KW 09: Mittelstand im Diesel-Kater, Digitale Investitionen schneller abschreiben, Widerstand gegen Upload-Filter-Regelung

AUS POLITIK UND MITTELSTAND

Mittelstand im Diesel-Kater: Nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zu Diesel-Fahrverboten ist vor allem die mittelständische Wirtschaft in Aufruhr. Die Politik will als Reaktion eine neue „blaue Plakette“ für schadstoffärmere Diesel einführen. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag ist klar dagegen. „Die Einführung einer Plakette in Umweltzonen würde mehr als zehn Millionen Dieselfahrzeuge, die zum Teil noch keine zwei Jahre alt sind, aus vielen deutschen Städten aussperren“, sagt der stellvertretende DIHK–Hauptgeschäftsführer Achim Dercks. Ähnlich äußert sich Mittelstandspräsident Mario Ohoven: „Fahrverbote für Dieselfahrzeuge sind ein faktisches Berufsverbot für kleine und mittlere Unternehmen“.
handelsblatt.com

CDU-Wirtschaftsrat fordert Bekenntnis zur Marktwirtschaft: Der CDU-Wirtschaftsrat hat anlässlich des CDU-Parteitags vom Montag ein klares Bekenntnis zur Marktwirtschaft gefordert. Die Koalition mit der SPD dürfe nicht als „Einfallstor zur Transferunion missverstanden werden“, so Generalsekretär Wolfgang Steiger. Erneut kritisierte er den Koalitionsvertrag. „Er ist viel zu wenig ambitioniert, beinhaltet zu viel Umverteilung und zu wenig Neuaufbruch“. Die CDU brauche wieder ein klareres marktwirtschaftliches Profil.
noz.de

SPD-Wirtschaftsforum kämpft um Finanzplatz Frankfurt: Das geschäftsführende Präsidiumsmitglied des Wirtschaftsforums der SPD, Harald Christ, hat in einem Gastbeitrag für den Focus erneut für den Finanzplatz Frankfurt geworben. Angesichts einer Charme- und Werbeoffensive des französischen Präsidenten Macron für den Standort Paris kritisiert Christ die Untätigkeit der Bundesregierung. Beim Umzug zahlreicher Großbanken aus London in den EU-Raum gehe es um tausende Arbeitsplätze, die neu verteilt werden. Das sei eine Milliardenchance für Frankfurt und Umgebung.
focus.de

Digitale Investitionen schneller abschreiben: FDP Fraktionschef Christian Lindner hat in dieser Woche eine Initiative zur Digitalisierung der Wirtschaft vorgestellt. Bei Software, Hardware und Smartphones wolle man den Abschreibungszeitraum ändern, da diese nach fünf Jahren bereits veraltet seien. Digitale Wirtschaftsgüter sollen in Zukunft bereits nach drei Jahren abgeschrieben werden können. „Das beschleunigt die Investitionszyklen und stärkt die Innovationskraft in diesem digitalen Bereich von Mittelstand, freien Berufen und kleinen Gewerbetreibenden“, so Lindner.
liberale.de

Mittelstand gegen Upload-Filter-Regelung: Verbraucherschützer, Vertreter der Digitalwirtschaft und Internet-Aktivisten wehren sich gegen eine mögliche Einführung von Upload-Filtern von Seiten der EU. Betreiber von Webseiten müssten dann beim Hochladen von Fremdinhalten diese auf ihre Rechtskonformität prüfen. Ein offener Brief an Bundesregierung, EU-Abgeordnete und die EU-Kommission spricht von einer „akuten Bedrohung der Vielfalt und Freiheit des Internets“. „Die geplanten Vorgaben orientieren sich an Big Playern und internationalen Konzernen, der Blick auf kleine und mittlere Betriebe fehlt hier erneut. Wir wollen die Unternehmen ins digitale Zeitalter mitnehmen und sie nicht rechtlich davor vergraulen“, warnt Mittelstandspräsident Mario Ohoven als einer der Unterzeichner.
wuv.de

KI-Schulung im Callcenter: Der ehemalige Chef der sozialen Plattform StudiVZ, Michael Brehm, meldet sich nun offiziell mit seinem neuen StartUp i2x zurück. Das Unternehmen hat eine Künstliche-Intelligenz-Software entwickelt, die Callcenter-Mitarbeiter im Kundendienst schulen soll. „In Echtzeit kann die Technologie dem Nutzer dann zum Beispiel Rückmeldung geben, welche Wörter besonders häufig verwendet wurden und wo Verbesserungspotenzial besteht.“, erklärt Brehm. In der Betaphase testet aktuell unter anderem das Berliner StartUp Homebell das System, bei den Investoren ist beispielsweise Holtzbrinck Ventures zu nennen – beide sind überzeugt vom Erfolgspotential der Technik. Nicht abzusehen ist jedoch, dass menschliche Hotline-Mitarbeiter vollständig ersetzt werden.
wiwo.de, gruenderszene.de

Neuer Bachelor-Studiengang „Internet of Things – Digitale Automation“ an der Hochschule Trier industry-of-things.de
Kongressveranstalter und Verbandsfunktionär Michael Mattis: Digitalisierung im Mittelstand geht voran springerprofessional.de
Nur noch rund zwei Drittel der Unternehmen mit bis zu 1000 Mitarbeitern führen regelmäßig neue Produkte und Prozesse ein faz.net

AUS GEZÄHLT

25.000 Euro erhalten ausgewählte deutsche Medien-StartUps von Springer und Porsche für fünf Prozent ihrer Firmenanteile. An dem noch namenlosen Accelerator-Programm ist auch das soziale Netzwerk Snapchat beteiligt.
tagesspiegel.de

RAT UND TAT

Das Business Network International als private Wirtschaftsförderung: Im Business Network International (BNI) bilden sich regionale und lokale Unternehmerteams, um sich gegenseitig zu stützen und sich zu vernetzten. In regelmäßigen Treffen werden gegenseitig Geschäftsempfehlungen ausgesprochen, um den Umsatz der beteiligten Unternehmen zu stärken – eine Art privatwirtschaftliches Wirtschaftsförderprogramm. Die Idee ist ganz einfach: Jeder Unternehmer soll sich überlegen, wie er andere Unternehmern helfen kann. Die optimale Größe eines Teams liegt bei 50 bis 70 Teilnehmer, die vom BNI auch Erfolgscontrolling und Coaching erhalten.
swp.de

Stehen ist nicht besser als Sitzen: Sitzen ist das neue Rauchen, hieß es oft und Stehtische galten als gesunde Alternative im Büro. Doch das muss nicht unbedingt besser sein, hat eine Studie der australischen Curtin University nun herausgefunden. Bereits nach zwei Stunden Stehen berichten Probanden von Unbehagen, Muskelermüdung und Schwellungen der Beine. Zwar fördere das Stehen kreative Lösungsansätze, doch gleichzeitig nehme auch das Reaktionsvermögen ab. Das Fazit: Für den Nutzen von höhenverstellbaren Schreibtischen gibt es wenig stichhaltige Beweise. „Die Verbreitung des Tisches wird mehr durch kommerzielle Gründe als durch wissenschaftliche Erkenntnisse vorangetrieben“, erklärt vielmehr die Physiotherapeutin Alan Taylor von der Nottingham University.
handelsblatt.com

AUS GESPROCHEN

„Den meisten Betrieben würde durch ein Fahrverbot die Existenzgrundlage entzogen. Die Folgen wären Unternehmensschließungen und Arbeitsplatzverluste.”
Der Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf, Andreas Ehlert, warnt vor den Folgen möglicher Fahrverbote für die mittelständische Wirtschaft.
spiegel.de

AU DER REIHE

Digitaler Kompetenzwirrwarr: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat das Thema Digitalisierung zwar zur „Chefsache“ erklärt, doch derzeit herrscht zwischen den Ministerien ein erhebliches Kompetenzwirrwarr, wie eine Antwort des Bundesministeriums für Verkehr (BMVI) und digitale Infrastruktur auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsabgeordneten Anna Christmann zeigt. In den insgesamt 14 Bundesministerien beschäftigen sich demnach 482 Mitarbeiter verteilt auf 244 Teams in 76 Abteilungen mit digitalen Fragen. Die größte Anzahl an Mitarbeitern gibt es im BMVI selbst mit 100,5 Mitarbeitern. Das Bundeswirtschaftsministerium, das auch für den Bereich Digitalwirtschaft zuständig ist, rangiert mit 25,5 Mitarbeitern nur auf Platz sieben. Den letzten Platz belegt das Bundesagrarministerium, wo sich gerade einmal zwei Mitarbeiter mit dem Thema beschäftigen.
tagesspiegel.de