KW 17: Familienunternehmer wollen Politik wöchentlich prüfen lassen, Staatliche Hilfen für Condor, Sagen Schufa, Creditreform, Bürgel & Co. die Wahrheit?

Liebe Mittelständler,

die Unternehmensberatung „Munich Strategy“ hat dieser Tage einen „Stresstest Mittelstand“ veröffentlicht. Herausgefunden werden sollte, wie belastbar der deutsche Mittelstand ist und wie er nach Corona aussehen wird. Welche Unternehmen haben genügend Substanz, um die außergewöhnliche Krise zu bewältigen und welche sind besonders gefährdet? Herangezogen wurden Leistungs- und Strategiedaten von mehr als 3.500 mittelständischen Unternehmen aus allen Branchen und Regionen Deutschlands. Die Ergebnisse müssen alarmieren. Weder ist der Mittelstand auf ein solches Ereignis vorbereitet gewesen, noch wird er sich schnell davon erholen, selbst wenn bereits Mitte 2020 das Schlimmste überstanden sein sollte. Bis zu 45% der KMU sind über Nacht existenziell bedroht. Auch scheinbar gesunde Unternehmen werden zu „Wackelkandidaten“ und somit zu Übernahmezielen. Die Auslese ist in den Sektoren Dienstleistungen und Handel besonders schlimm, die traditionell schwache Nahrungsbranche profitiert von einer Sonderkonjunktur. Nichts wird also so sein, wie es war. Krisenresistente Marktteilnehmer werden Marktanteile gewinnen, andere verschwinden. Die Positionen für die Zeit nach der Krise werden jetzt vergeben.

Ihr
Thomas Philipp Reiter

AUS POLITIK UND WIRTSCHAFT

Leoni wendet Krise ab: Der Autozulieferer Leoni kann dank neuer Kredite in Höhe von 330 Millionen Euro und eine Insolvenz fürs Erste abwenden. Die Kredite werden von den Kernbanken des Unternehmens ausgestellt. Bund und Länder bürgen zu 90 Prozent. Das Unternehmen habe nun Spielraum zur Sicherung des Fortbestands des Geschäftsbetriebs und zur Durchfinanzierung der Gruppe, so Leoni in einer Mitteilung. Schon vor der Coronakrise hatte der Kabelnetz-Spezialist Schwierigkeiten, weshalb staatliche Hilfe zunächst fraglich war. Ein Sanierungsgutachten, das im März erstellt wurde, zeigt jedoch, dass tatsächlich die Auswirkungen des Coronavirus Grund für die neuen Probleme sind. Der Umsatz der Firma war 2019 um fünf Prozent auf 4,8 Milliarden Euro gesunken. Leoni machte im vergangenen Jahr einen Verlust von 435 Millionen Euro.
handelsblatt.com

Familienunternehmer wollen Politik wöchentlich prüfen lassen: Nach dem Gespräch hochrangiger Vertreter der deutschen Wirtschaft mit Wirtschaftsminister Peter Altmaier fordert der Verband der Familienunternehmer die Politik auf, sich öfter über die wirtschaftliche Lage abzustimmen. Reinhold von Eben-Worlée sagte, jeder Tag zähle. Deshalb sei es „umso wichtiger, dass das Corona-Kabinett sich mindestens einmal in der Woche mit den Ministerpräsidenten der Länder über die Geschehnisse und notwendigen Handlungen austauscht, nicht erst wieder Ende April“. Außerdem sollten Arbeits- und Wirtschaftsminister in das Corona-Kabinett aufgenommen werden. Es handele sich bei der aktuellen Situation nicht nur um eine gesundheitliche sondern auch um eine wirtschaftliche Krise.
wiwo.de

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Präzision aus Tradition: Das Uhrenwerk Weimar stellt seit 1950 Präzisionstechnik und Feinmechanik für Zeitmesser her. 2017 feierte die Thüringer Traditionsmarke Wiedergeburt. Mit den Armbanduhr-Modellen „Henry van de Velde“, „Luftbrücke Berlin“ und „Royal Union“ wurde ein neues Kapitel aufgeschlagen. Erleben Sie 2020 mit der ersten Automatikuhr „Palaemon“, was an Design und Technik aus Weimar möglich ist. Mehr Infos zum Uhrenwerk Weimar und seinen Modellen findet man unter www.uhrenwerk-weimar.de oder per Mail unter palaemon@weimar.watch

Staatliche Hilfen für Condor: Die Airline Condor kann offenbar mit staatlichen Hilfen rechnen. Ein KfW-Überbrückungskredit über 380 Millionen Euro aus dem Herbst des vergangenen Jahres soll verlängert und mit einer neuen Finanzierung ergänzt werden. Die EU-Kommission müsste dafür jedoch noch zustimmen. Die Höhe der zusätzlichen Finanzierung wird zwischen 200 Millionen und 270 Millionen Euro angegeben. Weitere Mittel nach dem Ende der staatlichen Hilfen könnten von einem Treuhandkonto kommen, wobei Urlauber zuvor Erstattungsansprüche geltend machen könnten. Wie es mit Condor weitergehen wird, war nach der Absage der Übernahme durch die polnische Holding PGL bisher unklar. PGL warf Condor vor, Vertragsbedingungen nicht erfüllt zu haben.
spiegel.de

Hörgerätehersteller Alexander Kind kritisiert Politik: Alexander Kind, der Chef von Kind, Deutschlands größter Hörgerätekette, wirft der Bundesregierung in der Corona-Krise eine mangelhafte Koordination der Bundesländer vor. Obwohl Hörgerätakustiker und Augenoptiker als systemrelevant gelten, „standen in etlichen unserer rund 700 Filialen plötzlich Polizei und Ordnungsamt und haben eine Schließung veranlasst“. Dies habe zu einer starken Verunsicherung der Mitarbeiter der Kette geführt. Auch Kunden, die wegen ihres durchschnittlichen Alters meist zur Risikogruppe gehören, seien verängstigt. Zwar haben die meisten der Kind-Filialen inzwischen wieder geöffnet, um die Kunden zum Kaufen, zu bewegen müssten jedoch zunächst Ängste abgebaut werden. Im Gegensatz zur Konkurrenz würde das Unternehmen weiterhin Miete zahlen. Um die Krise zu überwinden, will Kind Kredite aufnehmen, deren Genehmigung dauert dem Unternehmer jedoch zu lang: „Die kleinen Firmen bekommen Soforthilfe, Konzerne Staatshilfe, den Mittelstand aber hat die Politik anscheinend vergessen.“
handelsblatt.com

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Kommunikation in Zeiten des Coronavirus: Das Coronavirus schränkt unser soziales Leben ein – richtigerweise müssen Menschen vor lebensgefährlichen Infektionen geschützt werden. Wenn Begegnungsräume nicht mehr erreichbar sind, verlieren wir Möglichkeiten zum Austausch und Lernen. Wer nach Verbindung sucht, nutzt digitale Alternativen. Wir unterstützen dabei, Begegnungen online zu schaffen – mit Veranstaltungsstreams können Sie die wichtigen menschlichen Verbindungen dennoch knüpfen.
livestreaming-berlin.tv

Sagen Schufa, Creditreform, Bürgel & Co. die Wahrheit? Im Zuge der Kreditvergabe als Corona-Hilfen sind Zweifel aufgekommen. Mittelstandsperspektiven liegen Belege systematischer Herabstufungen der Bonität sogar bei solchen Unternehmen vor, die aufgrund von Zwangsschließung staatlich garantierte Kredite in Anspruch nehmen. Durch die Herabstufung der Bonität werden mittelständische Unternehmen ohne Selbstverschuldung in der Zeit der Krise und darüber hinaus abgestraft. Die Agenturen hüllen sich bislang in Schweigen oder sprechen von Einzelfällen. Der Bundesvorsitzende des Liberalen Mittelstands, Thomas L. Kemmerich, forderte die Politik auf, Klarheit zu schaffen. Mittelstandsperspektiven-Herausgeber Thomas Philipp Reiter sagte dem Deutschlandfunk, wie die Selbstauskünfte vor und unmittelbar nach der Inanspruchnahme von Corona-Hilfen ein verändertes Bild zeigen.
deutschlandfunk.de

Kurzmeldungen
Corona-Kredite für KMU: Wie der Bund Betrüger abschreckt nzz.ch
Stiller Protest in Dresden Mittelstand fordert erweiterten Exit-Fahrplan n-tv.de
US-Kongress einigt sich auf neues Hilfspaket in Höhe von 480 Milliarden Dollar manager-magazin.de
Gegen die Vollkatastrophe: Solidarität für den Mittelstand tagesspiegel.de

RAT UND TAT

Studie zeigt Bedrohung mittelständischer Unternehmen: Mittelständische Unternehmen trifft die Coronakrise besonders hart. 45 Prozent der mittelständischen Firmen in Deutschland sind einer Studie von „Munich Strategy“ existenzbedroht. Das Beratungsunternehmen analysierte dafür rund 3500 Unternehmen mit einem Umsatz von zehn Millionen bis zwei Milliarden Euro Jahresumsatz und teilte diese je nach wirtschaftlicher Leistung in drei Kategorien ein. Vor allem für sogenannte Low Performer, also umsatzschwache Unternehmen, könnte die Krise das Ende bedeuten. Aber auch für Firmen mit solider Ertrags- und Wachstumsquote stellt die Krise einen Einschnitt dar. Munich Strategy schätzt, dass rund zehn Prozent dieser mittleren Schicht von KMU zu „Wackelkandidaten“ werde könnten. Deren Ertragslage habe sich im Zuge der Krise stark verschlechtert. Diese Unternehmen, die oft in konjunktursensitiven Branchen tätig sind, hätten nun Schwierigkeiten, Kredite zu bekommen. In der Industriebranche werde es Munich Strategy zufolge besonders viele Wackelkandidaten geben. Rund 18 Prozent zählt die Beratungsfirma dazu.
handelsblatt.com

Google knüpft Werbeguthaben für KMU an Voraussetzungen: Um mittelständischen Unternehmen in der Zeit der Krise zu helfen, will Google weltweit rund 340 Millionen US-Dollar Werbeguthaben verteilen. Firmen, die das Werbeguthaben erhalten wollen, müssen dafür in mindestens zehn Monaten des Jahres 2019 und im Januar oder Februar 2020 Werbung über ein Google-Konto geschaltet haben. Google teilte mit, dass die Unternehmen, die für das Programm infrage kommen, in den kommenden Monaten ihr Guthaben erhalten sollen. Die Höhe des individuellen Guthabens ist derzeit unklar. Die Firmen haben dann bis Ende des Jahres Zeit, um ihr Guthaben einzulösen.
t3n.de

Was Unternehmen beim Insolvenzrecht beachten müssen: Zwar wurde wegen der Corona-Krise die Insolvenzantragspflicht für Unternehmen ausgesetzt, trotzdem sollten betroffene Firmen die eigenen Finanzen und die Liquidität stets kritisch überprüfen. Zahlungen an Gesellschafter und andere Unternehmen dürfen nur dann erfolgen, wenn damit eine Aufrechterhaltung des Betriebs erfolgt oder eine Sanierung angestrebt wird. GmbHs eine Gesellschafterversammlung einberufen. Bei Verstoß droht die persönliche Haftung oder sogar die strafrechtliche Verfolgung. Unternehmen sind dazu angehalten, die Auswirkungen der Krise genau zu dokumentieren. Zwar gilt derzeit die Vermutung, dass die Insolvenzreife aus der Corona-Krise resultiert, wird diese Vermutung widerlegt, besteht jedoch die Insolvenzantragspflicht.
marktundmittelstand.de

Händler kritisieren Lockerungsregelungen: Einige Unternehmen des Einzelhandels kritisieren die neuen Regelungen zur Handelsöffnung. Florian Gietl, CEO von MediaMarktSaturn, dessen Läden im Schnitt mehr als 3000 Quadratmeter Fläche haben, sagte, man halte die Entscheidung „unter dem Aspekt des Gesundheitsschutzes für ungeeignet“. Größere Handelsflächen würden unverhältnismäßig benachteiligt. Kai Hudetz, Geschäftsführer des Handelsforschungsinstituts IFH, sieht in der Beschränkung der Verkaufsfläche eine Verzerrung des Wettbewerbs. Hinzu kommt, dass die Bundesländer bei der Umsetzung der Lockerung teils stark voneinander abweichen. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow will beispielsweise Beschränkungen einführen, die einen Kunden pro 20 Quadratmeter zulassen. Niedersachsens Ministerpräsident Stefan Weil hingegen will auch solche Geschäfte öffnen lassen, die über eine Fläche von mehr als 800 Quadratmeter verfügen, vorausgesetzt, ein Teil der Ladenfläche wird abgesperrt. Von der Beschränkung am stärksten betroffen sind die großen Modegeschäfte, die im Normalfall eine Fläche von mehr als 800 Quadratmeter besitzen.
handelsblatt.com

AUS GESPROCHEN

Der Mittelstand braucht jetzt einen Dreiklang aus einem konkreten Exit-Fahrplan, raschen Liquiditätshilfen sowie einem Konjunkturprogramm mit nachhaltigen Steuersenkungen.

Mario Ohoven, der Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW), mahnt, dass Kredite allein nicht ausreichen, um dem Mittelstand zu helfen.
handelsblatt.com

AUS DER REIHE

Weitere Corona-Betrugsfälle: Nach Nordrhein-Westfalen ist es in mindestens drei weiteren Bundesländern zu Betrugsfällen mit Corona-Soforthilfen gekommen. Das zeigt eine Umfrage unter allen Bundesländern. In Hamburg wurde eine gefälschte Internetseite entdeckt, die über einen tschechischen Server betrieben wurde. Die Betrüger versuchten so an die Daten von Unternehmen zu gelangen, um in deren Namen Geld zu beantragen. Weitere Vorfälle gab es in Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein.
wiwo.de