KW 15: Keine Soforthilfen mehr aus Berlin, Bundesregierung startet neues Programm für den Mittelstand, Wie schlimm wird die Krise für die Autoindustrie?

Liebe Mittelständler,
unserer Redaktion liegt die Selbstauskunft eines mittelständischen Unternehmers vor, die er über sich selbst bei der Wirtschaftsauskunftei „Creditreform“ eingeholt hat. Dieser Unternehmer ist von der staatlich verordneten Schließung seines Ladengeschäfts betroffen. Von heute auf morgen bezieht er aufgrund amtlicher Verfügung keine Einnahmen mehr, Kosten laufen jedoch weiter auf. Bundes- und Landesregierung versprachen zu helfen, zum Beispiel mit einem Schnellkredit. Doch was macht „Creditreform“? Notiert, dass das Unternehmen „direkt/indirekt von den Folgen behördlicher Maßnahmen und Empfehlungen zur Reduzierung von Corona-Infektionsrisiken betroffen“ sei, Hilfen von EU/Bund/Ländern zur Verfügung stehen, aber die „weitere Entwicklung bleibt abzuwarten“ und stuft die Firma von „gute Bonität“ auf „mittlere Bonität“ herab. „Creditreform“ und mutmaßlich auch die „Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung (Schufa)“ ignorieren bei ihren Einschätzungen völlig, was derzeit um sie herum geschieht. Der ohnehin für Außenstehende völlig undurchsichtige Algorithmus greift unverändert und lässt Mittelständler aufgrund von Corona-Verfügungen weniger kreditwürdig dastehen. Was dies für Unternehmer und Selbständige bedeutet, die ohnehin einer wackeligen Perspektive und mutmaßlicher Rezession entgegensehen, kann sich jeder ausmalen, ist „Creditreform“ und „Schufa“ aber egal. Hier ist die Politik gefordert: sie muss diesen privatwirtschaftlichen Privatunternehmen, die andere Unternehmen und Karrieren Selbständiger mit ihrer Marktmacht zum Scheitern bringen können, gerade jetzt viel strenger auf die Finger sehen. Die Unternehmen müssen endlich ihre mathematischen Formeln offenlegen und den Faktor „staatliche Zwangsmaßnahme“ einbauen – zu Gunsten des Mittelstands.
Haben auch Sie schlechte Erfahrungen mit Wirtschaftsauskunfteien im Umfeld von Corona gemacht? Schreiben Sie uns: mittelstand@thomaspreiter.de. Wir wollen helfen, die Politik in dieser Sache in die Verantwortung zu nehmen.

Ihr
Thomas Philipp Reiter

AUS POLITIK UND WIRTSCHAFT

Keine Soforthilfen mehr aus Berlin: Schneller als gedacht ist das Geld für die wirtschaftlichen Landeshilfen Berlins ausgegangen. Noch einige Tage zuvor riefen zuständige Politiker die kleinen Unternehmen dazu auf, den Riesenandrang bei der Beantragung zu vermeiden. Insgesamt 151.000 Anträge wurden bis dahin bewilligt. 1,336 Milliarden Euro zahlte Berlin aus. Nachdem die Beantragungen am Mittwoch gestoppt wurden, kann ab diesem Montag zwar wieder Geld beantragt werden, dieses stammt nun jedoch nur noch aus dem Topf des Bundes. Dieses Geld wurde zuvor von Berlin mit je 5000 Euro aufgestockt. Die Unternehmen, die nun Geld beantragen, bekommen damit statt 14.000 Euro nur noch 9000 Euro. Die Industrie- und Handelskammer geht allerdings davon aus, dass ein Großteil der kleinen Unternehmen ihre Anträge bereits gestellt haben und damit auch von den Zuschüssen Berlins profitieren konnten.
handelsblatt.com

Bundesregierung startet neues Programm für den Mittelstand: Um dem Mittelstand durch die Corona-Krise zu helfen, plant die Bundesregierung ein neues Programm. Indem Banken künftig nicht mehr die wirtschaftliche Perspektive er Kreditnehmer überprüfen, sollen kleinen Firmen schneller an Kredite gelangen. Das Ausfallrisiko bei Krediten von bis zu 800.000 Euro soll dabei der Staat übernehmen. Bisher trug die KfW bis zu 90 Prozent des Kreditrisikos. Die Kredite für die Firmen sollen drei Monatsumsätze aus dem vergangenen Jahr betragen, wobei die Obergrenze für Unternehmen mit elf bis 49 Mitarbeitern bei 500.000 Euro liegt. Unternehmen mit mehr Angestellten bekommen bis zu 800.000 Euro. Voraussetzung für den Bezug der Kredit ist der Nachweis, dass betroffene Unternehmen in den vergangenen drei Jahren Gewinne erzielen konnten, also nicht schon vor der Corona-Pandemie in der Krise steckten.
wiwo.de

ANZEIGE

Präzision aus Tradition: Das Uhrenwerk Weimar stellt seit 1950 Präzisionstechnik und Feinmechanik für Zeitmesser her. 2017 feierte die Thüringer Traditionsmarke Wiedergeburt. Mit den Armbanduhr-Modellen „Henry van de Velde“, „Luftbrücke Berlin“ und „Royal Union“ wurde ein neues Kapitel aufgeschlagen. Erleben Sie 2020 mit der ersten Automatikuhr „Palaemon“, was an Design und Technik aus Weimar möglich ist. Mehr Infos zum Uhrenwerk Weimar und seinen Modellen findet man unter www.uhrenwerk-weimar.de oder per Mail unter palaemon@weimar.watch

AG-Mittelstand lobt Hilfe der Bundesregierung: Die Arbeitsgemeinschaft Mittelstand lobte die Maßnahmen der Bundesregierung, um den Mittelstand in der Corona-Krise zu unterstützen. Diese hatte zuvor erklärt, künftig zu 100 Prozent für das Ausfallrisiko bei Krediten aufzukommen. Dies habe dabei geholfen, die Mittelstandslücke fast vollständig zu schließen. Gleichzeitig stellte die AG noch einige weitere Forderungen, um „das mittelständische Rückgrat der deutschen Wirtschaft zu erhalten“. Die AG fordert, eine bundesweite Angleichung der nichtrückzahlbaren Liquiditätszuschüsse vorzunehmen und die Anwendung der Stundung von Sozialversicherungsbeiträgen bei allen Krankenkassen. Auch solle das Kurzarbeitergeld schnellstens durch die Bundesagentur für Arbeit ausgezahlt werden. Zuletzt wünscht sich die AG eine Debatte über eine verantwortungsvolle Exit-Strategie, um die Krise möglichst bald zu überwinden.
handwerksblatt.de

Mittelstand produziert medizinische Ausrüstung: Immer mehr mittelständische Unternehmen stellen auf die Produktion von Medizinprodukten wie Atemschutzmasken, Coronatests oder Beatmungsgeräte um. So auch das Biotechunternehmen Centogene aus Rostock, das bis zu 10.000 Corona-Testkits pro Tag baut. Arndt Rolfs, der Gründer der Firma, hatte eine Anzeige in einigen Zeitungen geschaltet, da ihm der wachsende Bedarf nach den medizinischen Produkten auffiel. Auf seinen Aufruf, ebenfalls in die Produktion einzusteigen, meldeten sich mehr als 300 Firmen, die vor allem anboten, Atemschutzmasken herzustellen. Von der Regierung wünscht sich der Unternehmer eine Koordinierung der Abnahme der Produkte. Die Tests, die Centogene selbst entwickelt hat, müssen allerdings noch von der WHO zertifiziert werden, was einige Wochen dauern kann.
handelsblatt.com

ANZEIGE

Kommunikation in Zeiten des Coronavirus: Das Coronavirus schränkt unser soziales Leben ein – richtigerweise müssen Menschen vor lebensgefährlichen Infektionen geschützt werden. Wenn Begegnungsräume nicht mehr erreichbar sind, verlieren wir Möglichkeiten zum Austausch und Lernen. Wer nach Verbindung sucht, nutzt digitale Alternativen. Wir unterstützen dabei, Begegnungen online zu schaffen – mit Veranstaltungsstreams können Sie die wichtigen menschlichen Verbindungen dennoch knüpfen.
livestreaming-berlin.tv

Company Links will Unternehmer und Investoren vernetzen: Hans-Jörg Schmidt-Trenz baut derzeit zusammen mit Matthias Wittenburg unter dem Namen Company Links eine Plattform auf, mit dem Ziel, Unternehmer auf Nachfolgesuche und potenzielle Käufer zusammenzubringen. Krisen könnten für Unternehmer die Chance bieten, zusätzliches Kapital beispielsweise für Beteiligungen oder Mezzaninekapital zu finden. Das Angebot richte sich besonders an Mittelständler mit einem Umsatz zwischen fünf und 100 Millionen Euro. Für die Plattform haben die Entwickler eine Investoren-Datenbank aufgebaut. Gibt es einen Deal, der über die Plattform abgewickelt wird, zahlen die Verkäufer an Company Links. Neben Company Links bringt sich derzeit auch Carl Finance mit einem ähnlichen Service in Stellung. Der Dienst soll in der Lage sein, innerhalb von 24 Stunden den ersten Kontakt zu einem Investor herzustellen.
handelsblatt.com

Kurzmeldungen
Regierung verschärft Kontrolle ausländischer Übernahmen spiegel.de
Kredite sind gut gemeint, aber der Mittelstand kann sich keine leisten tagesspiegel.de
Telemedizin-Start-up HelloBetter profitiert von der Angst vor Corona handelsblatt.com

RAT UND TAT

Wie schlimm wird die Krise für die Autoindustrie? Die deutsche Autoindustrie wurde von den wirtschaftlichen Auswirkungen stark getroffen. Neben den Autobauern leiden auch die Zulieferer unter Fabrikschließungen und Engpässen in den Lieferketten. Alle Akteure in der Branche hoffen daher auf einen schnellen Exit aus der derzeitigen Situation. Stefan Bratzel, der Direktor des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch-Gladbach geht davon aus, dass dem globalen Automarkt für 2020 ein Einbruch um 17 Prozent bevorsteht. Der europäische Markt sei dabei besonders betroffen.  Laut der Boston Consulting Group könne es in naher Zukunft zu zwei möglichen Szenarien für die Autobranche kommen. Das erste Szenario rechnet mit einem weltweiten Rückgang um 16 Prozent für 2020 und um vier Prozent für 2021. Das zweite Szenario geht von einem längeren Verlauf der Krise aus. Dann könnte die Nachfrage 2020 um 23 Prozent und 2021 um 6 Prozent einbrechen. Wichtig sei laut Bratzel in jedem Fall, die systemrelevanten Akteure, also Autobauer, Zulieferer und Händler zu schützen. Vor allem die Automobilnachfrage werde in der nächsten Zeit ein sensibles Thema werden.
wiwo.de

Corona-Krise in New York trifft viele deutsche Start-ups: In den vergangenen Jahren zogen rund 100 deutsche Start-ups nach New York, um auf dem US-Markt mitzumischen. Die Vorteile lagen dank vieler Investoren und guten Kontakten und Großkunden auf der Hand. In der Corona-Krise, in der New York besonders stark betroffen ist, brechen vielen deutschen Unternehmen in den USA nun die Kunden weg. Christian Busch leitet den German Accelerator in New York. Das Förderprogramm für Jungunternehmer wurde eigentlich gegründet, um deutschen Start-ups den Weg für den US-Markt zu ebnen. Nun kümmert sich das Programm darum, den Unternehmen durch die Krise zu helfen. Viele Investoren hätten sich schlagartig zurückgezogen und würden sich nur noch auch ihr bestehendes Portfolio konzentrieren, so Busch. Für viele Jungunternehmer sei die Corona-Pandemie die erste Krise, die sie am Markt erlebten. „Die meisten waren 2008 gerade einmal an der Universität.“
handelsblatt.com

Kurzarbeit verhindert Wirtschaftseinbruch: Die Kurzarbeit könnte einen wesentlichen Teil dazu beigetragen haben, dass die Wirtschaftsleistung in Deutschland nicht einbricht. Zu diesem Schluss kommt eine Vergleichsrechnung von IW Consult im Auftrag der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw). Der Einbruch der Wirtschaftsleistung hätte sich demnach fast halbiet im Vergleich mit einem Szenario ohne Kurzarbeit. Laut vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt liege dies vor allen Dingen daran, dass nach der Krise die Produktion schneller hochgefahren werden könnte. In Ländern, in denen es dieses Instrument nicht gibt, müssten Arbeitnehmer erst neu eingestellt werden.
zeit.de

Unternehmen dürfen für Zulieferer bürgen: Deutschen Unternehmen ist es Bafin-Präsident Felix Hufeld zufolge gestattet, Zulieferer mit Garantien oder Bürgschaften zu unterstützen. Hufeld sagte, Stellung von Bürgschaften sei zwar grundsätzlich Garantiegeschäft und damit Kreditinstituten vorbehalten. Tritt ein Unternehmen für einen Zulieferer als Bürge ein, sei dies jedoch eine Konstellation, „die nach Auffassung meines Hauses unter dem Gesichtspunkt des Merkmals ‚Übernahme für andere’ aus dem Tatbestand des Garantiegeschäfts scheiden kann“. Um zu zeigen, dass der Bürge damit sein eigenes Geschäft schützen will, solle er dokumentieren, dass er für die Bürgschaft kein Geld erhebt.
handelsblatt.com

AUS GESPROCHEN

Die Weigerung des Berliners Senats, Zuschüsse an Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitern zu zahlen, ist eine schallende Ohrfeige für die mittelständischen Unternehmen und ihre Hunderttausende Beschäftigte.

Beatrice Kramm, die Präsidentin der Berliner IHK, über die Entscheidung Berlins, keine Soforthilfen an Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitern zu zahlen.
handelsblatt.com

AUS DER REIHE

Baumärkte zahlen weniger Miete, weil Kunden unter Druck geraten: Viele Unternehmen machten in der letzten Zeit Schlagzeilen, weil sie ankündigten, keine oder nur noch unter Vorbehalt Miete zu zahlen. Auch die großen Baumarktketten wie Obi und Hagebau hatten solche Maßnahmen getroffen, obwohl sie in vielen Bundesländern nicht von den Schließungen betroffen waren. Das Unternehmen Hagebau bat seine Lieferanten um eine spätere Zahlung, dies laut einem Sprecher vor allem auf Druck der eigenen Kunden. „Unsere Handwerkerkunden fragen nach Sonderlösungen für Zahlungsbedingungen.“ Viele Kunden würden sich derzeit um die Zahlungen ihrer Bauherren sorgen. Man habe versucht, den Wünschen der Kunden „mit Augenmaß zu entsprechen.“
spiegel.de