KW 15: So wenige Auszubildende wie noch nie seit der Wiedervereinigung, Wirtschaftsverbände kritisieren Testpflicht für Unternehmen und wollen Klage einreichen, Kabinett einigt sich auf bundesweite Notbremse-Regelung

AUS POLITIK UND WIRTSCHAFT

So wenig Auszubildende wie nie zuvor: Die Pandemie macht sich auch auf dem Ausbildungsmarkt bemerkbar. 2020 haben so wenige Menschen wie noch nie seit der Wiedervereinigung einen Ausbildungsvertrag abgeschlossen – rund 465.200. Dies entspricht einem Rückgang um 9,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das teilte das Statistische Bundesamt gestern mit.
Zwar sinken die Azubi-Zahlen seit Jahren, doch normalerweise nicht in so großen Schritten. Der Rückgang war 2020 sogar noch größer als nach der Finanzkrise 2009. Damals sank die Quote um 7,6 Prozent.
„Azubis, die jetzt nicht ausgebildet werden, fehlen in der Zukunft als Fachkräfte“, erklärte der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Hans Peter Wollseifer der Deutschen Presse-Agentur.
Besonders auffällig: bei den Frauen ist die Zahl der Neuverträge in der dualen Ausbildung stärker zurückgegangen ist (um 10,2 Prozent) als bei den Männern (minus 8,9 Prozent). Rund ein ein Drittel aller neuen Ausbildungsverträge sei 2020 von Frauen und knapp zwei Drittel von Männern abgeschlossen worden.
Es gibt auch regionale und branchenabhängige Tendenzen: In Hamburg ging die Zahl der neu abgeschlossenen Verträge besonders stark zurück. Während die Landwirtschaft sich über einen leichten Zuwachs um 500 Verträge freuen darf, sank die Zahl in allen übrigen Branchen zum Teil erheblich, insbesondere in Industrie und Handel.
tagesschau.de

Wirtschaftsverbände kritisieren Testpflicht für Unternehmen: Nachdem Wirtschaftsminister Peter Altmaier seinen Widerstand gegen entsprechende Pläne des Koalitionspartners SPD aufgegeben hat, wird die Testpflicht für Unternehmen bald beschlossen werden. Demnach müssen Betriebe, deren Mitarbeiter nicht von zuhause aus arbeiten können, diesen mindestens einen Corona-Test pro Woche anbieten und selbst für die Kosten aufkommen. Derzeit bekämen nach Angaben von Arbeitsminister Hubertus Heil vier von zehn Beschäftigten in Präsenzarbeit kein Testangebot, eine Lücke, die schnell geschlossen werden müsse. Auch die Gewerkschaften hatten sich in den vergangenen Wochen angesichts der unzureichenden freiwilligen Testpraxis für eine solche Pflicht ausgesprochen. Dagegen liefen Teile der Wirtschaft Sturm. BDA-Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter interpretierte den Beschluss als „Misstrauenserklärung gegenüber den Unternehmen“, Arbeitgeber-Präsident Rainer Dulger beklagte eine „Bürokratielast“.
Markus Jerger, Bundesgeschäftsführer des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW), kündigte an, gegen die geplante Testpflicht klagen zu wollen: „Dagegen muss und wird der Mittelstand sich wehren. Wir bereiten als Verband gerade die dafür erforderlichen rechtlichen Schritte vor.“
theeuropean.de, zeit.de, n-tv.de

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Mit Schwung aus der Pandemie – Tipps und Tricks für den Onlinehandel: Die Corona-Pandemie sorgte für einen beispiellosen Boom beim Onlinehandel. Mittlerweile hat auch die kleine Boutique von nebenan den E-Commerce für sich entdeckt. Doch gerade wenn aus der vermeintlichen Notlösung plötzlich ein nachhaltiges Geschäftsmodell wird, ist professionelle Beratung unumgänglich. Welche steuerlichen Fallstricke es zu umgehen gilt, was sich durch die EU-weite Umsatzsteuerreform im Sommer für Onlinehändler verändert und was es mit dem One-Stop-Shop-System auf sich hat, darüber haben wir mit Nadja Müller und Saravanan Sundaram von fynax, dem Steuerfachberater für E-Commerce bei der ETL, gesprochen. youtube.com

Kabinett einigt sich auf bundesweite Notbremse-Regelung: Am Dienstag hat das Kabinett eine Änderung des Infektionsschutzgesetzes beschlossen. Demnach soll die sogenannte Notbremse bei hohen Corona-Inzidenzen bundesweit verbindlich eingeführt werden. Sollte in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt an drei aufeinanderfolgenden Tagen die Sieben-Tage-Inzidenz über 100 liegen, ist unter anderem eine nächtliche Ausgangssperre zwischen 21 Uhr und fünf Uhr morgens vorgesehen. Bis die Notbremse in Kraft tritt, wird noch etwas Zeit vergehen: Der Bundestag will nächsten Mittwoch darüber entscheiden. Nach Angaben der parlamentarischen Geschäftsführerin der Grünen-Fraktion, Britta Haßelmann, werde es aber noch deutlich länger dauern, bis die Änderungen am Infektionsschutzgesetz wirksam würden.
Für die bereits am härtesten von den Corona-Maßnahmen betroffenen Branchen der deutschen Wirtschaft bedeutet die Einigung des Kabinetts ebenfalls weitere Einschränkungen. So müssten mancherorts wieder geöffnete Kultur- und Freizeiteinrichtungen wie Theater, Museen oder Zoos bei einer entsprechenden Inzidenz wieder schließen. Ausgenommen seien nur Geschäfte des täglichen Bedarfs. Auch Übernachtungsangebote zu touristischen Zwecken würde die Notbremse untersagen. Friseure dürften hingegen weiter offen bleiben.
Kritik an den geplanten Maßnahmen kam postwendend vom Einzelhandelsverband HDE. Hauptgeschäftsführer Stefan Genth wies die Pläne unter Verweis auf eine Einschätzung des RKI, wonach vom Einzelhandel nachweislich keine erhöhte Infektionsgefährdung ausgehe, als „unverhältnismäßig“ zurück.
tagesschau.de, n-tv.de, tagesspiegel.de

Deutsches Blockchain-Startup Immutable Insight freut sich über Investoren aus Familienunternehmen: 2019 wagte Katharina Gehra gemeinsam mit dem Physiker Volker Winterer und der Datenspezialistin Giyun Jeong den Sprung in die Selbstständigkeit und gründete das Blockchain-Startup Immutable Insight. Anfangs noch auf Analyse und Beratung fokussiert, öffnete sich das Unternehmen mehr und mehr dem Thema Blockchain. Besonders wichtig ist Immutable Insight die Zusammenarbeit mit dem Mittelstand. Umso erfreulicher das Ergebnis der neuesten Finanzierungsrunde: Einige Mitglieder deutscher Unternehmensfamilien steigen bei dem Startup ein. Darunter: Der Erbe des SAP-Gründers Dietmar Hopp, Daniel Hopp.
„Wir haben uns extra Investoren aus Familienunternehmen gesucht, um mehr Verbindungen in die deutsche Industrie zu bekommen“, erklärte Gehra gegenüber finance fwd. Woran sich das Startup konkret beteiligen wird, daran herrscht noch Stillschweigen. Doch klar ist: Neben Analysen setzt Immutable Insight auf einen Blockchain-Fonds, der künftig bis zu 100 Millionen Euro einsammeln soll. „Wir überwachen und analysieren dabei über unsere Algorithmen weltweit und in Echtzeit die Nutzungsdaten von Blockchain-Anwendungen, um das Geld unserer Kunden dort zu investieren, wo die reale Nutzung exponentiell steigt“ so Katharina Gehra.
financefwd.com

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european-circle.de

Sachsen-Anhalt will Bürokratieaufwand für mittelständische Unternehmen verringern: Das Wirtschaftsministerium Sachsen-Anhalt hat einen sogenannten „Test“ für kleine und mittlere Unternehmen erarbeitet, mit dessen Hilfe die Auswirkungen von beispielsweise Rechts- und Verwaltungsvorschriften auf den Mittelstand noch vor deren Erlass geprüft werden soll. Wie ein Sprecher des Ministeriums erklärte soll der Test dazu dienen, herauszufinden, ob eine geplante Vorschrift mittelstandsrelevant, in allen Bestandteilen notwendig und mit vertretbarem Aufwand umsetzbar sei, oder ob es mittelstandsfreundlichere Alternativen gebe.
Laut Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) sei der Mittelstand ist das Fundament der Wirtschaft in Sachsen-Anhalt: Mehr als 99 Prozent aller Unternehmen dort hätten weniger als 250 Beschäftigte, eine mittelstandsfreundlichere Ausrichtung erscheint wichtig und richtig.
zeit.de

Kurzmeldungen
Von Mittelstand zu New Mittelstand. Für eine gute nachhaltige Zukunftswirtschaft. xing.com
Finanzinvestor Ardian sammelt Milliarden für den Mittelstand ein handelsblatt.com
Klimagespräche – 90 Minuten für den Brandenburger Mittelstand wallstreet-online.de
#DigitalesWirtschaften in Heidelberg: Unterstützung für kleine und mittlere Unternehmen beim Thema Digitalisierung mrn-news.de
Neues Tool soll KMUs bei IT-Sicherheit helfen background.tagesspiegel.de

RAT UND TAT

Mittelstandsparadies Israel? Israel gilt als Hotspot für Technologie und Innovation. Doch während schon viele Großkonzerne – darunter die Deutsche Telekom, Bosch, Daimler und BMW – dort investieren, bleibt der Mittelstand zögerlich. Dabei eilt Israel der Ruf einer absoluten Hightech-Nation voraus, auch der Erfolg von Israels Impfkampagne spricht dafür, dass der Staat große Herausforderungen organisiert und effektiv meistern kann.
Auch dem Mittelstand könnte das Land viel bieten, wie der Deutsche Mittelstands-Bund auf seiner Website schreibt. „Vor allem neue Technologien und Trends sowie sich verändernde Märkte sollten mittelständische Unternehmen dazu veranlassen, Kooperationen mit Start-ups zu suchen, um nicht langfristig hinter nationale wie multinationale Unternehmen zurückzufallen.“
Doch laut einer Bertelsmann-Studie aus dem Jahr 2019 liegt es insbesondere an drei Hürden, dass der Mittelstand sich nur langsam nach Israel vorwagt: Dem mangelnden Marktzugang, dem fehlenden Überblick über die relevanten Akteure auf dem Markt und dem Mangel an internen Ressourcen, um passende Partner zu finden.
An dieser Stelle setzt ELNET an, als es 2020 gegründete, die nicht-staatliche Organisation zur Stärkung der deutsch-israelischen Beziehungen „German Israeli Network of Startups & Mittelstand“, kurz GINSUM, gegründet hat. Das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie unterstützt wird. Das Programm soll zunächst für zwei Jahre laufen und deutsche Mittelständler mit israelischen Start-ups verknüpfen.
marktundmittelstand.de

Mittelstand und KI: Eine Umfrage der Wirtschaftsprüfer von Deloitte unter mehr als 300 Führungskräften mittelständischer Unternehmen hat ergeben, dass Künstlichen Intelligenz bei zwei Dritteln der befragten lediglich eine mittlere bis niedrige Relevanz hat. Ähnlich sieht es bei der Bedeutung für das eigene Geschäftsmodell aus. Rund 58 Prozent sprechen diesem eine niedrige Bedeutung zu. Trotzdem sind 59 Prozent der Befragten der Meinung, dass KI künftig an Bedeutung zunehmen wird, insbesondere in den Bereichen regelbasierte Systeme (45 Prozent), Machine Learning (41 Prozent) und Deep Learning (36 Prozent).
Doch Unternehmer erkennen auch das hohe Potential von KI, insbesondere in den Bereichen Prozessautomatisierung (77 Prozent), effiziente Nutzung von Daten (72 Prozent) und Beschleunigung von Prozessen (66 Prozent).
bigdata-insider.de

Industrieller Mittelstand geht digital gestärkt durch die Krise: Die digitale Transformation der Industrie schreitet weiter voran, welche Technologien Deutschlands Industrie durch die Krise helfen, zeigt der Digitalisierungsindex Mittelstand 2020/21. Digitale Lösungen helfen bei der Wettbewerbsfähigkeit, beispielsweise im Bereich Supply Chain Management und Transparenz.
Eine Umfrage der Analysten von Techconsult im Auftrag der Deutschen Telekom unter mehr als 2.000 kleinen und mittelständischen Unternehmen in Deutschland zeigt: Ein Drittel der Industrieunternehmen in Deutschland ist nach eigenen Angaben bisher gut durch die Zeit der Pandemie gekommen. Auch weil Geschäftsmodell und Prozesse bereits ausreichend digitalisiert waren. Zwar mussten rund 42 Prozent der Industrieunternehmen ihr Geschäftsmodell sowie Produkte und Services in der Pandemie kurzfristig anpassen. Jeder dritte Betrieb musste seine Abläufe digitalisieren, um Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern reibungsloses Homeoffice zu ermöglichen. Investitionen, die sich laut der Umfrage aber schnell bezahlt machen: 90 Prozent der Unternehmen konnten nach eigenen Angaben effizienter und produktiver arbeiten, 80 Prozent stellten eine höhere Zufriedenheit bei Kunden und Partnern fest, 77 Prozent reduzierten ihre Kosten.
industry-of-things.de

Viele KMU nutzen Microsoft Office ohne dringend benötigte Softwareupdates: Laut der neuen KMU-Studie des IT-Dienstleisters Inrtra2net nutzt jedes fünfte KMU die veraltete Version von Microsoft Office „Office 2010“, für die es keine Sicherheits-Updates mehr gibt. Office 2010 ist noch auf 17 Prozent und Office 2007 auf vier Prozent der KMU-Rechner in Nutzung, obwohl Microsoft den Support für beide Softwareversionen längst eingestellt hat. Auch wenn die Nutzung älterer Office-Pakete nachvollziehbar erscheint, ist sie für Unternehmen nur mittelfristig kostengünstiger. Langfristig könnten die durch fehlende Updates entstehenden Sicherheitslücken für Unternehmen zum kostspieligen Risiko werden.
cloudcomputing-insider.de

AUS GESPROCHEN

„Auch wenn aktuell die akuten Probleme des Mittelstands überwiegen und ein Ende der Pandemie noch nicht absehbar ist, darf die Mittelstandspolitik die Post-Corona-Zeit nicht aus den Augen verlieren. Vielmehr sollte schon jetzt nach Wegen gesucht werden, wie die Unternehmen dabei unterstützt werden können, ihre längerfristige Unternehmensentwicklung wieder anzugehen.“
Prof. Dr. Friederike Welter (IfM Bonn/Universität Siegen) während des digitalen Round Table Mittelstand über die aktuellen und die zukünftig notwendigen wirtschaftspolitischen Unterstützungsmaßnahmen.
nachrichten.idw-online.de

AUS DER REIHE

Tesla-Chef Elon Musk ärgert sich über deutsche Bürokratie: Weil auch 16 Monate nach Erstantrag noch keine finale Genehmigung, geschweige denn auch nur ein Zeitplan für die Erteilung einer endgültigen Genehmigung für das geplante Giga-Werk in Grünheide vorliegt, äußerte Tesla-Chef Elon Musk letzte Woche Kritik an der dahinterstehenden Bürokratie. Es sei ein „eklatantes Problem“ sei, dass in solchen Verfahren und Gesetzen Projekte, die den Klimawandel bekämpften, und solche, die ihn beschleunigten, gleichbehandelt würden. Er würde sich wünschen, dass umweltfreundliche Projekte hier bevorzugt behandelt würden.
zeit.de

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