KW 09: Weibliche Wirtschaftsweise, Corona: Industrie fordert politisches Eingreifen, Altmaier: Lockerung der Bonpflicht

Liebe Mittelständler,

gute Nachrichten aus Brüssel: die EU-Kommission will einen hochrangigen Beauftragten für die Interessen kleiner und mittlerer Unternehmen ernennen. Dieser soll dafür sorgen, dass zukünftig auch Mittelstandsinteressen bei Regulierungsfragen berücksichtigt werden. Die Position ist Bestandteil einer neuen KMU-Strategie, die die Kommission am 10. März vorlegen will. Im Gespräch dafür ist unter anderem der frühere EU-Kommissar Günther Oettinger. Zwar betonte dieser gegenüber dem „Handelsblatt“, er sei bislang von der Kommission nicht angesprochen worden. Doch aus Mittelstandsperspektive kann man nur hoffen, dass es dazu kommt: der Schwabe mit besten Beziehungen nach Hamburg weiß, wie man kleine und große Unternehmungen am laufen hält.

Ihr
Thomas Philipp Reiter

AUS POLITIK UND WIRTSCHAFT

Weiblich und weise: Die Regierung hat erste Namen für die Neubesetzung des Rats der Wirtschaftsweisen bekanntgegeben. Die Münchner Wettbewerbsökonomin Monika Schnitzer und die Nürnberger Verhaltensökonomin Veronika Grimm sollen den Sachverständigenrat bereichern. Damit werden seit der Schaffung des Gremiums vor 56 Jahren erstmals zwei Frauen darin sitzen. Der Rat der Wirtschaftsweisen hatte zuletzt vor allem wegen inhaltlichen Differenzen Aufmerksamkeit erregt. Die marktliberale Mehrheit um den Ratsvorsitzenden Christoph Schmidt erteilte Regierungsprogrammen zur Ankurbelung der Konjunktur eine klare Absage. Dagegen rieten Isabel Schnabel und Achim Truger der Regierung, ein Konjunkturpaket vorzubereiten. Außerdem kritisierten sie, die Schuldenbremse verhindere dringend nötige Investitionen. Der Dissens spiegelt sich auch in der Regierung wider. Während die SPD an die Kraft der Investitionen glaubt, vertritt die Union marktliberale Positionen. Es wird erwartet, dass die Wirtschaftsweisen auch in Zukunft pluraler auftreten werden.
sueddeutsche.de

Industrie fordert politisches Eingreifen wegen Corona: Die Sorge vor dem Coronavirus lässt sich nun auch in Europa in wirtschaftlichen Kennzahlen festmachen. Am Montag stürzte der DAX um vier Prozentpunkte nach unten. Dabei verloren sämtliche Unternehmen. In Mailand sanken die Kurse um knapp fünf Prozent. Angesichts dessen hat der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) die Regierung zu einem raschen wirtschaftlichen Krisenmanagement aufgefordert. Die Auswirkungen des Virus seien in Ausmaß und Dauer derzeit überhaupt nicht einzuschätzen, erklärte Hauptgeschäftsführer Joachim Lang. Er befürchtet langfristige Folgen für die Konjunktur. Die Regierung müsse jetzt schnell wirtschaftspolitische Impulse für eine Belebung des Wachstums liefern. Erforderlich sei die politische Einigung noch im ersten Vierteljahr. Wenn sich die große Koalition einzig und allein um parteipolitische Fragestellungen kümmere, sei das zu wenig. Das Wirtschaftsministerium erklärte jedoch, es gäbe keine Planungen für Bürgschaften oder ähnliche Unterstützungsmaßnahmen für Unternehmen. Aus jetziger Sicht seien die Folgen der Epidemie beherrschbar.
sueddeutsche.de, faz.net

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Präzision aus Tradition: Das Uhrenwerk Weimar stellt seit 1950 Präzisionstechnik und Feinmechanik für Zeitmesser her. 2017 feierte die Thüringer Traditionsmarke Wiedergeburt. Mit den Armbanduhr-Modellen „Henry van de Velde“, „Luftbrücke Berlin“ und „Royal Union“ wurde ein neues Kapitel aufgeschlagen. Erleben Sie 2020 mit der ersten Automatikuhr „Palaemon“, was an Design und Technik aus Weimar möglich ist. Mehr Infos zum Uhrenwerk Weimar und seinen Modellen findet man unter www.uhrenwerk-weimar.de oder per Mail unter palaemon@weimar.watch

Altmaier: Lockerung der Bonpflicht: In einem Brief an die Finanzminister der Bundesländer positioniert sich Peter Altmaier für eine Lockerung der Bonpflicht. Bei Einkäufen in sämtlichen Geschäften des täglichen Lebens unter zehn Euro sollen Verkäufer von der Ausgabe des Kassenbons absehen dürfen. In seinem Appell vor der Landesfinanzministerkonferenz am 27. Februar forderte der Wirtschaftsminister, die Verhältnismäßigkeit bei der Umsetzung des Gesetzes zur Bonpflicht zu wahren. Er hoffe, dass mit den Landespolitikern eine gemeinsame Lösung gefunden werden könne. Vor allem Händler kleiner Geschäfte mit viel Laufkundschaft beschweren sich über die neue Pflicht Kassenbons auszudrucken, die seit dem 1. Januar gilt. Sie sei bürokratisch und würde unnötige Müllberge zur Folge haben. Ziel der Bonpflicht ist es, Steuerhinterziehung durch Kassenmanipulation entgegenzuwirken.
tagesschau.de, n-tv.de

Volocopter mit frischen Investitionen und neuem Beirat: Das Flugtaxi-Startup Volocopter, das Dienstleistungen für den Personenverkehr und die Logistik entwickelt, hat in einer neuen Investitionsrunde 37 Millionen Euro erhalten. Zu den Investoren gehören die Deutsche-Bahn-Tochter Schenker, die japanische Versicherung Mitsui Sumitomo Insurance sowie das Risikokapitalunternehmen Translink aus den USA. Für Schenker ist das Ziel von Volocopter besonders attraktiv, dass mit der Volodrone Lasten bis zu 200 Kilogramm per Drohne geliefert werden können. Zusätzlich beruft Volocopter den früheren Daimler-Chef Dieter Zetsche in den Beirat. Das Startup will in den nächsten zwei bis vier Jahren Flugtaxis kommerziell anbieten. Für die Zertifizierung des Flugtaxis soll das frische Kapital genutzt werden.
t3n.de

Rente mit 63 wird immer beliebter: Immer mehr Menschen zahlen Sonderbeiträge, um mit 63 in Rente gehen zu können. Dies geht aus einer Analyse der Deutschen Rentenversicherung (DRV) Bund hervor. Mit 63 in Rente gehen ist eigentlich nur für Menschen mit 45 Beitragsjahren vorgesehen. Das ist aber gerade für Akademiker kaum zu schaffen. Es sei denn, man hat die finanziellen Mittel, um die spätere Rentenminderungen durch Sonderbeiträge auszugleichen. Diesen Luxus gönnen sich immer mehr Menschen. Haben 2017 noch 11.620 Versicherte mit Sonderbeiträgen spätere Rentenminderungen ausgeglichen, waren es 2018 bereits 17.086 Versicherte. Dadurch fließt auch mehr Geld in die Rentenkassen. 2017 lagen die Einnahmen laut DRV noch bei 207 Millionen Euro, 2018 waren es bereits 291 Millionen. Für 2019 gibt es noch keine Zahlen. Die Gründe für die Attraktivität der Rentenversicherung sind zum einen die niedrigen Zinsen auf Anlagemöglichkeiten und zum anderen der niedrige Beitragssatz für freiwillige Einzahler in die Rentenversicherung.
sueddeutsche.de

EU-Kommission will hochrangigen Beauftragten für Mittelstand mmnews.de
EU-Kommission will mehr Rücksicht auf Mittelständler nehmen handelsblatt.com
Bauindustrie zieht positive Jahresbilanz 2019 mittelstand-nachrichten.de
Preis für engagierte Münchner Unternehmen ausgerufen mittelstandinbayern.de

RAT UND TAT

Was die Wirtschaft zu Laschet, Merz und Röttgen sagt: Mit Armin Laschet, Nobert Röttgen und Friedrich Merz stehen drei Männer aus Nordrhein-Westfalen für das Amt des CDU-Chefs zur Verfügung. Jens Spahn schloss sich unterstützend als Vize dem Team Laschet an. Vertreter der Wirtschaft sehen die Auswahl positiv. Jürgen Heraeus, Aufsichtsratschef des gleichnamigen Unternehmens, sagte: „Ich denke, wir haben drei respektable Kandidaten und eine Reserve in Bayern.“ Damit spielte er auf CSU-Chef Markus Söder an, der zwar nicht für die CDU, sehr wohl aber als Kanzlerkandidat der Union in Frage kommt. Auch wenn Söder immer wieder beteuert, sein Platz sei in der Münchner Staatskanzlei. Ex-Wirtschaftsführer Hans Peter Stihl setzte derweil auf Merz: „Die CDU hat dringenden Nachholbedarf in Bezug auf marktwirtschaftliche Wirtschafts- und Steuerpolitik. Wenn die Partei diesen Nachholbedarf nicht erkennt, dann wird sie bei der nächsten Bundestagswahl eine weitere schwere Niederlage einfahren.“ Der Präsident des IT-Verbands Bitkom, Achim Berg, will sich nicht festlegen, sondern lieber Inhalte vorgeben: „Es braucht eine Führungspersönlichkeit, die versteht, welche Bedeutung die digitale Transformation gleichermaßen für die deutsche Wettbewerbsfähigkeit, wie für die Zusammenführung von wirtschaftlichen und ökologischen Herausforderungen haben kann – und diese Aufgabe engagiert und mit hoher Priorität angeht.“
handelsblatt.com

Leicht positiver Ifo-Index: Die Stimmung in den Führungsetagen deutscher Unternehmer bessert sich leicht auf. Überraschend stieg der Ifo-Geschäftsklimaindex auf 96,1 Punkte von 96,0 Zählern. Allerdings sind dabei die jüngsten Ereignisse rund um das Coronavirus nicht berücksichtigt. Eine Entwarnung gibt es darum nicht: „Die jüngste Dynamik der Epidemie wird in unserer aktuellen Umfrage noch nicht komplett abgebildet“, sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe. „Die neuen Entwicklungen in Südkorea und Italien etwa sind noch nicht berücksichtigt. Das werden wir erst im März sehen.“
tagesschau.de

Großer Nachholbedarf im Mittelstand beim Einsatz von KI: Im Auftrag der Roland-Berger-Stiftung untersuchte die Universität des Saarlandes den Status quo in kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMUs). Das Ergebnis ist ernüchternd: laut der Forscher gibt es einen großen Nachholbedarf. 43 Prozent der Unternehmer haben sich trotz des Effizienzsteigerungspotenzials bisher nicht mit der Frage des KI-Einsatzes in der eigenen Firma befasst. Die Forscher sehen vier mögliche Szenarien für den Mittelstand entlang der Implementierungsgeschwindigkeit sowie der Akzeptanz von KI: die KI-Insellösung (langsame Geschwindigkeit, hohe Akzeptanz), die KI-Eiszeit (langsame Geschwindigkeit, niedrige Akzeptanz), das KI-Paradies (hohe Geschwindigkeit, hohe Akzeptanz) sowie die KI-Assistenz (hohe Geschwindigkeit, niedrige Akzeptanz).
cio.de

Rekrutiert Künstliche Intelligenz bald Mitarbeiter? Über den Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Personalwesen wird zunehmend mehr diskutiert, denn Algorithmen stehen unter Verdacht die Stereotype ihrer Entwickler zu reproduzieren. Prof. Dr. Stefan Strohmeier von der Universität des Saarlandes gibt jedoch Hinweise darauf, dass auch im Personalwesen Entscheidungen besser werden, wenn sie unter Einsatz von Künstlicher Intelligenz stattfinden. Die Kraft der Vorhersagen ist stärker als wenn Personalexperten sie treffen.
haufe.de

AUS GESPROCHEN

Es darf zu keinem Sozialdumping kommen, es darf zu keinem Umweltdumping kommen.

Europa-Staatsminister Michael Roth über die Verhandlungen zwischen der EU und Großbritannien.
faz.net

AUS DER REIHE

KI-NET am Software Competence Center Hagenberg soll KI-Einsatz für Mittelstand erleichtern: Aus den Regionen Oberösterreich, Salzburg, Tirol und Bayern kommen fünf Akteure für das Projekt „KI-NET“ zusammen, um ihr Expertenwissen bei der Umsetzung von KI-Strategien im Mittelstand zusammenzuführen. Ziel dabei ist Bereiche in der industriellen Fertigung zu identifizieren, bei denen Künstliche Intelligenz gewinnbringend eingesetzt werden kann und dieses Wissen an den Mittelstand zu transferieren.
volksblatt.at