KW 11: Ökonomen legen Notfallplan für Coronakrise vor, Bundesregierung senkt Hürden für Kurzarbeit, Messebranche leidet an Coronavirus

Liebe Mittelständler,

Der Coronavirus infiziert das öffentliche Leben und damit auch den Mittelstand. Nicht erst nachdem gestern die Weltgesundheitsorganisation WHO die Verbreitung des „COVID-19“ zur Pandemie erklärt hat geraten wichtige Wirtschaftsmotoren ernsthaft ins Ruckeln. Die Reisemesse ITB in Berlin und die Buchmesse Leipzig sind bereits abgesagt, die Hannover Messe wurde auf Juli verschoben. Doch Messen sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für große Konzerne ebenso wie für mittelständische Unternehmen. Für eine Vielzahl von ihnen droht schwerer wirtschaftlicher Schaden. Es ist zu befürchten, dass manche die Krise nicht überleben und im großen Umfang Arbeitsplätze in Deutschland verloren gehen werden. Keine Frage: die mittelständische Industrie und der deutsche Arbeitsmarkt ist in Gefahr. Die Erwartungshaltung an die Politik ist schnelle Soforthilfe für alle Beteiligten. Eine Maßnahme wie die vom Bundestagsabgeordneten Gerald Ullrich geforderte Umstellung der Umsatzsteuer von Soll- auf Ist-Besteuerung wäre ein erster schneller Schritt, der kleine und mittlere Unternehmen in der Krise entlasten würde.

Ihr
Thomas Philipp Reiter

AUS POLITIK UND WIRTSCHAFT

Ökonomen legen Notfallplan für Coronakrise vor: Sechs deutsche Ökonomen haben am Mittwoch einen Plan aufgestellt, um den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise zu begegnen. Der Notfallplan mit dem Titel „Wirtschaftliche Implikationen der Corona-Krise und wirtschaftspolitische Maßnahmen“ sieht unter anderem eine Abkehr der Bundesregierung von einem schuldenfreien Haushalt sowie die Sicherstellung des Gesundheitssystems und der medizinischen Versorgung vor. Auch können sich die Wissenschaftler Urlaubssperren für Mediziner und spezielle Betreuungsangebote für deren Kinder im Falle von Kita-Schließungen vorstellen. Die Bundesregierung plant schon jetzt Liquiditätshilfen für Unternehmen, um dem wirtschaftlichen Abschwung entgegenzukommen. Dies wird von den Ökonomen unterstützt. Für deren Umsetzung sei eine Erhöhung des Volumens der staatlichen KfW-Banken denkbar. Als Ultima Ratio wird ein Rettungsfonds vorgeschlagen, um Unternehmensinsolvenzen zu verhindern.
handelsblatt.com

Bundesregierung senkt Hürden für Kurzarbeit: Die Bundesregierung plant wegen des Coronavirus Unternehmen den Zugang zur Kurzarbeit zu erleichtern. Das wurde im Koalitionsausschuss im Bundeskanzleramt beschlossen. Die Regelung ist Teil des Arbeit-von-morgen-Gesetzes. Zusätzlich ist geplant, dass die die Bundesagentur für Arbeit Sozialbeiträge übernehmen wird, die bisher von den Unternehmen für die Kurzarbeit gezahlt wurden. Sozialminister Karl-Josef Laumann aus Nordrhein-Westfalen erklärte, es sei wichtig, „dass Leute nicht entlassen werden.“ Die Gewerkschaften sprachen sich zwar generell ebenfalls für einen erleichterten Zugang zur Kurzarbeit aus. Die IG Metall sieht in dem Gesetz jedoch noch „Korrekturbedarf“, so IG Metall-Chef Jörg Hofmann. Die Entlastung käme vor allen Dingen den Arbeitgebern zugute, während Beschäftigte Entgelteinbußen von bis zu 40 Prozent hinnehmen müssten. „Wir fordern den Gesetzgeber auf, verbindlich zu regeln, dass die Erstattung des Arbeitnehmeranteils an den Sozialabgaben an die Beschäftigten weiterzugeben ist“, so Hofmann weiter. Weitere mögliche Maßnahmen der Bundesregierung beinhalten Steuerstundungen für die besonders betroffene Tourismusbranche und Kreditlinien der staatseigenen Kreditanstalt.
zeit.de, heise.de (IG Metall)

IG Metall und Metallbranche verhandeln in NRW: Die IG Metall trifft sich heute mit nordrhein-westfälischen Arbeitgebern der Metall- und Elektroindustrie, um über neue Tarife zu verhandeln. Vier Sondierungsgespräche waren dem vorausgegangen. Noch besteht die sogenannte Friedenspflicht. Die Gewerkschaft darf in dieser Zeit nicht zum Streik aufrufen. Ziel der IG Metall ist es, „Zukunftstarifverträge“ für einzelne Unternehmen abzuschließen und Regelungen verankern, um auf Zeiten mit wenigen Aufträgen zu reagieren. Auch wünsche man sich zukunftsfähige Geschäftspläne von den Unternehmern. Zu einer Lohnforderung wollte sich die IG Metall bislang nicht äußern. Der Düsseldorfer Bezirksleiter der IG Metall, Knut Giesler, betonte: „Wir müssen vor Ostern zuverlässig wissen, ob wir innerhalb der Friedenspflicht zu einem Ergebnis kommen. Das Paket muss dann gut gefüllt sein. Wenn das nicht gelingt, müssen wir den Arbeitgebern in der Woche vor oder in der Woche nach Ostern eine konkrete Forderung überreichen.“ Für die Arbeitgeber stehen die Transformationen im Zuge Digitalisierung und Elektroantrieben im Vordergrund. Erst dann könnte über Entgelt geredet werden. Das Coronavirus soll laut Giesler keinen Einfluss auf die Verhandlungen haben, da es keine strukturell nachhaltigen Folgen mit sich bringen würde.
handelsblatt.com

Bayern sucht Lösungen für die Autokrise: Die bayerische Automobilindustrie steckt in der Krise. Allein im letzten Jahr fielen dort mehr als 30.000 Arbeitsplätze der Branche weg. Grund dafür war bisher besonders die Krise des Verbrennungsmotors, beispielsweise wegen des Dieselskandals. Nun kommt noch die wirtschaftliche Bedrohung durch das Coronavirus hinzu. Während die SPD als Lösung der Krise Hilfsmaßnahmen für die Automobilzulieferer oder eine Senkung der Unternehmenssteuer vorschlägt, will die CSU auf günstigere Standortbedingungen setzen. Eine Senkung der Unternehmenssteuer hält die Partei ebenfalls für sinnvoll. Hinzu kommen könnten günstigere Strompreise sowie die zügige Abschaffung des Solidaritätszuschlags. Auch die Grünen fordern Hilfen für die Autozulieferer. Sie wollen aber zusätzlich auf emissionsfreie Brennstoffe setzen. Zwar beharren die Grünen weiter auf ihrer Forderung, alle Autos emissionsfrei fahren zu lassen, dank neuartiger Brennstoffe müsste dafür allerdings nicht unbedingt der Verbrennungsmotor abgeschafft werden. Die AfD sieht vorrangig die Klimaschutz-Vorgaben in der Schuld, die dazu geführt hätten, dass Arbeitsplätze ins Ausland verlegt wurden. Die FDP möchte die großen Autohersteller wie BMW, Daimler, VW und Audi in die Pflicht nehmen, um den Zulieferer-Firmen entgegen zu kommen, während die Freien Wähler auf die Bayerische High-Tech-Agenda der Staatsregierung verweisen.
br.de

Messebranche leidet an Coronavirus: Die Messebranche ist besonders stark vom Coronavirus betroffen. Der Bundesverband Industrie Kommunikation (BVIK) betonte in einer Presseerklärung nun die Bedeutung des Standorts Deutschland für internationale Messen auch für den Mittelstand. Einige der größten Messen Deutschlands wie die Leipziger Buchmesse oder die ITB wurden bereits abgesagt oder verschoben. Der BVIK, der 220 Mitglieder umfasst, sei von den Ausfällen unmittelbar betroffen und stehe vor schwer lösbaren Herausforderungen. Der Schaden für die Messebau-Branche betrage 670 Millionen Euro, der Gesamtschaden sogar 1,6 Milliarden Euro, wie das Research Institute for Exhibition and Live-Communication bekannt gab. Auch die Berliner Clubs schlagen Alarm. Die Clubszene Berlins ist ein besonderer Wirtschafts- und Tourismusfaktor für die Stadt. Die Geschäftsführer des Clubs Schwuz beziffert Mietausfällen in Höhe von 50.000 Euro sowie einen Rückgang von Partybesuchern um etwa 20 Prozent. Die Betreiber wünschen sich staatliche Finanzhilfen für die betroffenen Berliner Clubs.
vdi-nachrichten.com, tagesspiegel.de (Clubs)

Wirtschaftssenatorin Pop stellt Berliner Hotels Darlehen in Aussicht tagesspiegel.de
3000 Aktionäre erwartet: Die Telekom-Hauptversammlung wackelt faz.net
Vier Milliarden weniger Gewinn: Bahn korrigiert Ertragsziele massiv nach unten tagesspiegel.de
Keine Kassen mehr: Amazon knöpft sich die Supermärkte vor heise.de

RAT UND TAT

Mittelstand hat mehr Frauen in Führungspositionen: Im Mittelstand lag der Frauenanteil im Vorstand Anfang 2020 bei durchschnittlich 16 Prozent und damit deutlich höher als bei börsennotierten Unternehmen, wo gerade einmal neun Prozent der Vorstandsposten mit Frauen besetzt sind. Das ergab eine Studie des Beratungsunternehmens EY. 2018 saßen in mittelständischen Unternehmen nur 14 Prozent Frauen in den Vorständen. Erklärt wird die überdurchschnittlich hohe Zahl damit, dass der Wettbewerb um Fachkräfte bei kleineren Unternehmen oft höher sei. Auch seien diese oft familiengeführt, weshalb auch weibliche Familienmitglieder oft frühzeitig auf Führungsposten vorbereitet werden. EY hatte 1500 mittelständische deutsche Unternehmen mit mindestens 20 Millionen Euro und höchstens 1 Milliarde Euro Umsatz befragt. Die Zahl der Frauen in Führungspositionen stieg, je kleiner die Unternehmen waren. Je nach Branche unterscheidet sich die Zusammensetzung deutlich. Während bei Finanz- und anderen Dienstleistern 26 Prozent der Führungsposten von Managerinnen besetzt sind, liegt die Zahl in der Maschinenbau-Branche nur bei acht Prozent.
morgenpost.de

VW-Beschäftigte bekommen höhere Boni: Beschäftigte von Volkswagen können sich in diesem Jahr über einen höheren Jahresbonus freuen. Den Angestellten wird 2020 ein Betrag von 4950 Euro ausgezahlt. 2019 waren es noch 4750 Eruo. Dies gab die Zeitung des Betriebsrats von Volkswagen bekannt. Volkswagen konnte im Gegensatz zu anderen Firmen aus der Branche im vergangenen Jahr stabile Gewinne einfahren, weshalb VW seine Beschäftigten besser beteiligen will. „Auch im vergangenen Jahr haben die Kolleginnen und Kollegen wieder überall hochflexibel mitgezogen“, so Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh, der die Jahresprämie mitverhandelt hatte.
handelsblatt.com

KI im Mittelstand kaum verbreitet: Auch der Mittelstand nutzt künstliche Intelligenz in immer größerem Ausmaß. Die Industrie- und Handelskammer Schwaben veranstaltete in der vergangenen Woche die „AI Convention“, um zu zeigen, in welchen Bereichen KI genutzt werden kann. Torsten Hartmann vom Branchenverband Bitkom sieht deren Vorteile beispielsweise bei der Prognose von Maschinenausfällen. KI könne diese vorhersagen und entsprechende Ersatzteile bestellen, noch bevor der Ausfall eintritt. Eingesetzt wird KI unter anderem schon Autozulieferer Faurecia, der so den Kauf von Stahl optimiert. Kleinere Firmen sehen allerdings oft noch nicht den Nutzen von künstlicher Intelligenz. Laut Thomas Fraunholz vom IT-Unternehmen Wogra benötige es noch standardisierte Anwendungen um die eigene Entwicklungsarbeit zu verringern.
augsburger-allgemeine.de

Bürokratie im Handwerk: Andreas Ehlert, der Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf, kritisierte bei einer Meisterverleihung die Bundesregierung für die hohen bürokratischen Hürden, die junge Menschen, die ihren Meister machen wollen, überwinden müssen. „Auf Bundesebene regiert eine Koalition, die Entscheidungen trifft, die jungen Menschen nicht helfen oder ihnen gar das Leben schwer machen“, so Ehlert. Auch forderte er eine Steuerreform zur Entlastung von Unternehmen. Athanasios Mahlelis, dem in diesem Zusammenhang von Ehlert der Meisterbrief übergeben wurde, gab ihm Recht. Zu der aufwändigen Ausbildung zum Meister komme auf junge Menschen häufig die zeitliche Belastung durch das Ausfüllen von Formularen hinzu.
rp-online.de

AUS GESPROCHEN

„Wir wollen, dass möglichst kein Unternehmen in Deutschland nur aufgrund der Corona-Epidemie in die Insolvenz gehen muss.“

Wirtschaftsminister Peter Altmaier über die wirtschaftlichen Auswirkungen des Coronavirus.
spiegel.de

AUS DER REIHE

Einwände gegen Teslas Gigafactory: Insgesamt 361 Einwände gibt es gegen die von Tesla geplante Giga-Fabrik von Tesla in der brandenburgischen Grünheide. Wie das Umweltministeriums Brandenburg mitteilte, ginge es dabei vor allen Dingen um die Themen Wasser, Wald, Verkehr und Naturschutz. Die Einwände werden am 18. März öffentlich erörtert und daraufhin noch einmal geprüft. Bis alle Genehmigungen für Tesla endgültig vorliegen, könnte es noch bis zum Sommer dauern. Das Unternehmen kann jedoch schon jetzt, auf eigene Gefahr, mit den Bauarbeiten beginnen.
spiegel.de