten der Niedrigzinspolitik sind Anleger verunsichert. Die Exchange Traded Funds (ETFs) können mit günstigen Sparplänen jedoch eine langfristige Alternative zum Sparen für die Altersvorsorge sein. Bei den ETFs sind keine Fondsmanager nötig, Wertpapiere können kurzfristig verkauft werden. Dabei handelt es sich um langfristige Pläne, die sich nach 10 bis 15 Jahren rechnen. Hausbanken bieten ETFs allerdings wegen des geringen Gewinns selten an. Ein Wechsel zu Direktbanken wie Consors kann sich lohnen – dafür ist lediglich ein Depot notwendig, das über Post-Ident beantragt werden kann.
morgenpost.de

Wie der Mittelstand von Künstlicher Intelligenz profitieren kann: Bei Wartung, Instandhaltung, Qualitätssicherung und Lieferkettenoptimierung kann Künstliche Intelligenz (KI) zu großen Ersparnissen für mittelständische Unternehmen führen. Allerdings schrecken viele davor ab. Datenschutzbedenken sind dabei jedoch nicht die größte Hürde, vielmehr fehlen Fachkräfte und Wissen über die Vorteile der neuen Technologie. Der Trugschluss, dass eine komplexe Infrastruktur stets vollkommen aufgebaut werden muss, lässt Mittelständler vor dem Einsatz zurückschrecken. Dabei gibt es mittlerweile Möglichkeiten, um punktuelle Lösungen zu entwickeln, die sich langfristig rechnen.
zdnet.de

Durch agiles Management auf den nächsten Abschwung vorbereiten: Die dynamischen Märkte sind für das produzierende Gewerbe eine große Herausforderung. Um gegen einen Abschwung gerüstet zu sein, hilft die langfristige Planung des Betriebskapitals und Kapitalallokation. Auch wenn die Flexibilisierung der Kapitalstruktur zunächst abschreckt, kann sie ein Instrument sein, um wirtschaftliche Engpässe zu überwinden. Um Kapital freizusetzen, lohnt sich daher eine strenge Evaluation von Mitarbeiterflexibilität, Unternehmensimmobilien und dem Geschäftsmodell, empfiehlt Dr. Thomas Lütkemeier von der Unternehmensberatung EY. Daran sollten strategische Planungen angelegt werden.
produktion.de

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AUS GESPROCHEN

„Der Euro ist ein Erfolg. Die erforderlichen Reformen – Banken- und Kapitalmarktunion, gemeinsames Budget und bessere Regeln – sind realistisch. Es mangelt dazu aber vor allem am politischen Willen in Deutschland.”

DIW-Präsident Marcel Fratzscher positioniert sich in einem Tagesspiegel-Gastbeitrag gegen antieuropäische Ressentiments.

tagesspiegel.de


AUS DER REIHE

Mit familienfreundlichen Maßnahmen gegen Fachkräftemangel: Das IT-Unternehmen Hewlett Packard Enterprise (HPE) hat damit zu kämpfen, dass ausgeschriebene Stellen länger unbesetzt bleiben. HPE untersuchte in Zusammenarbeit mit YouGov was die Prioritäten heutiger Arbeitnehmern sind – lediglich zwei, bzw. drei Prozent der Frauen und Männer geben der Karriere die höchste Priorität. Die Familie nimmt hingegen bei deutlich mehr als der Hälfte die höchste Priorität ein. HPE zieht daraus Konsequenzen: das Unternehmen lockt Arbeitskräfte mit einem halben Jahr vollbezahlter Elternzeit an.
tagesspiegel.de