KW 04: Arbeitgeber und CDU kritisieren Entwurf zur Grundrente, Altmaier will Mittelständler mit 555 Millionen Euro fördern, Sachsen investiert in Mittelstand

Liebe Mittelständler,

26 Prozent der deutschen mittelständischen Unternehmen benötigen für ihre Klimaschutz-Maßnahmen einen Kredit. Dies sagt zumindest der Finanzierungsmonitor 2020, für die der Dienstleister Creditshelf zusammen mit der TU Darmstadt mehr als 200 Finanzentscheider aus mittelständischen Industrie-, Handels- und Dienstleistungsfirmen befragt hat. Dabei sollen Umweltprojekte inzwischen sogar noch wichtiger sein als die Finanzierung von Aktivitäten im Bereich Forschung und Entwicklung, der Aufbau neuer Standorte oder geplante Übernahmen. Dass eine echte Nachhaltigkeitsstrategie erhebliche Kosten verursacht, die Unternehmen kleiner und mittlerer Unternehmen erst einmal stemmen müssen, betont auch die TU Darmstadt. Der Freistaat Sachsen geht dabei den richtigen Weg: mithilfe eines Wirtschaftsfonds mit einem Volumen von 85 Millionen Euro soll der Mittelstand gerade auch bei Nachhaltigkeitsprojekten gefördert werden. Man kann nur hoffen, dass sich andere daran ein Beispiel nehmen und zum Beispiel auch Banken die Zeichen der Zeit erkennen und Mittelständler bei der Bewältigung der Zukunftsaufgabe Klimaschutz besser unterstützen.

Ihr
Thomas Philipp Reiter

AUS POLITIK UND WIRTSCHAFT

Arbeitgeber und CDU kritisieren Entwurf zur Grundrente: Viel Zeit hat Arbeitsminister Hubertus Heil nicht gegeben, um seinen Gesetzesentwurf zur Grundrente prüfen zu lassen. Heute läuft die Frist aus, am Donnerstag wurde der Entwurf erst an die Kabinettskollegen und ausgewählte Akteure aus Wirtschaft und Verbänden verschickt. Gleich mehrere CDU-geführte Ministerien haben darum dem Vernehmen nach Einspruch gegen die verkürzte Ressortabstimmung erhoben. Auch Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer, die den Gesetzentwurf genau unter die Lupe nehmen möchte. „Es gibt eine Reihe von Fragen“, sagte sie. „Die Finanzierung steht – wie besprochen – noch nicht.“ Außerdem müsse geklärt werden, ob die Einkommensprüfung für künftige Grundrenten-Empfänger die im November vereinbarten Eckpunkte widerspiegelt. „Die CDU überprüft nun, ob Heils Papier weiterhin dem Kompromiss entspricht“, so die Parteichefin. Auch aus der Wirtschaft kommt Kritik an der unklaren Finanzierung. „Das Finanzierungskonzept zur Grundrente reicht im aktuellen Referentenentwurf gerade einmal für die nächsten fünf Jahre“, erklärte die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA).
handelsblatt.com

Altmaier will Mittelständler mit 555 Millionen Euro fördern: Das Bundeswirtschaftsministerium will kleine und mittelständische Unternehmen in diesem Jahr mit 555 Millionen Euro fördern. „Der Mittelstand ist das Herz der deutschen Wirtschaft und Innovationen sind die Basis für Wohlstand und Arbeitsplätze“, sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Damit soll es künftig vor allem jungen Unternehmen und Firmen aus strukturschwachen Regionen einfacher gemacht werden, zukunftsträchtige Projekte anzustoßen. Entschließt sich ein kleines Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern aus einer strukturschwachen Region etwa, ein Kooperationsprojekt mit einem ausländischen Partner zu starten, kann es bis zu 60 Prozent seiner Projektkosten über das ZIM erstattet bekommen. Das gilt auch für kleine junge Unternehmen, deren Gründung nicht länger als zehn Jahre zurückliegt. Nehmen solche jungen oder aus strukturschwachen Regionen kommende Unternehmen Einzelprojekte in Angriff, dann können sie bis zu 45 Prozent ihrer Projektkosten zurückerhalten. Auch kleine und mittlere Unternehmen, die älter als zehn Jahre sind und in strukturstarken Regionen ansässig sind, können von der Förderung profitieren. Allerdings gilt: Je größer das Unternehmen, desto geringer fällt die prozentuale Förderung aus. Mittlere Unternehmen mit bis zu 500 Unternehmen können etwa nur ein Viertel ihrer Kosten für ein Einzelprojekt bezuschusst bekommen.
waz.de

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Sachsen investiert in Mittelstand: Mithilfe eines Wirtschaftsfonds mit einem Volumen von 85 Millionen Euro soll der Mittelstand in Sachsen gefördert werden. Das gab das sächsische Wirtschaftsministerium bekannt. Bis 2025 sollen Beteiligungen an Unternehmen eingegangen werden. nvestoren seien das Land Sachsen, die Sächsische Aufbaubank, die Sparkassen Leipzig, Chemnitz, Dresden und Mittelsachsen, die Bürgschaftsbank Sachsen, die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Sachsen und die CFH Management GmbH.
welt.de

Bahlsen sucht externen CEO: Werner Michael Bahlsen und seine Frau Susanne haben erstmals gemeinsam ein Interview gegeben, in dem sie über die Herausforderungen ihres Unternehmens sprechen. Im „Handelsblatt“ wehren sie sich dabei gegen die Gerüchte, wonach Bahlsen zum zweiten Mal hintereinander Verluste machen würde. Zwar sei der endgültige Konzernabschluss noch nicht erstellt, dennoch sei klar, dass man 2019 mit ordentlichen Gewinnen abschließen werde. Allerdings gaben die Unternehmer zu, dass es nicht überall rosig aussehe. In Großbritannien und den USA schreibe man aktuell rote Zahlen. Beide äußerten sich auch zu möglichen Nachfolgern. Demnach solle kein Familienmitglied in die operative Führung einsteigen. Gesucht wird ein Vorstand von außen. In dem Interview sprachen sie auch über die Aussagen der Tochter Verena, die die nationalsozialistische Historie des Unternehmens herunterspielte und dafür einen Shitstorm im letzten Jahr kassierte. Demnach habe sie nur das Narrativ wiedergegeben, das mangels besseren Wissens in der Familie kursierte.
handelsblatt.com

Altmaier und DIHK wollen mehr Tempo bei KI: Wirtschaftsminister Peter Altmaier und die Deutsche Industrie und Handelskammer (DIHK) wollen bei Künstlicher Intelligenz nicht den Anschluss verlieren. Die Chancen sollten stärker gesehen und Mitarbeiter qualifiziert werden, heißt es in einem gemeinsamen Aufruf. Durch mehr Wissen sollten „unbegründete Befürchtungen“ der Menschen in begründetes Know-how umgewandelt und Vorurteile überwunden werden – dies zielt auf Ängste vor möglichen großflächigen Job-Verlusten durch den Einsatz lernender Maschinen. Dabei geht es auch darum, den Anschluss nicht zu verlieren. Deutschland und Europa hätten eine gute Ausgangsposition, vor allem bei Geschäften zwischen Unternehmen. „Wir müssen jetzt mit Künstlicher Intelligenz (KI) durchstarten, damit unsere Wirtschaft im digitalen Zeitalter besteht und dabei unsere Bürgerinnen und Bürger mitnehmen. Und wir können das auch.“ Die Regierung hatte angekündigt, Forschung und Anwendung Künstlicher Intelligenz bis 2025 mit drei Milliarden Euro zu unterstützen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder kritisiert die Summe in einem Gastbeitrag für den „Focus“ derweil als zu bescheiden, angesichts der Summen, die andere Länder investieren. „Alle haben die Zeichen der Zeit erkannt und klotzen mit Investitionen.“
cio.de, focus.de

Mittelstand will Regierungsarbeit in Sachsen kontrollieren sueddeutsche.de
Land kämpft in Brüssel für Mittelstand schwaebische-post.de
„Die Hälfte aller LKW fährt leer“: Wie ein Investor das jetzt ändern will focus.de
Diese Investorin sammelt US-Geld für Europas Gründer handelsblatt.com

RAT UND TAT

Mittelstand in Sorge um Kreditvergabe: Die Europäische Bankenaufsicht (EBA) hat kürzlich ausgerechnet, dass bei identischer Umsetzung der Eigenkapitalvorschriften für Banken („Basel IV“) die Mindestkapitalanforderungen für Kreditinstitute in Deutschland im Durchschnitt um 40 Prozent steigen. Bei kleinen und mittleren Instituten seien das immerhin rund 15 bis 20 Prozent.
Durch eine deutliche Erhöhung der Eigenkapitalvorschriften würden die Banken also zusätzlich belastet, was vor allem kleinere und risikoärmere Institute überproportional treffen würde. Gerade bei diesen kleineren Banken und Sparkassen haben aber Mittelständler oft ihr Geschäftskonto. Der Mittelstand befürchtet steigende Kreditkosten oder Restriktionen bei der Kreditvergabe.
handwerksblatt.de

Klimakredite für den Mittelstand: 26 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Deutschland benötigen in den kommenden Monaten für ihre Klimaschutz-Maßnahmen eine Finanzierung. Zu diesem Ergebnis kommt der Finanzierungsmonitor 2020, für die der Finanzierungsdienstleister Creditshelf zusammen mit der TU Darmstadt mehr als 200 Finanzentscheider aus mittelständische Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen befragt hat. Creditshelf-Vorstand Daniel Bartsch erklärte, dass die Unternehmen für die Kredite jedoch ihre Vorhaben und deren Umsetzung transparent machen müssten. Lippenbekenntnisse reichten nicht aus.
springerprofessional.de

Haftung bei Outsourcing vertraglich regeln: Wer Arbeitsprozesse auslagert, sollte das beauftragte Unternehmen sorgfältig auswählen und regelmäßig auditieren. Denn für eventuelle Fehler in der Auftragsbearbeitung haftet sehr oft der Auftraggeber. Grundsätzlich ist es so, dass für die Leistung der Zulieferer oder Dienstleister generell das beauftragende Unternehmen gegenüber Dritten haftet. Wenn ein Steuerberater falsche Angaben macht oder ein Vorprodukt aufgrund mangelhafter Qualität nicht fehlerfrei in der gelieferten Gesamtmaschine funktioniert, muss in der Regel das Unternehmen dafür geradestehen, das die Outsourcing-Leistungen in Auftrag gegeben hat. Unternehmer sollten sich darum immer im Austausch mit den Partnern stehen.
marktundmittelstand.de

AUS GESPROCHEN

„Als Unternehmer ist man bisweilen sehr allein, wenn wichtige, mitunter existenzielle Entscheidungen getroffen werden. Insofern ist es uns wichtig, regelmäßig alles mit unseren Kindern zu besprechen.“

Bahlsen-Chef Werner Michael Bahlsen spricht im Interview über die Rolle als Unternehmer und die die Frage nach der Übergabe seiner Firma an die nächste Generation.
handelsblatt.com

AUS DER REIHE

Kaum mehr wirtschaftliche Beziehungen mit Iran: Vor einigen Monaten noch hatten Unternemen in Deutschland große Hoffnungen in den Iran gesteckt. Doch das der Iran in absehbarer Zeit ein neuer bedeutender Markt werden könne, glaubt kaum einer mehr. Fast alle deutschen Firmen haben sich wieder aus dem Land verabschiedet. Allein von Januar bis Oktober 2019 verringerten sich die deutschen Exporte in den Iran verglichen mit dem Vorjahr um die Hälfte auf 1,2 Milliarden Euro. Die iranischen Ausfuhren nach Deutschland sanken um 56 Prozent auf 174 Millionen Euro. Nach der Eskalation Anfang Januar ist der Export in den Iran nahezu zum Erliegen gekommen. „Durch die in den letzten Jahren neu aufgekommenen Spannungen sind die Geschäfte fast vollkommen zum Erliegen gekommen. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Situation zwischen den USA und dem Iran zeitnah deeskaliert werden kann“, sagte die Wirtschaftsministerin von Baden-Württemberg, Nicole Hoffmeister-Kraut. Nach wie vor schrecken fast alle Unternehmen vor den Sanktionsdrohungen der US-Regierung gegen Firmen mit Iran-Geschäft zurück. Kein deutsches Unternehmen will sich die Geschäfte in den USA verderben.