KW 08: Mittelstand verliert an Innovationskraft, Fusionen im Mittelstand sollen erschwert werden, Wachstum bei Immobilienpreisen bremst


Liebe Mittelständler,

Thüringen hat viele Fragen aufgeworfen, nicht zuletzt auch erneut die Personalfrage an der Spitze der CDU, die ja immerhin noch die Bundeskanzlerin stellt. Laschet, Merz, Röttgen, Spahn: vier Herren haben bislang ihren Hut mehr oder weniger hörbar in den Ring geworfen. Doch welcher der Kandidaten wäre für den Mittelstand als CDU-Vorsitzender und damit potenzieller Kanzlerkandidat die erste Wahl. Es kommt darauf an, wen man fragt: Merz würde sich vermutlich selbst empfehlen und das tut er auch. Er bezeichnet sich selbst als Mann aus dem „gehobenen Mittelstand“, da tut seine Tätigkeit bis vor kurzem als Aufsichtsratsvorsitzender bei Blackrock in Deutschland, dem größten Vermögensverwalter der Welt, keinen Abbruch. Damit ist er auch der Wunschkandidat des Wirtschaftsflügels der CDU. Rüdiger Bachmann, ein deutsch-amerikanischer Ökonom und Professor für Wirtschaftswissenschaften an der University of Notre Dame in den USA, sieht Merz viel kritischer. Gegenüber der Nachrichten-Website „Watson“ sagte er: „Deutsche konservative Medien und Verbände versuchen die Geschichte voranzutreiben, dass jemand, der einen Aufsichtsratsposten bei Blackrock hatte, gleich Ahnung von Volkswirtschaft hat. Das ist natürlich Quatsch. Zunächst mal ist er Jurist und kein Ökonom. Wirtschaftspolitik ist etwas ganz anderes, als ein Unternehmen zu führen. Das fängt schon damit an, dass Unternehmen gegen freie Märkte sind, weil sie diese beherrschen wollen. In der Wirtschaftspolitik geht es wiederum um das genaue Gegenteil, nämlich Märkte offenzuhalten. Außerdem haben Unternehmen immer ein Interesse daran, Steuern zu senken. Das ist aber nicht die Aufgabe eines Politikers. Der Staat braucht Steuern.“ Der Klassenkampf wird also auch vor der K-Frage nicht haltmachen.

Ihr
Thomas Philipp Reiter

AUS POLITIK UND WIRTSCHAFT

Mittelstand verliert an Innovationskraft: Die Entwicklungsbank KfW hat ihr jährliches Mittelstandspanel herausgebracht. In Sachen Innovation stellt sie den Mittelständlern dabei kein gutes Zeugnis aus. Immer weniger Unternehmen investieren demnach in zukunftsträchtige Projekte. Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW, bezeichnete die Ergebnisse als „alarmierend“. Laut KfW führten in den Jahren 2016 bis 2018 nur noch 725.000 der 3,81 Millionen kleineren und mittleren Unternehmen in Deutschland Neuerungen ein. Das sind 125.000 weniger als in den Jahren 2015 bis 2017. Der Rückgang verläuft dabei gleichmäßig in allen Branchen und Unternehmensgrößen, vom kleinen Handwerksbetrieb mit fünf Mitarbeitern bis hin zum Maschinenbauer mit zweihundert Mitarbeitern.
faz.net

Fusionen im Mittelstand sollen erschwert werden: Mittelständler, die fusionieren wollen, könnten es in Zukunft sehr viel schwerer haben. Das geht aus einem aktuellen Referentenentwurf für die 10. Novelle des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) hervor. Denn eine Ministererlaubnis für eine Fusion, wie sie Peter Altmaier beispielsweise letztes Jahr für den mittelständischen Metallverarbeiters Zollern aus Sigmaringen mit dem österreichischen Autoteileproduzenten Miba erteilte, wird es nicht mehr geben. Denn aus einem „oder“ wird ein „und“. Bislang konnte eine Ministererlaubnis nur erteilt werden, wenn sie „im überragenden Interesse der Allgemeinheit ist“ oder wenn sie „gesamtwirtschaftlich Vorteile“ bringt. Künftig muss eine Fusion aber beide Kriterien zugleich erfüllen. Für Mittelständler fast nicht zu schaffen, da sie für volkswirtschaftliche Vorteile im Einzelnen zu klein sind.
handelsblatt.com

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Präzision aus Tradition: Das Uhrenwerk Weimar stellt seit 1950 Präzisionstechnik und Feinmechanik für Zeitmesser her. 2017 feierte die Thüringer Traditionsmarke Wiedergeburt. Mit den Armbanduhr-Modellen „Henry van de Velde“, „Luftbrücke Berlin“ und „Royal Union“ wurde ein neues Kapitel aufgeschlagen. Erleben Sie 2020 mit der ersten Automatikuhr „Palaemon“, was an Design und Technik aus Weimar möglich ist. Mehr Infos zum Uhrenwerk Weimar und seinen Modellen findet man unter www.uhrenwerk-weimar.de oder per Mail unter palaemon@weimar.watch

Wachstum bei Immobilienpreisen bremst: Einem Bericht der Bundesbank zufolge, der am Montag für den Monat Februar vorgelegt wurde, steigen die Immobilienpreise zwar weiter an, allerdings in geringerem Ausmaß. Der Druck in den Städten sei geringer geworden. Als Grund dafür sehen die Experten eine gesunkene Nachfrage an Wohnraum bei konstant bleibender Geschwindigkeit des Neubaus. Die sinkende Immigration sowie etwas weniger vorteilhafte Einkommensaussichten seien die Gründe dafür, dass weniger Menschen Wohnraum suchten. Zudem seien auch die Grundstückspreise weniger stark gewachsen – die Rate betrage 3,75 Prozent und sei damit bedeutend geringer als im Vorjahr. Des Weiteren konstatierte die Bundesbank, dass die Preise der Wohnimmobilien weiterhin schneller steigen als die verfügbaren Haushaltseinkommen. Deutschlandweit würden sich die Wohnungspreise auf einem zur wirtschaftlichen Lage passenden Niveau bewegen – in den Städten gäbe es jedoch deutliche Preisübertreibungen.
faz.net

E-Scooter-Unternehmen Tier kauft britisches Batterie-Startup: Die Berliner Tretrollerfirma Tier Mobility hat das britische Startup Pushme Bikes gekauft. Dieses ist auf Wechselakkus spezialisiert. Die Geschäftsführung von Pushme Bikes sowie die Investoren sollen im Gegenzug Tier-Unternehmensanteile erhalten haben. Pushme entwickelt Auflade-Systeme, die es ermöglichen sollen, Batterien leicht auszutauschen und wieder aufzuladen. Dadurch sollen Kunden Kosten von bis zu 70 Prozent beim Ladevorgang sparen. Tier soll die Kompetenzen des britischen Startups dafür nutzen, um seine Hardware-Expertise auszuweiten. Ob die Wechselakkus bei den E-Scootern zum Einsatz kommen, ist unklar. Tier hat angekündigt, 2020 klimaneutral zu werden – dafür sind nachhaltige Aufladelösungen notwendig.
t3n.de

Kabinett beschließt Grundrente zeit.de
Mittelstand fürchtet Scheitern von Tesla-Projekt in Brandenburg oldenburger-onlinezeitung.de
Warum Nachhaltigkeit für Familienunternehmer immer wichtiger wird wiwo.de
Der Mittelstand ist schon jetzt digitaler als viele denken deutsche-startups.de
Neuer Landesvorsitzender der bayerischen Familienunternehmer sueddeutsche.de

RAT UND TAT

Influencer-Marketing probieren: Mittelständler sind im Marketing mit Influencern ´ bisher nicht besonders aufgefallen. Dabei bieten sich hier auch für die kleineren Unternehmen große Chancen. Das müssen dabei nicht nur ausgeflippte YouTuber sein. Experten raten eher dazu, die Meinungsmacher direkt im eigenen Unternehmen aufzubauen. Dazu zählen neben der Geschäftsführung, die die Strategie und die Ziele des Unternehmens vermittelt und in der Öffentlichkeit repräsentiert, alle Mitarbeiter, die das Unternehmen und seine Kultur nach außen vertreten und online auftreten wollen.
wuv.de

Spanien geht bei Digitalsteuer voran: Die linke Regierung in Spanien hat sich nach Frankreich als zweites Land entschlossen, eine Digitalsteuer einzuführen. Sie soll bei drei Prozent liegen und Konzerne betreffen, die weltweit mindestens 750 Millionen Euro oder in Spanien allein drei Millionen Euro Umsatz generieren. Ziel sei es Konzerne nicht nur dort zu besteuern wo ihr Sitz ist, sondern auch dort wo Nutzer aus anderen Ländern Teil der Wertschöpfung sind. Der Gesetzentwurf soll in der kommenden Woche dem Parlament vorgelegt werden und soll ab 2021 in Kraft treten. US-Präsident Donald Trump hatte mit Strafzöllen gedroht, sofern sich Staaten dazu entscheiden, amerikanische Konzerne durch Steuern zu benachteiligen. Bei der Digitalsteuer würden die führenden Tech-Giganten wie Amazon, Facebook, Google und Apple zur Kasse gebeten werden. Neben Frankreich und Spanien hat auch Österreich angekündigt, eine Digitalsteuer einführen zu wollen.
spiegel.de, heise.de

Jägermeister verletzt keine religiösen Gefühle: Auf dem Logo des Kräuterlikörs Jägermeister ist ein Hirsch mit einem Kreuz zwischen dem Geweih zu erkennen. Das Eidgenössische Institut für Geistiges Eigentum verwehrte 2017 den Logo-Schutz, da die Abbildung die religiösen Gefühle von Christen verletzten könne. Dagegen legte Jägermeister Beschwerde ein – und bekam nun Recht. Ein Gericht in der Schweiz urteilte, dass das Kreuz in Kombination mit dem Hirschen nicht die Gefühle des „durchschnittlichen Christen“ verletzen würde.
handelsblatt.com

AUS GESPROCHEN

Wir brauchen Investitionen in nachhaltige Infrastruktur und zukunftsfähige Industrie und müssen dafür auch Fläche zur Verfügung stellen.

Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer hat sich von der Grünen Liga distanziert, die den Rodungsstopp auf dem Gelände des künftigen Tesla-Werks erwirkte.
handelsblatt.com

AUS DER REIHE

Die Kanzler-Wette hat begonnen: Die Spekulationen um die Kanzlerkandidaturen der Parteien haben längt begonnen – das merken auch Online-Wettbüros. Bei einigen Plattformen kann man bereits auf Politiker setzen – CDU-Politiker Friedrich Merz würde 22 Euro einbringen, die SPD-Vorsitzende Saskia Esken 210 Euro, Satiriker Martin Sonneborn gar 1000 Euro. In den USA sind politische Wetten ebenfalls verbreitet – wer auf Underdogs setzt, kann viel gewinnen. Demokratieforscher sehen die Tendenz zum Zocken jedoch kritisch.
tagesspiegel.de