KW19: Bundesländer bereiten sich auf die Tourismus-Saison vor, Berater der Bundesregierung kritisieren Wirtschaftsprogramm, Wie Start-ups zum Mittelstand finden

Liebe Mittelständler,

ohne Frage zählen Sie schon jetzt zu den Hauptleidtragenden der Corona-Pandemie. Dabei geht es nicht um Art, Umfang oder Schnelligkeit von Hilfszahlungen sondern um die ganz praktische Frage, wie die Politik die getroffenen Maßnahmen zum Schutz vor einer weiteren Ausbreitung der Pandemie wieder zurückfahren will. Bei den Verbotserlassen wurde beherzt entschieden und zugepackt, dies vermisst man nun bei der Entwicklung eines Plans zur Rückkehr ins Alltagsgeschäft. Die Lager der Einzelhändler sind randvoll. Dort, wo Geschäfte bis zu 800 Quadratmetern Verkaufsfläche öffnen dürfen, also vor allem in Kleinstädten, fehlt die Grundfrequenz an Kundenverkehr. Die Menschen halten sich an die Beschränkungen und bleiben lieber noch zuhause. Es ist eben unmöglich, Möbelhäuser von 20.000 oder Modegeschäfte von 8.000 auf 800 Quadratmeter zu reduzieren. Diese Vorgabe zeigt, dass die Politik vom Handel keine Ahnung hat. Stattdessen wäre es zum Beispiel sinnvoller statt der willkürlichen Begrenzung auf 800 Quadratmeter eine maximale Fläche von 20 Quadratmetern pro Kunde vorzuschreiben. Die mittelständischen Unternehmer äußern großes Verständnis für die strengen Restriktionen und die verschärften Hygienevorschriften, aber die politischen Entscheider in Bund und Ländern müssen sich die Frage der Verhältnismäßigkeit gefallen lassen. Wir alle brauchen dringend eine Perspektive, wie es weitergeht. Dem Einzelhandel droht ohnehin schon jetzt eine Pleitewelle ungeahnten Ausmaßes.

Ihr
Thomas Philipp Reiter

AUS POLITIK UND WIRTSCHAFT

Bundesländer bereiten sich auf die Tourismus-Saison vor: Angesichts der Lockerungen der Beschränkungen in der Coronakrise bereiten sich die Bundesländer auf die Öffnung für den Tourismus vor. In Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern sollen die Hotels am 25. Mai wieder öffnen, wobei die Hotels in Niedersachsen höchstens zu 50 Prozent ausgelastet sein dürfen, in Mecklenburg-Vorpommern zu 60 Prozent. Auch Bayern will seine Hotels am 30. Mai wieder öffnen, Biergärten und Restaurants sogar schon einige Tage früher. Reinhard Meyer, Präsident des Deutschen Tourismusverbands und SPD-Finanzminister in Mecklenburg-Vorpommern, erklärte, er halte es für vernünftig, die Öffnung phasenweise anzugehen. Allerdings kritisierte er die unterschiedlichen Regelungen in den Bundesländern, die zu Verunsicherung führen könnten. Gleichzeitig plant die Regierung ein Programm, dass die Tourismusbranche stärken soll. Thomas Bareiß, der Tourismusbeauftragte der Regierung, sagte, es sei ein Hilfspaket geplant für Unternehmen, die längerfristig von Corona betroffen seien. Statt der Möglichkeit von Gutscheinen für Kunden, deren Reisen storniert wurden, schlug Bareiß die Einrichtung eines Fonds vor, der die Rückerstattungen an die Kunden übernimmt. Der Staat könne diesen Fonds zunächst auffüllen, und die Reiseveranstalter könnten das Geld dann peu à peu zurückzahlen.
spiegel.de, faz.net

Berater der Bundesregierung kritisieren Wirtschaftsprogramm: Der Wissenschaftliche Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums kritisiert die wirtschaftlichen Hilfen der Bundesregierung in einigen Punkten. So würden die Anhebung des Arbeitslosengelds und die volle Übernahme der Sozialversicherungsbeiträge notwendige Veränderungen nach der Krise verlangsamen und zu „erheblichen Mitnahmeeffekten“ führen, so der Beirat in einer Mitteilung. Das Gremium warnt im Zuge der Erhöhungen des Regelsatzes auf bis zu 87 Prozent vor „Konsequenzen für die Regelung der Höhe des Arbeitslosengeldes“. „Die Pandemie macht uns alle ärmer, sodass es in Zukunft weniger zu verteilen gibt“, so der Beirat. Es bestehe die Gefahr, dass viele Unternehmen nach der Krise „an einem Schuldenüberhang leiden“. Der Beirat forderte deshalb ein Programm zur Entschuldung in Form von „Umwandlung von Liquiditätskrediten in Zuschüsse“.
rp-online.de

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Präzision aus Tradition: Das Uhrenwerk Weimar stellt seit 1950 Präzisionstechnik und Feinmechanik für Zeitmesser her. 2017 feierte die Thüringer Traditionsmarke Wiedergeburt. Mit den Armbanduhr-Modellen „Henry van de Velde“, „Luftbrücke Berlin“ und „Royal Union“ wurde ein neues Kapitel aufgeschlagen. Erleben Sie 2020 mit der ersten Automatikuhr „Palaemon“, was an Design und Technik aus Weimar möglich ist. Mehr Infos zum Uhrenwerk Weimar und seinen Modellen findet man unter www.uhrenwerk-weimar.de oder per Mail unter palaemon@weimar.watch

Kaufprämien für Elektroautos nicht zielführend: Viele Politiker setzen sich momentan dafür ein, die Kaufprämie für Autos dafür zu nutzen, den Kauf umweltfreundlicher Fahrzeuge attraktiver zu machen. Auch die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer hält eine Kaufprämie für Elektroautos für sinnvoll. Laut einer Studie der Wirtschaftsberatung Deloitte wäre eine Prämie nur für Elektroautos jedoch kaum zielführend. Schon vor der Corona-Krise sei das Ziel der Bundesregierung, bis 2030 10 Millionen Batterieelektroautos und Plugin-Hybride auf den Straßen zu haben, nicht erreichbar, wobei hier schon die bereits existierende Umweltprämie für Elektroautos miteinbezogen wurde. Die Corona-Krise könnte nun dafür sorgen, dass noch weniger Elektroautos gekauft werden. „Der Effekt der Coronakrise ist negativ für den Elektroauto-Absatz, sofern es keine kompensierende Maßnahme gibt“, so Deloitte-Partner Harald Proff. Teure Elektroautos seien derzeit weniger attraktiv als herkömmliche Fahrzeuge. Eine Prämie rein für Elektroautos würde Deloitte kaum zu einer Steigerung der Nachfrage führen. „Das würde nur bedingt helfen, denn die Hersteller haben nicht so viele E-Automodelle im Angebot und können auch kurzfristig keine großen Mengen an E-Fahrzeugen produzieren“. Besonders um die kleinen Zulieferer zu unterstützen, empfiehlt Deloitte deshalb eine Kaufprämie für alle Autos, die die aktuellen Umweltstandards erfüllen.
manager-magazin.de

Thomas Sigmund über fordert Abkehr von Einzelthemen in der Krise: Thomas Sigmund fordert in seinem Kommentar einen verbindlichen Konjunkturimpuls. Die Pandemiebekämpfung laufe bereits einigermaßen erfolgreich und die Gesellschaft kehre langsam zur Normalität zurück. Um zu verhindern, dass Millionen Menschen „aus der Kurzarbeit in die Arbeitslosigkeit gehen“, müsse nun die Wirtschaft wieder hochgefahren werden. Sigmund fordert von der deutschen Politik dabei, größer zu denken. Es dürfe nicht nur um Partikularfragen wie die Öffnung von Friseurbetrieben gehen. Sinnvolle Maßnahmen seien Sigmund zufolge, die Senkung der Mehrwertsteuer, die Abschaffung des Solidarzuschlags, „der vor allem noch vom Mittelstand getragen wird“ und eine degressive Abschreibung. Mit einem solchen Paket ließe sich die gesamte Wirtschaft erreichen. Insbesondere fordert Sigmund eine Stützung der Familienunternehmen, die keine Einzelmaßnahmen wollen, „sondern gute Rahmenbedingungen, um aus der Krise herauswachsen zu können“.
handelsblatt.com

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Kommunikation in Zeiten des Coronavirus: Das Coronavirus schränkt unser soziales Leben ein – richtigerweise müssen Menschen vor lebensgefährlichen Infektionen geschützt werden. Wenn Begegnungsräume nicht mehr erreichbar sind, verlieren wir Möglichkeiten zum Austausch und Lernen. Wer nach Verbindung sucht, nutzt digitale Alternativen. Wir unterstützen dabei, Begegnungen online zu schaffen – mit Veranstaltungsstreams können Sie die wichtigen menschlichen Verbindungen dennoch knüpfen.
livestreaming-berlin.tv

Ermittlungen gegen Unternehmen Schulz: Die Düsseldorfer Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität ermittelt gegen den Röhrenspezialisten Schulz, der 2017 von Warren Buffets Unternehmensgruppe Berkshire Hathaway übernommen wurde. Ein Behördensprecher sagte, das Unternehmen werde des „gemeinschaftlichen Betrugs im besonders schweren Fall, der Urkunden- und Bilanzfälschung“ beschuldigt. Offenbar hatte Schulz schon 2016 einen Kredit über 325 Millionen Euro von der Commerzbank aufgenommen, den der Konzern nicht zahlen konnte. Die Zahlungsunfähigkeit wurde durch einen weiteren Kredit der Commerzbank verhindert. Im Juli 2016 erhielt die Precision Castparts Corporation (PCC), eine Tochtergesellschaft von Berkshire Hathaway eine Anfrage der Investmentbank FCF Fox Corporate Finance. Die Bank fragte, ob man an dem Kauf von Schulz interessiert sei. Die Zahlen der Schulz-Gruppe, die PCC vorgelegt wurden, waren jedoch offenbar mit Photoshop gefälscht. Manager des Unternehmens erfanden offenbar Scheinaufträge. Schlussendlich kaufte PCC Schulz für 800 Millionen Euro, wovon der Großteil an die Kreditgeber gingen. Selbst als PCC später durch einen anonymen Hinweis auf die Fälschungen aufmerksam gemacht wurde, erfand Schulz weiter Scheinaufträge. Ein US-Schiedsgericht entschied Anfang April: „Dies ist ein Fall von klarem und allumfassendem Betrug. Dabei sind den Beteiligten nicht versehentlich Fehler unterlaufen. Sie haben die Kläger vielmehr systematisch in die Irre geführt und anschließend versucht, ihre Spuren zu verwischen“. Das Gericht entschied, dass PCC 643 Millionen Euro zurückerhalten solle. Vor dem Landgericht Krefeld wird Schulz außerdem auf 800 Millionen Euro verklagt.
handelsblatt.com

Kurzmeldungen
EU-Kommission erwartet startet drastisch steigende Arbeitslosigkeit handelsblatt.com
Corona-Hilfen für Mittelstand in der Kritik ndr.de
Wer dokumentiert, reduziert sein Haftungsrisiko marktundmittelstand.de
Mittelstand und externe Berater it-zoom.de
Welche Chancen bietet die Coronakrise für den Mittelstand? handelsblatt.com

RAT UND TAT

Wie KMU auch in Krisenzeiten Liquidität sichern: Der industrielle Mittelstand hat es auch ohne Corona-Krise oft nicht leicht und kämpft mit Risiken. Durch den Kauf der Materialien und Geräte gehen Unternehmen oft in Vorleistung und gibt die Ware in der Regel mit einem Zahlungsziel an den Kunden heraus. Zahlen die Kunden nicht, kommt es zu Liquiditätsengpässen. Die Corona-Krise verstärkt diese Risiken noch einmal. Unternehmen müssen abwägen, wie wahrscheinlich es ist, dass ein Kunde zahlt und wie sehr die Märkte betroffen sind, auf denen das Unternehmen verkauft. Um die eigene Liquidität sicherzustellen, kommt es vor allem darauf an, die eigenen Kunden zu kennen. Anahnd von Kennzahlen wie der Bonität der Kunden können Mittelständler Szenarien entwickeln. So kann erkannt werden, mit welchen Kunden Ratenzahlungen vereinbart werden können und für wen eine Leistung nur noch gegen Vorkasse erbracht wird. Braucht ein Unternehmen sofort Geld, bietet sich in einigen Fällen das sogenannte Factoring an. Dabei wird eine Forderung an ein Factoring-Unternehmen verkauft. Dieses Unternehmen behält jedoch meist drei bis fünf Prozent des Rechnungsbetrags pro Einzelforderung.
marktundmittelstand.de

Start-up Shore trotzt der Krise: Das Software-Start-up Shore bietet bietet ein Betriebssystem für Friseure und Geschäfte. Mit der Software können kleine Betriebe Dienstpläne erstellen und Kundentermine buchen. Trotz der Corona-Krise schlägt sich das Unternehmen überraschend gut. „In der Coronakrise kristallisiert sich heraus, wer ein wirklicher Unternehmer ist, und wer in den vergangenen Jahren nur eine Welle geritten hat“, so Vorstandschef Nikbin Rohany. Vor rund zwei Jahren übernahm Rohany das Unternehmen, das damals Verluste einfuhr und sanierte es. Wie viele andere Start-ups versuchte Shore, sich bei kleinen Dienstleistern zu positionieren, war im Gegensatz zu anderen Unternehmen damit jedoch sehr erfolgreich. Setzte das Unternehmen anfangs noch auf Vertriebsmitarbeiter, die persönlich die Friseure und Beautysalons besuchten, läuft der Vertrieb heute zum größten Teil digital. Nun befände sich das Unternehmen „erstmals sehr nahe der Profitabilitätsgrenze“, so Rohany.
handelsblatt.com

Wie Start-ups zum Mittelstand finden: Die Zusammenarbeit von Start-ups und mittelständischen Unternehmen ist in Deutschland selten. Dabei sind Start-ups und KMU oft aufeinander angewiesen. Markus Gick, Geschäftsführender Vorstand des NRW-Start-up-Verbands NRWalley sagt, besonders bei den kleineren Unternehmen seien „die richtigen Ansprechpartner meistens im Vorstand oder in der Inhaberfamilie, an die ist es schwierig, heranzukommen“. Gick vernetzt seit mehreren Jahren israelische Start-ups mit deutschen Mittelständlern. Ein erfolgreicher Weg für Start-ups besteht laut Gick darin, marktreife oder bereits einsatzfertige Produkte und Services vorweisen zu können. Er empfiehlt einen Besuch vor Ort: „Da kann es plötzlich ganz schnell gehen, wenn die Unternehmen ihren Vorteil direkt in der Fabrik oder auf der Straße sehen“. Gerade in der Corona-Krise hätten Start-ups digitale Lösungen zu bieten, die den Mittelständlern helfen. „Für viele etablierte Unternehmen ist der Corona-Ausnahmezustand auch ein Augenöffner, sich Gedanken über die Digitalisierung und Veränderungen am Geschäftsmodell zu machen“, so Gick.
wiwo.de

Verbundgruppen helfen dem Mittelstand in Krisenzeiten: Verbundgruppen können ein Werkzeug für Mittelständler sein, die Corona-Krise gemeinsam zu überstehen. Susanne Sorg, Vorstandsmitglied der Mehrbranchen-Verbundgruppe EK Servicegroup sagt, die Corona-Krise wirke für Einzelhändler „wie ein Katalysator“. „Ich habe mir jahrelang den Mund fusselig geredet, um den Omnichannel-Ansatz zu propagieren. Jetzt ist der Druck so groß, dass auch die Unternehmen, die sich dem bislang verschlossen hatten, ganz schnell Anschluss an den E-Commerce finden wollen“. Die EK bietet den Mehrbranchen-Marktplatz compravo.de und den Marktplatz für Hausgeräte electroplus-shop.de an. Dort können Händler zusätzliche Umsätze in ihren Webshops erwirtschaften und Kunden in ihre Läden führen. Zudem schloss EK Ende März einen Kooperationsvertrag mit Zalando, was tausenden Unternehmen ermöglicht, Bestellungen von Zalando-Kunden aufzunehmen und die Artikel aus den eigenen Sortimenten direkt aus ihren Geschäften zu verschicken. Der Mittelstandsverbund – ZGV hat bereits kurz nach dem Shutdown die „Taskforce Liquidität für den Mittelstand“ gegründet, der neun Verbundgruppen angehören. Die Taskforce sucht nach Lösungen, durch die betroffene Einzelhändler die staatlichen Corona-Fördermaßnahmen unbürokratisch bekommen. Zwar sei die Politik in der Krise handlungsfähig geblieben, so Benedikt Erdmann, Vizepräsident des Mittelstandsverbundes. „Doch es ist nicht damit getan, Garantien auszusprechen. Das Geld muss auch fließen und schnell bei den Unternehmen ankommen!“ Deshalb bieten die Verbundgruppen ihre Zahlungsinfrastrukturen, die für die Verteilung der KfW-Kredite genutzt werden können.
handelsjournal.de

AUS GESPROCHEN

Wir brauchen alsbald einen klaren und bundesweit möglichst einheitlichen Fahrplan für eine Rückkehr zu einer gewissen Normalität. Sonst droht uns nicht nur ein kollektiver Lagerkoller, sondern eine langjährige Rezession. Gerade der deutsche Mittelstand und das verarbeitende Gewerbe stünden dann auf der Kippe.

DWS-Chef Asoka Wöhrmann über den baldigen Exit aus dem Corona-Shutdown.
marktundmittelstand.de

AUS DER REIHE

Keine Steuerfahndung wegen Corona: Die Coronakrise macht den Steuerfahndern derzeit in vielen Fällen einen Strich durch die Rechnung. Selbst wichtigen Fällen kann oft nicht nachgegangen werden, da in mindestens einem Bundesland Hausdurchsuchungen oder persönliche Befragungen wegen des Infektionsrisikos nicht durchgeführt werden dürfen. Ein Fahnder klagte, „die Behördenleitungen wollen keine Fotos von Polizisten, die in Schutzanzügen irgendwo einmarschieren“. Hinzu kommt die veraltete Technik, die vielen Behörden zu schaffen macht und das Arbeiten von zuhause verhindert. Grünen-Politiker Konstantin von Notz forderte deshalb: „Einen Stillstand der Rechtspflege darf es nicht geben“. Polizei und Justiz sollten für die Digitalisierung fit gemacht werden.
sueddeutsche.de