KW 18: Banken bevorzugen große Firmen bei Kreditvergabe, KfW-Umfrage zeigt Umsatzrückgang im Mittelstand, DIHK schlägt digitale Tickets für den Einzelhandel vor

Liebe Mittelständler,

morgen ist der 1. Mai, „Tag der Arbeit“ oder auch „Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse“, seit 1933 offizieller Feiertag in Deutschland. Eine führende SPD-Politikerin aus Ostdeutschland hat per Pressemitteilung bereits angekündigt, am Freitag die Gewerkschaftsflagge aus ihrem Fenster zu hängen, da der DGB zum ersten Mal nicht zu einer Demonstration aufgerufen hat. Der deutsche Mittelstand hat in Zeiten von Corona ganz andere Sorgen. Gastronomen, Fahrlehrer, Reisebürobetreiber haben unabhängig vom 1. Mai ihrerseits bundesweit Demonstrationen unter Einhaltung strenger Hygienemaßnahmen durchgeführt, was dem DGB offenbar nicht möglich war. Dem Mittelstand geht es darum, bei den Corona-Hilfen von der Politik nicht vergessen zu werden. Parallel hat die Arbeitsgemeinschaft Mittelstand bürokratische und materielle Entlastungen eingefordert. Ganz vorn stehen dabei die Reduzierung steuerlicher Lasten und Meldepflichten sowie das massive Vorantreiben der Verfügbarkeit digitaler Dienste in ausreichender Bandbreite. Die Corona-Krise habe die volkswirtschaftliche Schlüsselrolle des Mittelstands erheblich geschwächt und für die Zukunft gefährdet. In der AG Mittelstand sind unter anderem der Mittelstandsverbund ZGV vertreten, der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga), der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK), der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) und der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR).Flagge hissen oder konkret um Arbeitsplätze kämpfen – eine Frage der Prioritätensetzung.

Ihr
Thomas Philipp Reiter

AUS POLITIK UND WIRTSCHAFT

Banken bevorzugen große Firmen bei Kreditvergabe: Obwohl der Staat in der Corona-Krise fast die volle Haftung für Kredite übernimmt, entscheiden sich einige Banken trotzdem gegen eine Vergabe, besonders im Fall von mittelständischen Unternehmen. Ein Bauunternehmer, dem von zwei Banken ein Kredit verweigert wurde, wirft der Politik vor, bei dem KfW-Programm handele es sich um einen „Marketing-Gag“. Über 29 Milliarden Euro wurden von der KfW bei über 18.000 Anträgen bisher vergeben. Wie viele Anträge allerdings abgelehnt wurden, ist nicht bekannt. Klar ist jedoch, dass von dem gesamten Geld, das verliehen wurde, zwei Drittel auf 18 Großkredite von über 100 Millionen Euro entfallen. Der Vorwurf steht im Raum, dass die Banken es vorziehen, den großen Unternehmen Kredite zu verleihen, während dies bei kleinen und mittelständischen Unternehmen verwehrt wird. Bei den Großkrediten können die Banken die Zinsen frei verhandeln, während ihnen der Staat immer noch 80 Prozent des Risikos abnimmt, während kleine Darlehen strenger reglementiert sind. Die Zinsen dafür gehen komplett an die KfW. Die kleinen Kredite stellen für die Banken daher einen Verwaltungsakt dar, von dem sie nicht profitieren. Der KfW sind die Hände gebunden. „Einen rechtlichen Anspruch auf die Durchleitung eines KfW-Kredits bzw. eine rechtliche Verpflichtung der Hausbanken auf Durchleitung eines Kredits gibt es nicht“, so das Institut.
n-tv.de

Viele Unternehmen existenziell bedroht: Eine Umfrage des Münchner Ifo-Instituts unter 9000 Unternehmen zeigt, dass ein großer Teil der deutschen Firmen um das Überleben kämpft. 29,2 Prozent der befragten Unternehmen sagten, nur noch drei Monate überleben zu können, falls die Beschränkungen im Zuge der Corona-Krise fortbestehen. Rund die Hälfte der Firmen gab an, höchstens sechs Monate durchzuhalten. Ifo-Experte Klaus Wohlrabe sagt, die Zahlen könnten auf eine neue Pleitewelle hindeuten. Vor allem der Einzelhandel meldete eine kritische Lage. 44,9 Prozent der Firmen gaben an, nur noch drei Monate durchzuhalten. Auch die Dienstleister, von denen einige trotz der Lockerung ihr Geschäft noch nicht betreiben können, zeigten sich stark betroffen. Allerdings gingen bei der Umfrage viele der Antworten schon vor der Lockerung der Beschränkungen ein. Die Lage könnte sich inzwischen also entspannt haben.
spiegel.de

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Präzision aus Tradition: Das Uhrenwerk Weimar stellt seit 1950 Präzisionstechnik und Feinmechanik für Zeitmesser her. 2017 feierte die Thüringer Traditionsmarke Wiedergeburt. Mit den Armbanduhr-Modellen „Henry van de Velde“, „Luftbrücke Berlin“ und „Royal Union“ wurde ein neues Kapitel aufgeschlagen. Erleben Sie 2020 mit der ersten Automatikuhr „Palaemon“, was an Design und Technik aus Weimar möglich ist. Mehr Infos zum Uhrenwerk Weimar und seinen Modellen findet man unter www.uhrenwerk-weimar.de oder per Mail unter palaemon@weimar.watch

KfW-Umfrage zeigt Umsatzrückgang im Mittelstand: Eine Umfrage der KfW zeigt, dass mittelständische Unternehmen in der Krise rund 75 Milliarden Euro eingebüßt haben. Dies entspricht zwei Prozent der Jahreserlöse. 2,2 Millionen Mittelständler, etwa 58 Prozent aller mittelständischen Unternehmen, klagten im März über Umsatzeinbußen wegen der Corona-Krise. Durchschnittlich ging den Unternehmen dabei die Hälfte des zu erwartenden Umsatzes verloren. Trotzdem planen die meisten der Firmen keinen nennenswerten Stellenabbau. Eine Umfrage der Wirtschaftsauskunftei Creditreform ergab sogar, dass fast jedes Vierte Unternehmen in der nächsten Zeit neue Mitarbeiter anstellen will.
rp-online.de

EU plant massive Hilfen für die Autoindustrie: Die EU-Kommission will die europäische Autoindustrie in der Krise mit Hilfen in Milliardenhöhe unterstützen. Laut EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton sollen 10 Prozent des geplanten europäischen Wiederaufbauprogramms für den Mobilitätssektor verwendet werden. Dazu zählen allerdings auch Branchen wie die Bahnindustrie. „Die Autoindustrie gehört zu den am härtesten von der Krise getroffenen Ökosystemen und ist so stark in den europäischen Binnenmarkt integriert wie keine andere“, so Breton. Die EU-Hilfen sollen für die Rettung von betroffenen Unternehmen aber auch für langfristige Projekte wie die vernetzte Mobilität verwendet werden. Breton rechnet für die Autoindustrie mit einem Geschäftseinbruch von 60 Prozent im zweiten Quartal und um 30 Prozent im dritten Quartal. Das europäische Wiederaufbauprogramm, das die Wirtschaft insgesamt mit Hunderten von Milliarden Euro unterstützen soll, wird über die Mitgliedstaaten finanziert, die dafür höhere Beiträge in den EU-Haushalt einzahlen.
handelsblatt.com

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Kommunikation in Zeiten des Coronavirus: Das Coronavirus schränkt unser soziales Leben ein – richtigerweise müssen Menschen vor lebensgefährlichen Infektionen geschützt werden. Wenn Begegnungsräume nicht mehr erreichbar sind, verlieren wir Möglichkeiten zum Austausch und Lernen. Wer nach Verbindung sucht, nutzt digitale Alternativen. Wir unterstützen dabei, Begegnungen online zu schaffen – mit Veranstaltungsstreams können Sie die wichtigen menschlichen Verbindungen dennoch knüpfen.
livestreaming-berlin.tv

DIHK schlägt digitale Tickets für den Einzelhandel vor: Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) will auf digitale Technologien setzen, um Geschäfte möglichst schnell öffnen zu können. „Digitale Lösungen helfen, im Alltag Abstand zu halten, ohne zu Hause bleiben zu müssen“, so ein Konzeptpapier des DIHK, das an Kanzlerin Angela Merkel und Wirtschaftsminister Peter Altmaier übermittelt wurde. Vorstellbar sei beispielsweise, per App Tickets einzuführen, um den Zugang zu Fußgängerzonen, Geschäften und Hotels über Tickets zu begrenzen. Damit könnten sich auch Einkaufszeiten und Dienstleistungen buchen lassen, um Kundenströme zu entzerren und die Ansteckungsgefahr zu verringern. Nicht nur im Einzelhandel könnte die Technologie angewendet werden, auch Restaurants und Cafés könnten so möglicherweise früher öffnen. „Für die Berechnung der aus epidemiologischer Sicht verantwortbaren Auslastung würden die Restaurants entsprechend angeben, wie viele Plätze sie bei Einhaltung der entsprechenden Abstandsregeln anbieten können.“
spiegel.de

Kurzmeldungen
Küchenhersteller Poggenpohl stellt Insolvenzantrag handelsblatt.com
Highend-Storage für den Mittelstand computerwelt.at
Mehr Kurzarbeitergeld und Entlastung Privatversicherter handwerk.com
Auch Mittelstand sagt Nein zu Home-Office br.de
Banken stellen sich auf Nachfrageeinbruch bei Baukrediten einhandelsblatt.com

RAT UND TAT

Start-ups verändern Baubranche: Start-ups drängen immer stärker in die Bauindustrie und verändern diese dank digitaler Methoden. Die alteingesessenen Unternehmen versuchen, auf die neuen Konkurrenten zu reagieren und setzen auf produktunabhängige Dienstleistungen. So startete beispielsweise Schüco, ein Spezialist für Fenster- und Türsysteme mit „Plan One“ ein eigenes Such- und Verkaufsportal für Bauprodukte. Damit will das Unternehmen den Einfluss von Google zurückdrängen und anderen Firmen zuvorkommen. Rund 250 Softwareentwickler kümmern sich bei Schüco neben diesem Projekt auch um ein Programm zur Kalkulation am Bau. Der Heizungsbauer Vaillant setzt auf ein Modell, bei dem Basis-Dienstleistungen kostenlos angeboten werden, während für weitergehende Angebote bezahlt werden muss. Das Unternehmen bietet nun unter anderem kostenlose Produktschulungen an.
handelsblatt.com

Reisebranche droht Insolvenzwelle: Viele mittelständische Reisebüros drohen in der Corona-Krise unterzugehen. Einer Umfrage des Deutschen Reiseverbands (DRV) zufolge sehen sich 60 Prozent der Reisebüros und -veranstalter unmittelbar von der Insolvenz bedroht. 20 Prozent der Unternehmen mussten bereits Mitarbeiter entlassen. Zwar beantragen viele Firmen staatliche Hilfen, einige Unternehmer bemängeln jedoch mit Blick auf die Unterstützung für den Anbieter Tui eine Unverhältnismäßigkeit. „Oben wird Torte gegessen und unten kommen nur Krümel an“, so Rainer Maertens, der Chef eines Reisebüros in Dresden. Der DRV geht davon aus, dass den Unternehmen schon jetzt 4,8 Milliarden Euro Umsatz fehlen und warnt, dass viele Reisebüros die Krise nicht überleben werden, „wenn die Bundesregierung nicht bald einen Schutzschirm über die Branche spannt“.
n-tv.de

Stihl zeigt sich trotz Krise zuversichtlich: Das Familienunternehmen Stihl, das vor allem durch die Produktion von Motorsägen bekannt geworden ist, schlägt sich in der Corona-Krise erstaunlich gut. Die Firma kann eine Eigenkapitalquote von 70 Prozent vorweisen. Mitte März begann Stihl, seine Lager mit Vorprodukten zu füllen. „Wir wollen lieferfähig bleiben, auch wenn die Lagerhaltung Kapital bindet“, so Stihl-Chef Bertram Kandziora. Ganz von der Krise verschont blieb auch Stihl nicht. Das erste Quartal endete nach zwei starken Monaten auf Vorjahresniveau. Seit März verkauft das Unternehmen seine Werkzeuge nun auch online. Mittelfristig sei man optimistisch, so Kandziora.
handelsblatt.com

Strategien der Unternehmen gegen das Virus: In der Krise setzen die Unternehmen auf verschiedene Methoden, um die Infektionszahlen gering zu halten und ihre Angestellten zu schützen. Das Unternehmen TDK in Berlin-Zehlendorf hat eine Wärmebildkamera am Eingang des Firmengeländes installiert, um die Temperatur seiner Mitarbeiter zu messen. Generell gelten die Regeln, die von Arbeitsminister Hubertus Heil vorgestellt wurden: Die Einhaltung des Mindestabstands oder, falls dies nicht möglich ist, die Bereitstellung von Trennwänden und Masken. Die Autobauer setzen zusätzlich auf veränderte Dienstpläne, die eine möglichst hohe Distanz zwischen den Angestellten sicherstellen soll. Beschäftigte bei Audi werden dazu angehalten, direkt in Dienstleistung zur Arbeit zu kommen, statt die Umkleiden zu nutzen. Gegenbauer hat eine Hotline eingerichtet, bei der sich die Angestellten informieren können. Zusätzlich lässt das Unternehmen Masken herstellen und an die Mitarbeiter verteilen. Kleinere Handwerksunternehmen senden ihre Mitarbeiter in Masken zu den Kunden. Ein Betrieb berichtet, nur noch für Notfälle zu kommen, „aber einfache Wartungsarbeiten und Schönheitsreparaturen führen wir in Wohnungen gerade nicht durch. In einem kleinen Bad ist es zu schwer, den Abstand zu wahren.“
tagesspiegel.de

AUS GESPROCHEN

Im Zuge der Feinjustierung und der nun erfolgten ersten Lockerungsschritte zeigten sich allerdings Entwicklungen, die in der breiten Öffentlichkeit und bei der Wirtschaft auf Unverständnis, Missverständnisse und gar Zweifel stießen.

Die Arbeitsgemeinschaft Mittelstand lobt zwar das schnelle und verantwortliche Handeln der Politik, fordert jedoch vor allen Dingen ein abgestimmtes Vorgehen von Bund und Ländern.
handwerksblatt.de

AUS DER REIHE

Jahrmarkt ohne Besucher: Die Absage des Oktoberfests und möglicherweise vieler anderer Volksfeste bereitet den Schaustellern derzeit große Sorgen. Im niederländischen Apeldoorn haben Veranstalter einen Jahrmarkt aufgebaut, um zu testen, ob und wie sich Gesundheitsvorschriften und Vergnügen vereinen lassen. In den Niederlanden finden jährlich normalerweise mehr als 1400 Volksfeste, Kirmessen und Jahrmärkte statt. Rund 1000 Schaustellerfamilien mit rund 4000 Angestellten wären von möglichen Schließungen betroffen.
spiegel.de