KW 16: Condor-Übernahme geplatzt, Adidas erhält Milliardenkredite, Opec drosselt Erdölförderung

Liebe Mittelständler,
nichts ist so schlecht, dass es nicht auch für etwas gut ist. Das gilt sogar für die Pandemie, die wir alle gerade durchmachen. Denn Not macht erfinderisch. Zu der ohnehin vorhandenen Kreativität des Mittelstands gesellt sich bei vielen Selbständigen immer stärker die Erkenntnis, dass man in schweren Zeiten zusammenrücken und auch etwas geben muss, egal ob man etwas zurückbekommt. So gründen sich immer neue Netzwerke, in denen man trotz Home Office aufeinander zugehen kann, zum Beispiel die Initiative „Mittelstand goes Home-Office“  die aus dem von der Bundesregierung initiierten Hackathon #WirVsVirus am 20. März 2020 hervor gegangen ist, oder die „Mittelstandsgemeinschaft“ um den Reutlinger Unternehmer Felix Anrich. COVID-19 kann der Anlass für dieses Engagement gewesen sein, aber nicht der einzige Grund für diesen Zusammenhalt.
 
Zusammenhalt brauchen auch diejenigen Mittelständler, die von Creditreform, Schufa & Co. in ihrer Bonität herabgestuft werden, weil sie Corona-Hilfen in Anspruch nehmen. Diese privaten, weitgehend unreguliert und unkontrolliert agierenden Wirtschaftsauskunfteien bleiben auch auf Nachfrage wortkarg und undurchsichtig. Wir sammeln weiter Beispiele für deren fragwürdiges Verhaltenen in der Corona-Krise und nehmen Zuschriften weiterhin gerne unter mittelstand@thomaspreiter.de entgegen, um die Politik zum genaueren Hinsehen zu motivieren. Vielen Dank für alle bisherigen Mails.

Ihr
Thomas Philipp Reiter

AUS POLITIK UND WIRTSCHAFT

Condor-Übernahme geplatzt: Im Januar hatte PGL, die Muttergesellschaft der polnischen Fluglinie Lot, einen Kaufvertrag für die Übernahme des Urlaubsfliegers Condor unterzeichnet. Condor hatte daher auch keine Verlängerung des KfW-Kredits beantragt, der die Fluggesellschaft über den Winter finanzieren sollte – der Kredit lief am 15. April ab. Wegen der Coronakrise wird aus dem Deal jedoch nichts. Lot muss voraussichtlich selbst auf Staatshilfen zurückgreifen, zudem ist die gesamte Flugbranche zum Erliegen gekommen. Zwei Szenarien werden für die Rettung Condors diskutiert – eine Treuhand könnte das Unternehmen bis zu einem späteren Verkauf vorerst führen oder der Staat beteiligt sich an der Airline. Die Condor-Mitarbeiter fordern das Eingreifen des Staats, um die Fluggesellschaft und die Arbeitsplätze zu retten.
tagesschau.de, spiegel.de, handelsblatt.com

Adidas erhält Milliardenkredite: Der zweitgrößte Sportartikelhersteller der Welt, Adidas, ist wegen der Coronakrise in wirtschaftliche Probleme gerutscht. Durch die Ladenschließungen hat das Unternehmen allein in China binnen weniger Wochen einen Verlust von einer Milliarde Euro verbucht. Nun erhält Adidas 2,4 Milliarden Euro von der KfW-Bank und zusätzlich 600 Millionen Euro von sieben weiteren Banken. Im Gegenzug für den KfW-Kredit setzt Adidas das Aktienrückkaufprogramm aus, die Dividende wird gestrichen solange der Kredit läuft und der Vorstand verzichtet im laufenden Jahr auf alle Boni. Wie hart Adidas von der Corona-Pandemie betroffen ist, wird das Unternehmen am 27. April zeigen – dann werden verzögert die Quartalszahlen präsentiert.
spiegel.de, faz.net

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Präzision aus Tradition: Das Uhrenwerk Weimar stellt seit 1950 Präzisionstechnik und Feinmechanik für Zeitmesser her. 2017 feierte die Thüringer Traditionsmarke Wiedergeburt. Mit den Armbanduhr-Modellen „Henry van de Velde“, „Luftbrücke Berlin“ und „Royal Union“ wurde ein neues Kapitel aufgeschlagen. Erleben Sie 2020 mit der ersten Automatikuhr „Palaemon“, was an Design und Technik aus Weimar möglich ist. Mehr Infos zum Uhrenwerk Weimar und seinen Modellen findet man unter www.uhrenwerk-weimar.de oder per Mail unter palaemon@weimar.watch

Milchbauern befürchten tiefe Einschnitte: Laut Bundesverband Deutscher Milchviehhalter liegt Milchproduktion in Deutschland gegenwärtig bei drei bis fünf Prozent über der Nachfrage, was zu einem merklichen Preisverfall führte. Der Liter Milch kostet mittlerweile lediglich 31 Cent pro Liter – 2019 hielt sich der Preis bei deutlich über 32 Cent. Zwar ist die Nachfrage an Milchprodukten von Privatkunden in Supermärkten in den vergangenen Wochen gestiegen, jedoch sind Einkäufe und Bestellungen aus der Gastronomie weggebrochen. Der Branchenverband empfiehlt Bauern die Milchproduktion zu drosseln, indem sie den Kraftfutteranteil für die Kühe verringern. Die Befürchtung besteht, dass eine signifikante Zahl der Milchbauern ihre Wirtschaft aufgibt – im vergangenen Jahr schlossen fünf Prozent der Milchbetriebe.
tagesschau.de

Opec drosselt Erdölförderung: Die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) hat entschieden, in den Monaten Mai und Juni 9,7 Millionen Barrel Erdöl weniger pro Tag zu fördern. Da wegen der Coronakrise die Nachfrage an Kerosin und Benzin eingebrochen ist, fiel der Preis des Barrels von 60 auf 25 Dollar. Mit geringeren Fördermengen wollen die Ölstaaten dagegen vorgehen. Dass die Entscheidung so lange dauerte, liegt daran, dass es zunächst einen Konflikt zwischen Saudi-Arabien und Russland gab und später Mexiko der Plänen zustimmte. Nachdem die USA Mexiko jedoch entgegenkamen und zusagten, 250.000 Barrel pro Tag weniger zu fördern, stimmte das Land der Drosselung zu. US-Präsident Donald Trump lobte den Beschluss, da dieser „viele Jobs retten“ würde.
spiegel.de, n-tv.de

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Kommunikation in Zeiten des Coronavirus: Das Coronavirus schränkt unser soziales Leben ein – richtigerweise müssen Menschen vor lebensgefährlichen Infektionen geschützt werden. Wenn Begegnungsräume nicht mehr erreichbar sind, verlieren wir Möglichkeiten zum Austausch und Lernen. Wer nach Verbindung sucht, nutzt digitale Alternativen. Wir unterstützen dabei, Begegnungen online zu schaffen – mit Veranstaltungsstreams können Sie die wichtigen menschlichen Verbindungen dennoch knüpfen.
livestreaming-berlin.tv

VW-Vergleich überzeugt 95 Prozent der Kunden: Eine große Mehrheit der 262.000 von der Dieselaffäre betroffenen Kunden haben die Option gewählt einen Vergleich mit Opel einzugehen. 95 Prozent haben bereits einen Antrag auf Entschädigungszahlungen gestellt. Je nach Modell können die Kunden zwischen 1350 und 6257 Euro erhalten, weil sie unter falschen Angaben zum Schadstoffausstoß ein VW-Fahrzeug gekauft hatten. Anträge für den Vergleich können noch bis zum 20. April gestellt werden. Volkswagen hat insgesamt 830 Millionen Euro für die Entschädigungszahlungen mobilisiert und verspricht Auszahlungen innerhalb von 12 Wochen. Wer sich nicht für den Vergleich entscheidet, kann in einem individuellen juristischen Prozess gegen Volkswagen vorgehen und auf höhere Entschädigungszahlungen klagen. Diese Option dürfte jedoch langwierig sein.
manager-magazin.de, handelsblatt.com

Kurzmeldungen

Tausende Bankkunden beantragen Zahlungsaufschub zeit.de
Urlauber bekommen doch Bargeld faz.net
Goldpreis auf höchstem Stand seit Jahren n-tv.de
Bundesländer dringen auf mehr Hilfe für die Autoindustrie faz.net
Startups bauen Corona-App für Deutschland n-tv.de
Volkswagen fordert Konjunkturprogramm spiegel.de

RAT UND TAT

KfW-Schnellkredite für Mittelstand verfügbar: Seit dem 15. April kann der Mittelstand im Schnellverfahren Kredite bei der KfW-Bank beantragen. Für Unternehmen mit 11 bis 49 Mitarbeitern können 500.000 Euro beantragt werden, für größere mittelständische Unternehmen hingegen 800.000 Euro. Die Anträge können bei der Hausbank gestellt werden, die Zahlungen sollen am 28. April beginnen. Die Bedingung für die Schnellkredite ist, dass die Unternehmen bis zum 31. Dezember 2019 nicht in wirtschaftlichen Schwierigkeiten gewesen sein dürfen – Altschulden und schlechtes Wirtschaften sollen nicht ausgeglichen werden, lediglich die Folgen der Corona-Pandemie und der wirtschaftlichen Konsequenzen. Zudem soll das Unternehmen in den vergangenen drei Jahren im Schnitt Gewinn erzielt haben. Der Bund haftet dabei bei den Krediten, da weitere Risikoprüfungen ausbleiben.
hessenschau.de

Großes Effizienzpotenzial im Rechnungswesen durch Digitalisierung: Eine höhere Geschwindigkeit, weniger Fehler, klare Interpretationen – die Digitalisierung bietet viele Vorteile für das Rechnungswesen. Diese können sich auch positiv auf die Unternehmensausgaben auswirken. Markus Kreher, Head of Finance Advisory bei der KPMG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, empfiehlt Zeit und Ressourcen einzuplanen, um Mitarbeiter zu schulen, um digitale Lösungen leichter einsetzen zu können. Viele mittelständische Unternehmen haben Schwierigkeiten damit digital affine Mitarbeiter zu finden, daher sollten die fundamentalen Kenntnisse im eigenen Unternehmen gefördert werden, um Effizienzmaßnahmen umzusetzen.
marktundmittelstand.de

Hacker zielen immer häufiger auf Homeoffice-Strukturen: Die Hacking-Fälle in Deutschland mehren sich seitdem ein beachtlicher Teil der Arbeitnehmer wegen der Coronakrise aus dem Homeoffice arbeiten. Unternehmen haben zum Teil ihre Sicherheitsstandards heruntergefahren, damit Mitarbeiter auf die digitale Infrastruktur vom heimischen Büro zugreifen können – mit fatalen Folgen. Mittlerweile gab es Erpressungen in mittelständischen Unternehmen und auch digitale Systeme wurden zum Teil durch Phishing-Angriffe lahmgelegt. Die meisten Unternehmen schickten ihre Mitarbeiter unvorbereitet in das Homeoffice und hatten keine Zeit Endgeräte zu sichern, sodass viele Menschen mit ihren privaten Geräten arbeiten.
ndr.de

Mittelstand soll leichteren Zugang zu Privatkapital erhalten: Die Hamburger „Initiative zur Stärkung des Eigenkapitals im deutschen Mittelstand“ will mittelständischen Unternehmen mit einem Umsatz zwischen fünf und 100 Millionen pro Jahr dabei unterstützen, Privatkapital zu finden. Über eine Plattform sollen private Investoren und Unternehmen zusammenfinden, um den gegenwärtigen wirtschaftlichen Druck durch die Coronakrise abzufedern. Hinter der Idee steht die Plattform Companylinks, die sich darauf spezialisiert hat, potenzielle Nachfolger und Unternehmen zusammenzuführen.
absatzwirtschaft.de

AUS GESPROCHEN

Vor allem der Umstieg auf umweltfreundliche Antriebe kann damit wesentlich beschleunigt und die Automobilindustrie im Strukturwandel unterstützt werden.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil fordert eine Auto-Kaufprämie, um die Automobilindustrie zu stützen und gleichzeitig Investitionen in ressourcenschonende Antriebe zu ermöglichen.
spiegel.de

AUS DER REIHE

Teslas Aktienkurs fast verdoppelt: Während die Auto- und Zuliefererbranche unter der Coronakrise stark leidet und mit massiven Umsatzeinbrüchen rechnen muss, ist die Stimmung bei Tesla gut: der Aktienkurs verdoppelte sich fast innerhalb von vier Wochen. Der Grund: viele Anleger gehen davon aus, dass im Kampf um die Antriebstechnologien der Zukunft Tesla den Vorsprung zu konventionellen Mitbewerbern ausbauen wird. Gerade Autobauer, die bisher ausschließlich auf klassische Verbrennungsmotoren gesetzt haben, werden es schwer haben, für Forschung und Entwicklung die notwendigen Ressourcen zu mobilisieren.
manager-magazin.de