KW 24: Rechtsanspruch auf Brückenteilzeit, Nachbesserungen beim EU-Datenschutz, Deutsche Wirtschaft verunsichert

AUS POLITIK UND MITTELSTAND

Rechtsanspruch auf Brückenteilzeit: Das Bundeskabinett hat am Mittwoch dem Gesetzentwurf von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil zur Einführung einer Brückenteilzeit zugestimmt. Damit bekommen rund 22 Millionen Beschäftigte das Recht, aus der Teilzeit- in die Vollzeitarbeit zurückzukehren.  „Arbeit, die zum Leben passt – das ist für immer mehr Menschen ein entscheidender Wert und für mich ein wesentliches Ziel“, sagte Heil. Der neue Rechtsanspruch, der ab 2019 gilt, wenn der Bundestag zustimmt, sei ein großer Schritt. „Er baut Brücken zu den eigenen Lebensplänen und Lebenslagen – eine Brücke ins Ehrenamt, in die Weiterbildung, in die Verwirklichung eigener Ziele und zurück“, meinte Heil.
tagesspiegel.de, sueddeutsche.de

Nachbesserungen beim EU-Datenschutz: Die Arbeitsgemeinschaften der Selbstständigen in der SPD (AGS), das Wirtschaftsforum der SPD, die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU (MIT) und die Bundesvereinigung Liberaler Mittelstand haben erstmals in einer gemeinsamen Erklärung für Nachbesserungen bei den viel diskutierten EU-Datenschutzregeln gefordert. So solle stärker auf die Bedürfnisse der kleinen und mittelständischen Unternehmen eingegangen werden. Die Regierungskoalition reagiert. „Wir haben uns darauf geeinigt, dass die Bundesregierung in einem gesonderten Entschließungsantrag aufgefordert wird, tätig zu werden“, sagte der rechtspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Johannes Fechner. Vor allem die Abmahnindustrie solle „wirksam unterbunden“ werden.
handelsblatt.com

Deutsche Wirtschaft verunsichert: Die deutsche Wirtschaft zeigt sich nach dem Eklat beim G7-Gipfel in Kanada verunsichert. „Die handelspolitischen Konflikte führen aktuell zu einer erheblichen Verunsicherung der deutschen Unternehmen im Auslandsgeschäft“, so DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. Auch die US-Sanktionen gegen Russland und den Iran würden die deutsche Wirtschaft belasten. Im US-Geschäft seien bereits Folgen zu spüren. „Die DIHK-Exportprognose von mehr als fünf Prozent deutsche Ausfuhrzuwächse in die USA ist angesichts der deutlichen Verstimmung bereits jetzt schon mehr als fraglich“, so Treier.
spiegel.de

Anstieg der Wirtschaftskriminalität: Die Wirtschaftskriminalität hat nach Angaben des Bundeskriminalamtes 2017 in Deutschland erneut deutlich zugenommen. Vergehen wie Anlagebetrug, Internet-Abzocke, oder Abrechnungsschwindel haben um 28,7 Prozent zugenommen und Schäden in Höhe von 3,74 Milliarden Euro verursacht. Insgesamt handelte es sich um 74.070 Fälle. „Das Internet schafft neue und vielfältige Tatgelegenheiten“, erklärten die Ermittler den rasanten Anstieg. Doch vor allem ein großer Ermittlungskomplex treibt die Zahl der Fälle nach oben. Der Anlagebetrug beim Dresdner Finanzdienstleister Infinus war aufgrund eines komplizierten Firmengeflechts sehr aufwändig. Rückläufig sind den indes die Fälle von „CEO-Fraud“ („Chef-Betrug“) – auch dank einer länderübergreifenden Zusammenarbeit der Strafverfolgungsbehörden.
spiegel.de

Kartellgeschädigte bekommen länger Schadenersatz: Der Bundesgerichtshof (BGH) hat die Verjährungsfrist für einen finanziellen Ausgleich für Kartellgeschädigte aufgehoben. Damit können Betroffene auch noch nach Jahren Schadensersatz einfordern. Oberlandesgerichte hatten in der Sache unterschiedlich entschieden. Wäre das BGH diesen Urteilen gefolgt, würden 50 Prozent der Forderungen wegfallen. Konkreter Anlass waren die Klage einer Baustoffhändlerin gegen die überhöhten Preise eines Zementherstellers. Das Kartellamt hatte 2003 mit insgesamt 649 Millionen Euro Rekordstrafen gegen Zementhersteller verhängt unter anderem gegen HeidelCement und Dyckerhoff.
faz.net, spiegel.de

Startups zahlen weniger: Das Arbeiten im Startup mit Billardtisch und Bällebad hat seinen Preis. Es bringt sehr viel weniger Geld ein als ein Job in einem traditionellen Industrieunternehmen. Laut einer Studie des Online-Vergleichsportals Gehalt.de verdienen Fachkräfte in Startups 41.000 Euro pro Jahr – Kolleginnen und Kollegen aus der Old Economy kommen auf ein durchschnittliches Bruttojahreseinkommen von 57.500 Euro. Noch gravierender ist der Unterschied bei Führungskräften: Mit 54.300 Euro jährlich liegt das Einkommen der Führungskräfte in Startups knapp 41.500 Euro unter dem in der Industrie (95 800 Euro). „Unternehmen in der Old Economy verfügen in der Regel über mehr Kapital, wodurch auch die Gehälter für die Beschäftigten höher sind als in Startups“, sagt Philip Bierbach, Geschäftsführer von Gehalt.de.
tagesspiegel.de

Heil will Rechte der Arbeitnehmer stärken: Arbeitsminister Hubertus Heil hat für Arbeitnehmer entscheidende Verbesserungen angekündigt. So soll der Mindestlohn nicht nur deutlich erhöht, sondern die Kontrollen auch ausgeweitet werden, weil es immer noch starke Hinweise darauf gebe, dass Arbeitnehmer den Mindestlohn unterliefen. „Angesichts der guten wirtschaftlichen Lage gehe ich von einer kräftigen Erhöhung aus. Die werde ich dann auch per Gesetz umsetzen“, so Heil. Zu den sogenannten sachgrundlosen Befristungen soll es in den nächsten zwölf Monaten einen Gesetzentwurf geben. „Immer noch werden viel zu viele Menschen willkürlich befristet. Für die Hälfte aller Befristungen gibt es keinen Sachgrund. Das muss aufhören.“ Das betreffe auch den Staat: „Ich bin der festen Überzeugung, dass der Staat als Arbeitgeber mit gutem Beispiel vorangehen muss“.
faz.net, spiegel.de

Schöne rote Schuhe: Schuhe mit roten Solen – das könnte nach Ansicht des Europäischen Gerichtshofs für den Markenschutz reichen. Geschützt sei allerdings der spezielle Farbton und nicht die Form der Schuhe, so die Luxemburger Richter. Der Luxusschuhhersteller Louboutin hatte 2010 spezielle roten Sohlen für die Beneluxstaaten als Marke eintragen lassen, 2013 dann nochmals ausdrücklich für „hochhackige Schuhe“. Die niederländische Deichmann-Tochter Van Haren hatte aber dem zum Trotz Schuhe mit roten Solen verkauft und hielt den Markenschutz für nicht zulässig, weil eine reine Form nicht geschützt werden könne. Das Gericht folgt in seinem Urteil nun der Argumentation der Louboutin-Designer.
spiegel.de

Bundesverband der Träger beruflicher Bildung e.V. neues Mitglied der BVMW-Mittelstandsallianz presseportal.de
BaWüs SPD-Fraktionsvorsitzende Andreas Stoch neues Mitglied des Politischen Beirats des Wirtschaftsforums der SPD landespresseportal.de
Österreichs Kanzler Kurz spricht vor dem CDU-Wirtschaftsrat welt.de

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Connected Health Innovation Award 2018: Einzelpersonen, Gruppen und Organisationen aus Europa, dem Mittleren Osten und Afrika können sich noch bis 15. Juni für den zweiten Connected Innovation Award bewerben. Mit dem Preis werden von Zimmer Biomet digitale Innovationen ausgezeichnet, die bei der Behandlung von muskuloskeletalen und orthopädischen Erkrankungen helfen oder Betroffenen das Leben einfacher machen. Der Gewinner erhält einen Preis in Höhe von 25.000 Euro und die Gelegenheit, die Technologie in einem der Partner-Krankenhäuser von Zimmer Biomet in Europa zu testen und sein Produkt in der Connected Health Innovation Lounge von Zimmer Biomet in der Schweiz für ein Jahr zu bewerben.
connectedhealthaward.com

AUS GEZÄHLT

70 Prozent des deutschen Mittelstands kann sich eine Zusammenarbeit mit Startups vorstellen.
munich-startup.de

RAT UND TAT

Messenger Slack erobert die Unternehmen: Zuerst wurde Slack hauptsächlich von Startups genutzt. Doch nun ersetzen auch andere Firmen E-Mails zunehmend durch das Kommunikationstool. „Bei uns ersetzt es den Großteil der internen E-Mails“, sagt Gründer Marc-Alexander Christ. Videotelefonate sind mit Slack auch möglich – es ist nur eine von unzähligen Zusatzfunktionen, welche die App anbietet. Allein in Berlin nutzen gut 50.000 Menschen den Dienst täglich. Doch inzwischen sprechen sich die Vorzüge auch außerhalb der Digitalszene herum. „Slack wird vom Dax-Unternehmen bis zur Zahnarztpraxis im Wedding genutzt“, sagt Slack-Europachef Johann Butting. Dabei seien große Unternehmen inzwischen mit Abstand die größte Nutzergruppe. 60 Prozent der Dax-Konzerne setzen das Programm bereits ein. Aber auch Firmen wie Birkenstock, Sixt oder der Heizungsbauer Viessmann.
digitalpresent.tagesspiegel.de

Von der künstlichen Verknappung zum Personal Pricing: „Nur noch zwei Zimmer auf dieser Plattform verfügbar“ oder „Diese Unterkunft ist sehr begehrt“ – mit Sprüchen wie diesen versuchen Reiseportale ihre Kundschaft zu einer schnellen, unüberlegten Buchung zu bewegen. Künstliche Verknappung lautet das Prinzip. Weil die Justiz derlei Praktiken mittlerweile zunehmend Grenzen setzt, werden die Tricks zunehmend kreativer. Solange sie bei der Wahrheit bleiben, dürfen die Unternehmen ihre Güter durchaus als knapp bewerben. „Es ist rechtens, zu sagen, dass Hotelzimmer nicht unendlich verfügbar oder Waren begrenzt auf Lager sind, wenn das wirklich so ist“, so Andreas Ottofülling vom Münchner Büro der Wettbewerbszentrale. Die Formulierungen würden also genauer werden. „Die Knappheit ist ein Angriff auf unsere Freiheit, immer über ein bestimmtes Produkt zu verfügen“, so Georg Felser, Professor für Konsumpsychologie an der Hochschule Harz. Das würde die Kauf- und Zahlungsbereitschaft steigen lassen. Weitere Trends: Suggestivfragen, die Angst schüren sollen: „Sind Sie sicher, dass Sie das nicht möchten?“ oder Rabattangebote, wenn der Nutzer die Seite verlassen will. Und schließlich: „Personal Pricing“, also personalisierte Preisgestaltung durch Algorithmen, die genau erfassen sollen, wie viel der einzelne Kunde zu zahlen bereit ist.
sueddeutsche.de

Beschaffung von Büroartikeln oft noch analog: Onlineshopping ist für die meisten Deutschen mittlerweile Alltag. Für Unternehmen allerdings gibt es erst wenige Bestellplattformen. Einige Anbieter haben jetzt die Marktlücke entdeckt und präsentieren maßgeschneiderte Angebote. So zum Beispiel die Plattform Crowdfox aus Köln. Egal, welchen Lieferanten aus welchem Land der Erde man dort auswählt – die Rechnung kommt immer von Crowdfox. Für die umsatzsteuerliche Abrechnung ist das am Ende relevant. Der Bedarf ist enorm. Laut Bundesverband für Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) belief sich im Jahr 2016 das Beschaffungsvolumen von sogenannten C-Artikeln wie Kugelschreibern oder Schrauben in Deutschland auf mehr als 100 Milliarden Euro jährlich. Was alle C-Artikel gemein haben: Sie kosten einzeln wenig, sind aber aufwendig zu beschaffen, das heißt: Bei ihnen sind die Kosten des Einkaufs im Verhältnis zum Warenwert überproportional hoch. Entsprechend groß ist das Einsparvolumen durch die Digitalisierung. Softwareanbieter wie Crowdfox, aber auch Internetportale wie Wer-liefert-was oder Mercateo wollen den Einkauf raus aus der analogen Steinzeit und rein in die Netzgegenwart holen.
wiwo.de

AUS GESPROCHEN

„Völlig zurecht fordert die OECD von Deutschland, Arbeitseinkommen steuerlich zu entlasten, um so Arbeitsanreize zu verbessern. Ebenso richtig ist es, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf stärker zu fördern, damit die vielen gut ausgebildeten Frauen einem Beruf nachgehen können. Die Bundesregierung muss endlich ihre Hausaufgaben machen. Nur so kann Deutschland auf Wachstumskurs bleiben.”

Mittelstandspräsident Mario Ohoven sieht den OECD-Wirtschaftsbericht 2018 als „Brandbrief“ für die Bundesregierung.
presseportal.de

„Dem Liberalen Mittelstand geht es in erster Linie um die Verhältnismäßigkeit bei der Umsetzung der DSGVO”

Thomas Kemmerich, Bundesvorsitzender des Liberalen Mittelstands will beim Datenschutz keine Daumenschrauben für Vereine, ehrenamtlichen Organisationen und Mittelständler.
handelsblatt.com

AUS DER REIHE

Maßvolle Trinker fehlen am seltensten: Finnische Forscher wollten wissen: Fallen Trinker häufiger durch Fehlzeiten in der Arbeit auf als Abstinenzler. Das Ergebnis: Abstinenzler und Vieltrinker melden sich gleich häufig krank – beide Gruppe häufiger als moderate Trinker. Doch bemerkenswert ist, wie die Forscher „moderates Trinken“ definieren. In der Studie sind für Frauen wöchentlich eine bis elf Einheiten Alkohol, für Männer eine bis 34 Einheiten moderat. Eine Einheit entspricht etwa 0,33 Liter Bier oder rund 150 Milliliter Wein. Ein Mann, der sich pro Woche 34 Bier, fast fünf Bier am Tag genehmigt, trinkt laut den Forschern maßvoll. Und dass jemand, der mehr als das trinkt, häufiger bei der Arbeit ausfällt, dafür braucht man eigentlich keine Forscher.
sueddeutsche.de