KW 12: Familienunternehmer fordern bessere Prüfung von Gesetzen, Förderkredite für Unternehmen starten, Die KMU-Strategie der EU

Liebe Mittelständler,

dass das Corona-Virus nicht nur gesundheitliche Folgen nach sich zieht sondern die getroffenen Maßnahmen zur Eindämmung von dessen Ausbreitung dramatische wirtschaftliche Folgen haben werden, gilt als sicher.

Die Absage bzw. Verschiebung der wichtigen Leitmessen ITB Berlin, Buchmesse Leipzig und Fibo Köln, das Verbot von Veranstaltungen und touristischer Reisen sowie die Schließung von Hotels und Restaurants sowie weiter Teile des Einzelhandels: viele Selbständige und Unternehmer leiden schon unter den Folgen oder werden es bald. Zunächst trifft es die unmittelbar Betroffenen, später deren Zulieferer und Dienstleister. Manche der jetzt schließenden Betriebe werden nie wieder öffnen. Auch Deutschlands größter Hafen Hamburg ist schwer gezeichnet. Durch den anhaltenden Rückgang im Schiffsverkehr von und nach China gibt es einen Mangel an Leercontainern, Hamburger Unternehmen bekommen gar keine Container mehr. Dabei dürften die schwerwiegendsten wirtschaftlichen Auswirkungen wohl erst ab Mitte März mit voller Wucht zu spüren kriegen, heißt es aus der Hafenwirtschaft.

Die Bundesregierung hat ebenso wie viele Bundesländer Sofortprogramme für den Mittelstand aufgelegt. Auch wenn die Kommunikation zuweilen verworren ist: es wird schnell und besonnen gehandelt. Deutschland kann das wirtschaftliche Desaster insgesamt auffangen, auch wenn das manchen Mittelständler nicht mehr trösten wird.

Bleiben Sie optimistisch – und gesund!

Ihr
Thomas Philipp Reiter

AUS POLITIK UND WIRTSCHAFT

Familienunternehmer fordern bessere Prüfung von Gesetzen: Da die Unternehmen des deutschen Mittelstands oft größer als vergleichbare Firmen in anderen europäischen Ländern sind, gelten für diese oft europäische Gesetze, die eigentlich für Großkonzerne gedacht sind. Diese Gesetze können „gravierende Auswirkungen auf Familienunternehmen haben“, so Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen. Die Familienunternehmen würden beispielsweise beim Steuerrecht benachteiligt werden. Kosten für Kredite können von Unternehmen normalerweise als Betriebsausgaben abgesetzt werden. Für Familienunternehmen lohne sich dies jedoch nicht, da sie Investitionen häufig über das Eigenkapital finanzieren. In Deutschland handelt es sich bei neun von zehn Unternehmen um Familienunternehmen, die wiederum 60 Prozent der Beschäftigten Deutschlands stellen. Die Stiftung setzt sich bei der Bundesregierung deshalb für einen Familienunternehmen-Test ein, um die Folgen von neuen Vorschriften und Gesetzesänderungen für familiengeführte Unternehmen prüfen zu können. Der Test, der von einem Rechtsexperten im Auftrag der Stiftung entwickelt wurde, soll sich auch auf die europäische Gesetzgebung anwenden lassen. Ähnliche Tests gibt es mit dem SME-Test auf EU-Ebene und dem KMU-Test in Deutschland bereits. Die Bundesregierung verweist daher auch bei der Frage nach Familienunternehmen auf diesen Test. Experten kritisieren jedoch, dass die Wirkung des KMU-Tests bisher ausbliebe.
handelsblatt.com

Förderkredite für Unternehmen starten: Die KfW-Förderkredite für kleine Unternehmen und Selbstständige, die im Zuge der Corona-Krise vergeben werden, können ab Anfang nächster Woche beantragt werden. Die KfW und die Kreditwirtschaft hatten sich auf die Details in der Nacht auf Mittwoch geeinigt. Der Plan sieht vor, den Banken die nötigen Kompetenzen für die Vergabe von Krediten zu geben, ohne dass die KfW darüber entscheiden muss. Die Kredite werden zwar bei den Hausbanken beantragt, die KfW soll jedoch einen Großteil der Ausfallrisiken übernehmen. Puffer in Höhe von rund 250 Milliarden Euro, die von den Banken nach der Finanzkrise aufgebaut wurden, könnten jetzt genutzt werden, so Felix Hufeld, Chef der Bonner Finanzaufsicht BaFin. Eigentlich hätten die Banken bis Sommer einen zusätzlichen Kapitalpuffer in Höhe von rund fünf Milliarden Euro aufbauen müssen. Diese Regelung wurde nun bis zum Ende des Jahres ausgesetzt. Jörg Kukies, der Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, warnte jedoch, dass nicht unbedingt alle Unternehmen von den Krediten profitieren würden. Kleine Unternehmen und Selbstständige würden sich häufig nur durch Überziehungskredite finanzieren. Die Bundesregierung plant jedoch weitere Instrumente für diese Fälle.
handelsblatt.com, welt.de

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Präzision aus Tradition: Das Uhrenwerk Weimar stellt seit 1950 Präzisionstechnik und Feinmechanik für Zeitmesser her. 2017 feierte die Thüringer Traditionsmarke Wiedergeburt. Mit den Armbanduhr-Modellen „Henry van de Velde“, „Luftbrücke Berlin“ und „Royal Union“ wurde ein neues Kapitel aufgeschlagen. Erleben Sie 2020 mit der ersten Automatikuhr „Palaemon“, was an Design und Technik aus Weimar möglich ist. Mehr Infos zum Uhrenwerk Weimar und seinen Modellen findet man unter www.uhrenwerk-weimar.de oder per Mail unter palaemon@weimar.watch

Die KMU-Strategie der EU: Die EU-Kommission hat ihre Strategie für die Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) vorgelegt. KMU sollen wettbewerbsfähig bleiben. Europa solle ein attraktiver Standort für die Gründung kleiner Unternehmen werden. Der Plan baut auf drei Punkten auf. Der Übergang zu nachhaltigen Geschäftspraktiken und digitalen Technologien soll unterstützt, sowie Kapazitäten für diesen aufgebaut werden und regulatorische Hürden sollen von der EU abgebaut werden. Als dritten Punkt identifiziert die Strategie einen verbesserten Zugang kleiner Unternehmen zu Finanzierungsmöglichkeiten. Konkret plant die EU unter anderem, Kurzlehrgänge zum Thema Digitales zu entwickeln und die Zentren für digitale Innovation zu erweitern. Außerdem will die Kommission rund 300 Millionen Euro bereitstellen, um Innovationen im Rahmen des europäischen Green Deals zu fördern. Auch fordert die EU die einzelnen Mitgliedsstaaten auf, beispielsweise das einheitliche digitale Zugangstor KMU-freundlich zu gestalten. Ein besserer Austausch zwischen den einzelnen Staaten soll dafür sorgen, dass Unternehmen schneller wachsen. Administrative Hindernisse sollen beseitigt und der Binnenmarkt ausgebaut werden.
handwerksblatt.de

Gewerkschaften und Arbeitgeber streiten über Kurzarbeitergeld: Bei den Verhandlungen um das Kurzarbeitergeld im Zuge der Corona-Krise sind sich die Gewerkschaften und die Arbeitgeber uneinig. Zwar sehen einige Verträge eine Aufstockung des Gehalts auf 80 bis 100 Prozent vor, so zum Beispiel bei VW. Im Normallfall gilt jedoch, dass bei der Kurzarbeit nur 60 Prozent des normalen Lohns gezahlt werden. Kanzlerin Angela Merkel zeigte Verständnis für die Klagen der Gewerkschaften. Die Bundesregierung bespricht nun, wie ein höheres Kurzarbeitergeld ermöglicht werden kann. Bei dem Treffen von Politik, Arbeitgebern und Gewerkschaften wurde außerdem eine sogenannte Clearingstelle beschlossen, die arbeits- und wirtschaftspolitische Fragen des Mittelstands beantworten soll. Während der außerplanmäßigen Besprechungen zu diesen Themen wurden außerdem die Tarife in der Metallindustrie weiterverhandelt. In Nordrhein-Westfalen könnte es schon am 2. April zu einem Abschluss kommen, der vorsieht, dass statt Lohnprozenten einmalige Zahlungen getätigt werden.
tagesspiegel.de

Ökonomen gegen Helikoptergeld: Arbeitsminister Hubertus Heil begrüßte die Maßnahmen der KfW und der Deutschen Kreditwirtschaft, den Unternehmen schnell zu Krediten zu verhelfen. Heil teilte auf Twitter mit, dass im Zuge der Schulschließungen keine Eltern Angst haben sollten, ihre Existenz zu verlieren. Man wolle „dafür sorgen, dass die Eltern, die im Moment wegen Kita- und Schulschließungen tatsächlich nicht arbeiten können, nicht mit massiven Lohneinbußen zu rechnen haben.“ Das Helikoptergeld, wie es in den USA nun eingeführt wurde, lehnen viele deutsche Ökonomen jedoch ab. Spezielle Gruppen, darunter besonders kleine Unternehmen und Selbstständige würden Geld benötigen. Pauschal an alle Bürger ausgezahltes Geld würde auch an solche gezahlt, die kein Geld benötigen. Sebastian Dullien, der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) sagte: „Leute mit sicheren Jobs wie Beamte oder Ärzte brauchen jetzt keinen Cash-Bonus.“ Auch ein allgemeines Konjunkturpaket wird von Wirtschaftsexperten derzeit noch abgelehnt. „Im Durchschnitt haben die Leute genug Geld auf dem Konto, um zu konsumieren“, so Gabriel Felbermayr, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW).
spiegel.de

Kurzmeldungen
Niedersachsen will mehr Bürokratie für Mittelstand vermeiden welt.de
Autozulieferer Leoni verschiebt Hauptversammlung focus.de
Facebook will kleine Firmen mit 100 Millionen Dollar unterstützen focus.de

RAT UND TAT

Investoren setzen auf Tech-Mittelstand: Immer mehr Investoren aus der Start-up-Szene investieren in deutsche Mittelstandsunternehmen. So zum Beispiel der Fonds Flex Capital von Felix Haas und zwei weiteren Gründern. Zusammen mit seinen Gründungspartnern hatte der Fonds in den vergangenen Jahren rund 120 Millionen Euro gesammelt, das in den nächsten fünf Jahren ausgegeben werden soll. Vor allem den Tech-Mittelstand sieht Haas als große Chance: „Viele Gründer haben sich dort stark auf Produkt und Technik fokussiert. Wir können ihnen durch Wissen etwa beim Vertrieb zu mehr Wachstum verhelfen.“ Haas will deshalb jeweils 25 Millionen Euro in acht bis zehn mittelständische Unternehmen investieren. Die Gründer des Fonds sehen deutliche Unterschiede zwischen dem klassischen Mittelstand und modernen Start-ups. „Die besuchen nicht die hippen Konferenzen. Vielleicht werden diese Softwareunternehmen manchmal übersehen, weil sie lieber am Produkt feilen, statt darüber zu reden“, so Christoph Jost, der ebenfalls an dem Fonds beteiligt ist. Um ihren Fonds bekannter zu machen, arbeiten die Gründer von Flex Capital nun mit einer PR-Agentur zusammen. So soll den Mittelstandsunternehmen deutlich gemacht werden, dass diese von den Investitionen profitieren könnten.
handelsblatt.com

Mittelstand schlecht gegen Cyberattacken gerüstet: Der deutsche Mittelstand ist ein beliebtes Ziel von Cyberattacken. Bitkom, der Branchenverband der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche, geht davon aus, dass Unternehmen mit 100 bis 500 Mitarbeitern am häufigsten von Hackerattacken betroffen sind. Angriffe auf deutsche Unternehmen würden laut Experten mehr Schaden anrichten, als auf amerikanische oder britische. Viele der Unternehmen unterschätzen dabei ihre Attraktivität für Cyberkriminelle und das Ausmaß des potenziellen Schadens. Unternehmen sind besonders von Erpressungsversuchen durch Hacker betroffen, die die Daten der Firmen verschlüsseln und diese nur gegen Geldzahlungen wieder freigeben. Als Schutz vor Internetkriminalität empfehlen Experten im Zweifelsfall die Hilfe von Sicherheitsdienstleistern hinzuzuholen. Aber auch eine wachsame Belegschaft könne einen größeren Schaden verhindern.
welt.de

Binder liefert Kälteschränke gegen das Coronavirus: Die Firma Binder aus Tuttlingen ist Weltmarktführer für Klimaschränke. In der Zeit der Corona-Krise leistet das Unternehmen einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung des Virus. Das Unternehmen liefert Schränke für Labore, die dort Proben von Viren lagern. Unter anderem steht ein solcher Schrank im Hochsicherheitslabor in Mittelhäusern im Kanton Bern, wo bereits erste Forschungserfolge gemeldet wurden. Rund 22.000 Geräte kann das Tuttlinger Unternehmen pro Jahr herstellen. Innerhalb einer Woche kann Binder einen solchen Schrank liefern. Ein großer Absatzmarkt für seine Produkte hat das Unternehmen in China, wo das Geschäft zuletzt stark gelitten hatte.
handelsblatt.com

AUS GESPROCHEN

Im Moment ist die Versorgungssicherheit gegeben. Da haben wir im Moment keine Zweifel.

Dirk Engelhardt, Vorsitzender des Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung, sieht noch keine Einschränkungen der Logistik. Er fordert jedoch Notfallzentren, das Aussetzen von Vorschriften, Geld und eine Betreuung für Kinder von Lkw-Fahrern.
n-tv.de

AUS DER REIHE

Bierbranche leidet unter Corona-Krise: Auch die Bierbranche ist stark von der Corona-Krise betroffen. Nachdem zunächst die Exporte nach China und Italien zurückgingen, stockt jetzt auch das heimische Geschäft. Besonders wegen der Absage so gut wie aller Veranstaltungen in Deutschland in der nächsten Zeit und die Schließung aller Bars, Clubs und Diskotheken machen der Branche zu schaffen. Sollten Festivals im Sommer und vor allem die geplante Fußball-Europameisterschaft ausfallen, würde sich die Lage wohl dramatisch verschlimmern.
n-tv.de